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Verkaufspoker um Sport1: Spielt Springer-Chef Döpfner bei der Constantin-Tochter auf Zeit?

Axel Springer-CEO Mathias Döpfner, Übernahmegerüchte zu TV-Sender Sport1: kein Interesse oder kalkulierter  Preispoker?
Axel Springer-CEO Mathias Döpfner, Übernahmegerüchte zu TV-Sender Sport1: kein Interesse oder kalkulierter Preispoker?

Das Gerangel um den zur Constantin Medien AG gehörenden Fernsehsender Sport1 geht weiter. Bislang galt Axel Springer als heißer Kauffavorit für den Spartenkanal. Jetzt hat sich Springer-Chef Mathias Döpfner überraschend aus dem Rennen zurückgezogen. Doch das Desinteresse des Springer-Chefs könnte geschickte Verhandlungstaktik sein. Döpfner spielt möglicherweise auf Zeit, um preiswerter an die Constantin-Tochter zu gelangen.

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Bis vor Kurzem galt Axel Springer noch als heißer Favorit um den Kauf des zu Constantin Medien AG gehörenden Fernsehsenders Sport1. Der Berliner Medienkonzern soll seit Wochen exklusiv mit dem Constantin-Management darüber verhandelt haben, den TV-Sender und Digitalanbieter zu erwerben.

Jetzt zeigt Axel Springer überraschend dem millionenschweren Deal die kalte Schulter. Sport1 habe für Axel Springer keine Priorität, erklärte Döpfner anlässlich der Halbjahreszahlen des Konzerns auf Nachfrage. Es gebe auch keine Gespräche. Generell sei aber Sport für das Berliner Medienhaus hochinteressant, vor allem, um das Flaggschiff Bild weiter auszubauen. Beleg hierfür ist die neue Sport App von Bild und Sport Bild, die der Springer-Konzern jetzt gestartet hat. Sie ersetzt die bisherige App „Bundesliga bei Bild“.

Dass die Verhandlungen gescheitert sind, könnte möglicherweise an unterschiedlichen Preisvorstellungen gelegen haben. Angeblich verlangt Constantin für Sport1 einen Preis in dreistelliger Millionenhöhe. Dies dürfte für den Springer-Boss deutlich zu hoch gewesen sein. Döpfner könnte deshalb auf Zeit spielen, um preiswerter an den TV-Sender heranzukommen, heißt es in Branchenkreisen. Denn für Constantin Medien-Chef Fred Kogel ist der Verkauf von Sport1 wichtig, um den Fortbestand des bayrischen Unternehmens abzusichern. Das weiß auch Döpfner. Erst jüngst hatte die FAZ die finanziellen Probleme der Constantin Medien AG beschrieben und hierbei aus dem Geschäftsbericht aus 2016 zitiert: „Sollte der Sport1-Verkauf scheitern, könnte das den Fortbestand des Unternehmens gefährden“, so das Frankfurter Blatt. Die Zeitung hatte daher die Veräußerung von Sport1 als Notverkauf interpretiert. Als Grund nannte die FAZ, dass kommenden April eine Constantin-Schuldverschreibung über 65 Millionen Euro fällig werde. Zudem laufe ein Darlehen der Unicredit schon Ende September aus. Damit steht Constantin-Chef Kogel unter Handlungsdruck.

Doch Springer ist nicht das einzige Medienunternehmen, dem Interesse an Sport1 nachgesagt wird. Zuletzt standen der Bezahlsender Sky und die Telekommunikationsfirma Freenet als mögliche Käufer im Raum. Die Constantin Medien AG steht seit Längerem in den Schlagzeilen. Erst wollte sich der Constantin-Chef von der Filmtochter Constantin Film („Fack Yu Göthe“) trennen. Da dies aber rechtlich schwierig ist, schwenkte der ehemalige ZDF-Manager um und stellte Sport1 zur Disposition. Der Aktienkurs von Constantin Medien AG legte heute um 4,43 Prozent auf 1,96 Euro zu.

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