Susann Hoffmann über Edition F: „Die Vision war immer, ein digitales Zuhause für Frauen zu schaffen“

Susann Hoffmann, Co-Founderin von Edition F.
Susann Hoffmann, Co-Founderin von Edition F.

Der Markt der Frauenmagazine ist hart umkämpft. Trotzdem konnten sich zuletzt einige innovative Angebote einen festen Platz sichern. Dazu gehören Très Click, Edition F oder Femtastics, die sich alle innerhalb weniger Jahre zu Instanzen im Online-Journalismus entwickelt haben und Ausdruck eines neuen Netzfeminismus sind. Hinter diesen Marken stehen Gründerinnen, die die Vision eint, auch online facettenreichen Journalismus für Frauen machen zu wollen. MEEDIA stellt die Erfolgsgeschichten dieser Magazine vor. Teil zwei: Edition F.

Anzeige

Das Thema Wirtschaft war in der deutschen Medienlandschaft lange Zeit eine absolute Männerdomäne – bis Edition F an den Start ging. 2014 gründeten Nora-Vanessa Wohlert und Susann Hoffmann das Magazin und legten seitdem einen steilen Aufstieg hin. Edition F ist mittlerweile Magazin, Community, Job-Börse und Weiterbildungsangebot in einem. Im September 2016 starten die Berlinerinnen die Female Future Force Academy: Für 99 Euro bieten sie dabei Frauen ein einjähriges digitales Karriere-Coaching via Video, Interview oder Podcast. Im MEEDIA-Interview spricht Co-Founderin Susann Hoffmann über ihre Vision für Edition F, das neue Selbstbewusstsein von Frauen und Feminismus in der Business-Welt.

Wie läuft es mit Eurer Female Future Force Academy?
Susann Hoffmann: Es läuft erstaunlich gut. Wir haben bereits während des Crowdfundings festgestellt, dass wir einen Nerv getroffen haben. Wir konnten ja innerhalb von sechs Wochen schon 380.000 Euro sammeln, und tatsächlich geht es auch immer weiter. Jeden Tag kommen neue Mitglieder hinzu. Das zeigt uns, dass die Academy wirklich gebraucht wird.

Wie viele Mitglieder seid Ihr jetzt? Und wann geht es genau los?
Wir haben aktuell ungefähr 4.700 Mitglieder und peilen für den Launch den 25. September an. Zurzeit sind wir in der Hochphase der Videoproduktion und drehen fast täglich mit unseren Coaches.

Zu Edition F: Welche Vision hattet Ihr, als Ihr 2014 an den Start gegangen seid?
Die Vision ist immer gewesen, ein digitales Zuhause für Frauen zu schaffen. Eine Plattform, auf der sie alles finden, was sie wissen müssen, um sich beruflich und privat verwirklichen zu können. Dabei ist es uns besonders wichtig, ein Gemeinschaftsgefühl zu erzeugen und den Community-Gedanken zu stärken. Das haben wir in den letzten Jahren immer weiter ausgebaut, zuerst mit unseren Seminaren und jetzt mit der Female Future Force Academy. Das ganze Thema E-Learning ist ein zentraler Baustein der persönlichen Weiterbildung. Vor allem Frauen tun sich häufig schwer damit, Weiterbildungsangebote einzuholen oder Coachings von ihren Chefs einzufordern. Das wollen wir ihnen erleichtern.

Screenshot Edition F

Nora und Du seid damals zu zweit mit Edition F gestartet, wie ist Euer Team bis heute gewachsen?
Schon Ende 2014 waren wir ein kleines Team aus sechs Leuten, darunter zwei Entwickler und zwei Redakteurinnen. Aktuell sind wir 25 Personen.

Wie viele Unique User habt Ihr?
Ungefähr 600.000.

Schreibt Ihr schon schwarze Zahlen?
Tatsächlich sind wir mittlerweile profitabel, ja. Das schwankt natürlich wie bei allen Start-ups immer mal wieder, abhängig davon, ob wir gerade investieren.

Wie finanziert Ihr Euch?
Zu Anfang waren wir investorenfinanziert. Wir haben aber schon lange keine Investitionsrunde mehr gemacht und planen derzeit auch keine weitere. Unsere Einnahmequellen sind die Jobbörse, Native Advertising, Eventsponsoring und jetzt natürlich auch die Female Future Force.

