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„Online-Seiten wurden von großen Verlagen als Mülleimer missbraucht“: Très Click-Gründerinnen über neuen Netz-Feminismus

Die beiden Gründerinnen von Très Click: Ninon Götz und Alexandra Springer
Die beiden Gründerinnen von Très Click: Ninon Götz und Alexandra Springer

Der Markt der Frauenmagazine ist hart umkämpft. Trotzdem konnten sich zuletzt einige innovative Angebote einen festen Platz sichern. Dazu gehören Très Click, Edition F oder Femtastics, die sich alle innerhalb weniger Jahre zu Instanzen im Online-Journalismus entwickelt haben und Ausdruck eines neuen Netzfeminismus sind. Hinter diesen Marken stehen Gründerinnen, die die Vision eint, auch online facettenreichen Journalismus für Frauen machen zu wollen. MEEDIA stellt die Erfolgsgeschichten dieser Magazine vor. Teil eins: Très Click.

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Die beiden Gründerinnen von Très Click, Ninon Götz und Alexandra Springer, sind ehemalige Mitarbeiterinnen des Mode- und Beautyportals Grazia aus dem Hause Gruner + Jahr (Klambt Style-Verlag). Seit drei Jahren versorgen sie die Leserinnen des Online-Magazins mehrmals täglich mit Nachrichten rund um Mode, Beauty und Popkultur. Im MEEDIA-Interview sprechen Ninon und Alex über die Finanzierung ihres Magazins, den Wettbewerb mit anderen Angeboten und den neuen Feminismus im Netz.

Ninon und Alex, ihr seid mit Très Click 2014 gestartet, welche Vision hattet ihr damals?
Ninon: Es gab zu der Zeit im Bereich Fashion, Mode und Lifestyle eine Lücke auf dem Markt. Auf der einen Seite wurden die Seite Online-Seiten von großen Verlagen mehr oder weniger als Mülleimer missbraucht: Alles, was nicht heiß genug war, um im Print zu laufen, wurde lieblos auf die Webseite geschoben. Auf der anderen Seite gab es viele Blogs, die sehr auf die Persönlichkeit der Betreiberin konzentriert waren. Wir haben Angebote dazwischen vermisst und dann einfach losgelegt.
Alex: Unsere Vision ist: Wir besprechen alles, was Frauen Spaß macht und sind dabei sehr positiv. Wir wollen für gute Laune sorgen. Wir lästern nicht über Cellulite und zeigen nicht mit dem Finger auf andere.

Screenshot: Très Click

Das heißt, ihr wollt euch auch ganz klar von Boulevardmagazinen und dem dort oft stattfindenden Bodyshaming abgrenzen.
Alex: Auf jeden Fall. Wir haben die Regel: „Stell dir vor, du bist heute Abend mit dem Prominenten, über den du gerade schreibst, auf einer Veranstaltung und musst neben ihm sitzen. Kannst du ihm noch in die Augen schauen?“ Das heißt nicht, dass wir niemals kritisieren, aber wir tun dies auf Augenhöhe und mit Respekt. Auf eine Frau am Strand mit den Worten „Guck mal, wie dick die ist“ zu zeigen, ist nicht unsere Art. Auch wenn sowas sicher Klicks bringt.

Was hat sich in den drei Jahren inhaltlich bei euch geändert?
Alex: Zu Beginn lag unser Fokus auf Fashion, aber wir haben festgestellt, dass bei unseren Leserinnen vor allem auch Beziehungs- und Sexthemen sowie Real Life Stories gut ankommen. Unsere Themenpalette ist also breiter geworden.

Screenshot: Très Click

In einem Satz: Was ist euer Motto?
Ninon: Da wir unsere eigene Zielgruppe sind, lautet unser Motto: „Würd ich es klicken? Würd ich es posten? Würd ich es sharen?“

Mit wie vielen Personen seid ihr vor drei Jahren gestartet?
Alex: Wir sind zu zweit gestartet, am Wohnzimmertisch von Ninon. Nach einem Monat hatten wir unsere erste Praktikantin.

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Wie seid ihr bis heute gewachsen, wie viele Leute arbeiten jetzt für euch?
Alex: Aktuell sind wir zehn Frauen im Team: Redakteure, Volontäre, eine Redaktionsleiterin und eine Digital Managerin. Davon sind bis auf eine Praktikantin und eine Werkstudentin alle fest angestellt. Unsere Webseite wird von einer Agentur betreut.

Wie hoch ist eure monatliche Reichweite?
Ninon: Wir haben derzeit bis zu eine Millionen Visits pro Monat und monatlich 1.7 Millionen Pageimpressions.

Wie finanziert ihr euch? Schreibt ihr schwarze Zahlen?
Ninon: Ja, wir schreiben schwarze Zahlen und wir können von dem, was wir verdienen, die Gehälter unserer Angestellten und auch unsere eigenen zahlen. Unsere Werbeeinnahmen generieren wir ausschließlich über Native Advertising, keine Banner, keine Störer. Darüber hinaus haben wir Kooperationspartner, wie zum Beispiel L’Oréal, und wir werden mittlerweile immer häufiger für Eventkooperationen angefragt.

Screenshot: Très Click

„Girlpower“ oder „Future is Female“ sind im Netz Schlagworte einer neuen, autonomen Frauengeneration. Was bedeutet für euch persönlich Feminismus?
Alex: An dieser neuen Frauenbewegung, die du ansprichst, stört uns, dass das vor allem im Netz stellenweise aufgesetzt wirkt. Es ist momentan en vogue, sich damit zu schmücken, Feminist zu sein. Wir wollen weniger über Feminismus reden, sondern ihn einfach leben. So unterstützen wir beispielsweise zahlreiche Projekte von Frauen, an die wir glauben. Das ist wichtiger als beispielsweise einfach einen Text über „Girlpower“ zu schreiben.

Ich beobachte, dass diese Solidarität vor allem unter Gründerinnen im Netz stetig wächst. Es gibt neben euch ja noch einige weitere neue und mittlerweile sehr erfolgreiche Frauenmagazine, wie Edition F oder Femtastics.
Ninon: Als wir gestartet sind, haben wir mit einem harten Konkurrenzkampf und einer Ellbogenmentalität gerechnet. Doch wir erleben genau das Gegenteil und sind sowohl mit den Mädels von Edition F als auch von Femtatstics in engem Kontakt, tauschen uns aus und unterstützen uns. So waren wir beispielsweise mit die ersten, die die Female Future Force Academy von Edition F unterstützt haben. Und die Mädels von Femtastics haben über Alex eine Home Story geschrieben. Das heißt, wir sind auch redaktionell verwoben, was einfach riesigen Spaß macht. Dass sich konkurrierende Magazine gegenseitig pushen, ist im Printjournalismus undenkbar! Doch genau so funktioniert es im Online-Business. Der Markt ist schließlich groß genug für alle, es gibt nicht den einen einzigen Klick, der zu vergeben ist.

Hier geht es zu Teil 2 unserer Reihe, einem Interview mit Susann Hoffmann von Edition F. Hier geht es zu Teil 2 unserer Reihe, dem Gespräch mit Lisa van Houtem von Femtastics und hier zu Teil vier, dem Interview mit Thea und Toni vom sisterMAG. 

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Alle Kommentare

  1. Tres Click? Naja, nach den Kommentaren hier musste ich selbst als Kerl natürlich mal klicken. Und – oje! Keine Störer? Nö, Eigenshop geblinkeblinke.
    Und tolle Beiträge – dass nicht nur der gehypte Aldi-Gin was ist, sondern Lidl auch einen hat – wow! Habe erst gar nicht weiter geschaut…aus Sorge, bei solch‘ relevanten Themen mehr als bloß einen Gin zu brauchen.

    Außer, mir erzählt jetzt jemand, das liege nur daran, dass ich ein Mann sei – glaube, dann würde ich wohl in schallendes Gelächter ausbrechen.

    Aber wenn’s halt Mädels gibt, die auf sowas abfahren – mein Gott, jedem Tierchen sein Plaisierchen. Bloß: Ist das relevant??? So für ein Medienportal??? Da grüble ich gerade noch…

  2. Und wenn ein Besucher im Durchschnitt nicht mal 1,7 Seiten aufruft, scheinen die Themen ja nicht wirklich interessant zu sein nach dem Clickbait.

    Oder anders: man wollte eine Fashion-Seite gründen und hat mangels Traffic eine Clickbait-Maschine erschaffen. Très bien!!

  3. Keine „Störer“ wohl nur dann, wenn man „native advertising“ nicht als den hinterlistigsten Störer schlechthin betrachtet. Aber bei solchen Webseiten ist die Fallhöhe zwischen Inhalten und Werbung eh nicht sehr ausgeprägt.

    1. Genau. Lauter Dinge, die die Frau nicht braucht oder zur Genüge anderswo findet, falls sie sie suchen sollte. Seichtes Zeug, das sich noch dazu mit dem très chicen Attribut Feminismus schmückt.

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