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„Tote Mädchen lügen nicht“: Netflix-Serie steigert Google-Suchanfragen zum Thema Suizid

Die 17-jährige Hannah begeht in „Tote Mädchen lügen nicht“ Selbstmord
Die 17-jährige Hannah begeht in "Tote Mädchen lügen nicht" Selbstmord

Eine TV-Produktion und ihre Folgen: Forscher in den USA haben nachgewiesen, dass die Zahl der Google-Suchen zum Thema Selbstmord unmittelbar nach Erscheinen der Netflix-Serie "Tote Mädchen lügen nicht" deutlich gestiegen ist. Dabei wurde auf der einen Seite nach konkreten Anleitungen zum Suizid gesucht, auf der anderen Seite aber auch vermehrt nach Hilfsangeboten für suizidgefährdete Teenager.

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Die 17-jährige Hannah weiß keinen Ausweg mehr: Seit Wochen wird sie von Mitschülern gemobbt, massiv psychisch und auch körperlich attackiert. Schließlich beendet sie ihr eigenes Leben – und hinterlässt 13 Kassetten, auf denen sie die Gründe für ihren Selbstmord erklärt. Mit ihrer Anklage auf den Tapes stürzt sie auch einige ihre ehemaligen Freunde in tiefste Verzweiflung und zerstört wiederum deren Leben.

Die umstrittene Netflix-Serie „Tote Mädchen lügen nicht“ (im Original: „13 Reasons Why“) ist seit März bei Netflix zu sehen und sorgt seitdem für Aufsehen. Zahlreiche Gesundheitsbehörden warnten auch in Deutschland: Die Darstellung des Suizids sei romantisierend und könne das Risiko von Nachahmungstaten steigern.

Tatsächlich ist die überaus schmerzhafte, rund dreiminütige Szene, in der sich Hannah das Leben nimmt, für den Zuschauer nur schwer auszuhalten. Die Bilder sind drastisch und explizit. Genau hier liegt für viele Psychiater und Psychologen das Hauptproblem der Serie. „Die Art und Weise wie es gemacht wird, bis hin zu der Darstellung des Suizids am Ende, dass die wirklich die Kamera drauf halten, das ist ein absolutes No-Go für mich“, erklärt die Psychiaterin Ute Lewitzka im Gespräch mit dem Deutschlandfunk. Dies sei „unter Suizid präventiver Hinsicht eine Katastrophe“, so Lewitzka. Generell begrüße sie jedoch eine Auseinandersetzung mit dem Thema Suizid: „Wir sind froh und dankbar, dass man sich diesem Thema widmet. Ganz einfach, weil das eine eigene Welt ist, und das gerade in der neueren Zeit auch eine ganz andere Bedeutung hat.“

Dass die Serie in zwei Richtungen wirkt, konnten nun auch Forscher in den USA zeigen: Wissenschaftler von der San Diego State University untersuchten Google-Suchanfragen zum Thema Selbstmord vor und nach dem Start von „Tote Mädchen lügen nicht“. Insgesamt stiegen die Suchanfragen in den drei Wochen nach Erscheinen der Netflix-Serie signifikant an: 900.000 bis 1.5 Millionen mal häufiger als in der Zeit vor der Ausstrahlung suchten Menschen nach dem Thema Selbstmord. Die Suchanfragen beinhalten dabei zum einen die Anfragen „Suizid Hotline Telefonnummer“, „Suizid Hotline“ und „Suizid Prävention“. Zum andern wurde aber auch nach „Selbstmord begehen“, „Wie Selbstmord begehen“ und „Wie bringt man sich selber um?“ gesucht.

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„’13 Reasons why‘ steigert das Bewusstsein für das Thema Selbstmord“, erklären die Autoren der Studie. Doch es sei beunruhigend, dass die Zahl der Suchanfragen, die Selbstmordgedanken offenbarten, ebenfalls gestiegen seien. Aus den Daten könne jedoch nicht herausgelesen werden, ob diese Suchanfragen tatsächlich zu einem Suizid oder einem Suizidversuch geführt hätten.

In Deutschland hingegen soll es es bereits erste Fälle von Selbsttötungen geben, die in direktem Zusammenhang mit der Serie stehen. Dies gab die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie (DGKJP) in einer Stellungnahme bekannt. „Aktuell berichten Psychotherapeuten, Schulsozialarbeiter und Lehrer bereits, dass die Serie ein großes Thema unter Kindern und Jugendlichen mit psychischen Erkrankungen in den sozialen Netzwerken darstellt und bereits Jugendliche mit affektiven Störungen durch die Serie unter Druck geraten und dekompensiert sind“, heißt es dort. „Die Fachgesellschaften sehen sich außerdem zunehmend mit Berichten von vollendeten Suiziden Jugendlicher konfrontiert, die direkt mit dem Konsum der Serie in Verbindung stehen sollen.“

Die DGKJP bezieht sich in der Stellungnahme ebenfalls hauptsächlich auf die „drastische und romantisierende“ Darstellung des Suizids und spricht die Empfehlung aus, dass Lehrer und Eltern proaktiv mit Jugendlichen über die Serie sprechen sollen anstatt sie zu tabuisieren. „Eventuell kann es sinnvoll sein, die Serie in einem geschützten Setting gemeinsam anzusehen und zu diskutieren. Dabei sollten auch effektive Strategien zum Erkennen und Umgang mit Traumata, Depressionen und suizidalen Krisen aufgezeigt werden.“

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