Das Thema Wirtschaft war in der deutschen Medienlandschaft bislang nicht gerade weiblich besetzt. Habt Ihr das zu euren Anfangszeiten gespürt? War es schwierig für Euch in dieser Männerdomäne?
Es gab sicherlich einige Leute, die uns am Anfang erst einmal von oben herab beobachtet oder belächelt haben. Ich glaube aber schon, dass sich die männlichen Wirtschaftstitel ihre Leserschaft durchaus weiblicher wünschen. Vielen Medienmachern ist bewusst, dass dieses Ungleichgewicht beim Thema Wirtschaft nicht toll ist. Deshalb kooperieren wir beispielsweise auch mit dem manager magazin und tauschen Inhalte aus. Sie bekommen von uns immer mal wieder Texte, die sie vielleicht selber in ihrer Redaktion nicht unbedingt machen würden.

Der Feminismus erlebt zurzeit einen neuen Aufschwung. Was bedeutet Feminismus für Dich?
Feminismus bedeutet für mich, dass sich Frauen ihrer Werte, ihrer Ziele und ihrer Bedürfnisse bewusst werden und sich trauen, für diese einzustehen. Das hat am Ende Auswirkungen auf unsere gesamte Gesellschaft: Je mehr man bei sich ankommt, je mehr man selbstbestimmt Entscheidungen trifft und je mehr man sich traut, diese nach außen zu kommunizieren, desto eher muss ein Gegenüber auch reagieren. Das heißt auf die Business-Welt übertragen: Wenn Frauen wissen, wo sie hinwollen und ihre Karriereziele verfolgen, müssen Männer darauf reagieren und dann werden wir hoffentlich irgendwann auch in Führungsetagen ein 50/50-Modell haben. Auch Partnerschaften werden sich dadurch ändern: Wenn Frauen ganz klar sagen, dass sie auch nach der Geburt eines Kindes wieder zurück in den Job wollen, wird die Elternzeit möglicherweise immer öfter zu gleichen Teilen zwischen beiden Eltern aufgeteilt. Letztendlich geht es darum, ein neues Selbstbewusstsein zu entwickeln. Dabei müssen wir aber gar nicht anfangen, die Männer auszugrenzen. Schließlich sitzen wir alle in einem Boot, wir wollen alle eine gerechte Gesellschaft haben.

Und dieses neue Selbstbewusstsein wollt Ihr mit Edition F unterstützen.
Ja, wir wollen Frauen inspirieren, für ihre Bedürfnisse einzustehen, und gleichzeitig auf Ungleichheiten aufmerksam machen. Wenn ich an meine persönliche Reise als Frau denke, gab es immer wieder Unsicherheiten auf meiner Seite und auch die Erkenntnis, wie selbstverständlich Männer mit vielen Themen umgehen, wie beispielsweise mit Gehaltsverhandlungen oder einem Jobwechsel.

Ich beobachte vor allem im Netz eine wachsende Frauensolidarität. Man unterstützt und empowered sich gegenseitig. Ist das unter den neuen digitalen Frauenmagazinen auch so?
Definitiv. Der große Vorteil dabei ist natürlich unsere Unabhängigkeit. Wir dürfen ohne einen großen Verlag im Rücken selber auswählen, mit wem wir kooperieren wollen. Außerdem haben wir großes Verständnis füreinander, weil wir ein Stück weit dieselbe Reise gegangen sind: Wir haben gegründet, ein neues Medium auf den Markt geworfen und bedienen eine ähnliche Zielgruppe. Wir haben Respekt vor dem, was die anderen leisten, auch wenn es vielleicht inhaltlich in eine andere Richtung geht. Ein klassisches Konkurrenzdenken bringt einem am Ende nichts, der Kuchen ist groß genug für alle.

Vielen Dank für das Gespräch, Susann!

Hier geht es zu Teil 1 unserer Reihe, einem Interview mit Ninon Götz und Alexandra Springer von Très Click. Hier geht es zu Teil 2 unserer Reihe, dem Gespräch mit Lisa van Houtem von Femtastics und und hier zu Teil vier, dem Interview mit Thea und Toni vom sisterMAG. 

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. Es ist wirklich irritierend, dass solche PR-ähnlichen Artikel auf dieser Seite, die auch kritischen Journalismus kann, regelmäßig Platz finden, jetzt sogar in Serie. Warum gefährdet Meedia dadurch seinen Ruf? Bei diesen „Wohlfühlinterviews“ kann einem schlecht werden: distanzlos, kritiklos, anschleimend und ohne jeden Erkenntnisfortschritt.

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige