Diesel und Dunst, Abenteuer-Journalisten, Selfie-Affen und Neues vom Nackt-Karpfen-Kalender

Karpfen-Kalender, Naruto. Diesel-Gate, Ariel Hauptmeier
Karpfen-Kalender, Naruto. Diesel-Gate, Ariel Hauptmeier

Nach dem enttäuschenden Diesel-Gipfel diese Woche zeigte die ARD zum Runterschalten am Abend statt eines „Brennpunkts“ lieber den „Audi Cup“ - wie passend. Außerdem in diesem MEEDIA-Wochenrückblick: die Sache mit dem Affen-Selfie, Super-Journalist Ariel Hauptmeier heuert bei der Republik an und es gibt dramatische Nachrichten von der Nackt-Karpfen-Kalender-Front.

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Was für eine Woche im Diesel-Dunst. Die deutschen Auto-Hersteller arbeiteten bei dem so genannten Diesel-Gipfel mit Hochdruck daran, Image und Vertrauen bei Kunden nachhaltig zu zerstören. Darin sind sie aktuell deutlich erfolgreicher als bei der Reduzierung der Stickoxide von Diesel-Autos. Wer berät diese Typen eigentlich? Der Spiegel hat schon wieder neue Ungeheuerlichkeiten ausgegraben, nämlich dass die gefundene Minimalst-Lösung mit den Software-Updates womöglich so gut wie gar nichts bringen wird und dass das Kanzleramt mit Daimler-Cheflobbyist und Ex-Staatsminister von Klaeden gemauschelt hat. Jemand überrascht? Der desaströse Diesel-Gipfel wäre eigentlich ein gutes Thema für einen ARD-„Brennpunkt“ gewesen. Aber es ist ja Ferienzeit und da will die ARD die Zuschauer nicht mit zu vielen Infos behelligen. Stattdessen zeigte das Erste am Mittwoch um 20.15 Uhr lieber das Endspiel im „Audi Cup“ zwischen Atletico Madrid und dem FC Liverpool. Ja, richtig gelesen: „Audi Cup“. Eine sportlich weitgehend unbedeutende Werbe-Veranstaltung jener VW-Marke, die als Keimzelle des ganzen Schlamassels gilt. Die durfte dann zur besten Sendezeit schön Werbung im werbefreien Ersten machen. Die Medienkorrespondenz bezeichnet das als Skandal. Soweit muss man jetzt vielleicht nicht gehen. Ein bisschen jämmerlich ist es aber schon.

Eine Geschichte aus der Reihe „kaum zu glauben“ war diese Woche die Sache mit dem Fotografen, der von der Tierschutzorganisation Peta wegen des berühmten Affen-Selfies verklagt wurde. Das Bild brachte dem Tier-Fotografen David Slater offenbar nur Pech. Weil der Affe den Auslöser betätigt hat, wurden dem Fotografen zunächst die Urheberrechte aberkannt, so dass er an der weltweiten Verbreitung des Motivs nichts verdienen konnte. 2015 verklagte ihn dann auch noch Peta im Namen des Affen (er heißt Naruto). Der Prozess zieht sich und hat Slater angeblich finanziell ruiniert. Jetzt arbeitet er als Tennislehrer. Ob die bei Peta gar nicht merken, was sie da anrichten?

Vor vielen Jahren begann ich meine Tätigkeit als Medienfuzzi beim Mediendienst kress in Heidelberg. Ein Kollege dort war kurzzeitig auch Ariel Hauptmeier. Der hat es vom TV-Ressort beim kress weit gebracht. Heute las ich, dass er das Recherchebüro Correctiv verlässt und als Textchef zum Schweizer Medien-Startup Republik wechselt. Alle Neuzugänge werden von Republik mit kurzen Biografien vorgestellt, die von Ariel Hauptmeier finde ich besonders beeindruckend: Er studierte Philosophie an der Sorbonne, war Deutschlehrer in Granada, Fotograf bei einer Zeitung in San Salvador, in Berlin betrieb er eine „heimliche Kneipe“ namens „Blue Room“, besuchte die Henri-Nannen-Schule, bereiste Japan und Botswana, besuchte Kokabauern in Kolumbien und Rapper in Rio. Er zeltete auf einer Eisscholle vor Ostgrönland und „schlich nachts mit jungen Afrikanern zum Grenzzaun von Melilla“. Schließlich ging er zu Geo, wurde Vater (zweimal!) und Fußballtrainer bei Altona 93. In dieser Zeit gründete er zusammen mit „Reporter-Legende“ Cordt Schnibben und Stephan Lebert quasi im Vorbeigehen das Reporter-Forum. Neben seiner Arbeit als Textchef bei Correctiv hatte er einen Nebenjob als Schreibcoach und Ausbilder. Und dieses Jahr schrieb er zusammen mit einer Kollegin das Buch „Und die Vögel werden singen“ – die Autobiografie des syrischen Pianisten Aeham Ahmad, der berühmt wurde, weil er mitten in den Trümmern von Damaskus Mozart spielte.

Jessas. Und ich fühle mich bisweilen schon vom Aus- und wieder Einräumen der Geschirrspülmaschine latent überfordert.

Freunde der speziellen Kalender-Kunst aufgemerkt! Auf der A2 zwischen Magdeburg und Hannover ist in der Nacht zum Freitag eine komplette Lkw-Ladung Nackt-Karpfen-Kalender vom Typ „Carponizer 2018“ verbrannt! Tausende Exemplare des allseits beliebten „erotischen Karpfenkalenders“ sind den Flammen zum Opfer gefallen. Dabei haben sich die Macher auch diesmal wieder so viel Mühe gegeben. U.a. sorgten „während des Shootings zwei kompetente Betreuer für das Wohlergehen der schuppigen Hauptakteure“. Gemeint sind die Fische. Wie es weitergeht? Nun, der Carponizer hat für alle Fans einen eigenen Twitter-Account mit den neuesten Entwicklungen in Sachen Nackt-Karpfen-Kalender angelegt.

Bitte folgen.

Schönes Wochenende!

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