„Gerade den Spiegel finde ich erstaunlich mittelmäßig“: Ex-Chefredakteur Werner Funk rechnet mit dem Nachrichtenmagazin ab

Werner Funk kritisiert im Interview mit brand eins die deutsche Magazinlandschaft, darunter auch Spiegel und Stern – seine ehemaligen Arbeitgeber.
Werner Funk kritisiert im Interview mit brand eins die deutsche Magazinlandschaft, darunter auch Spiegel und Stern - seine ehemaligen Arbeitgeber.

Der ehemalige Spiegel- und stern-Chefredakteur Werner Funk erinnert sich im Interview mit brand eins an die "größte Krise" seines Lebens: seinen Rausschmiss beim Spiegel. Für sein ehemaliges Blatt hat der 80-Jährige heute nicht mehr allzu viel übrig – genau so wenig wie für andere deutsche Magazine.

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Bereits vor 15 Jahren hatte Funk den Verfall des Printjournalismus prognostiziert, seine Befürchtungen wurden noch übertroffen – zumindest, wenn es nach ihm geht. Besonders am aktuellen Magazinjournalismus lässt er kein gutes Haar. „Mit wenig Vergnügen“ lese er heute seine ehemaligen Blätter, darunter Spiegel, Geo und stern.

Der Grund dafür: Dem Journalismus mangele es an Glaubwürdigkeit. Bekannt für sein rabiates Auftreten, hält Funk vor allem mit Kritik an Deutschlands größtem Nachrichtenmagazin nicht hinter dem Berg. „Gerade den Spiegel finde ich erstaunlich mittelmäßig“, ätzt Funk. Zurück führt er das unter anderem auf die falsche Verteilung der Ressourcen. „Ich würde die Kollegen deutlich mehr recherchieren lassen.“ Funk zufolge haben sich die Wochentitel in Deutschland von den Tageszeitungen abhängen lassen. „Süddeutsche Zeitung und FAZ haben den Job des Recherche-Spürhundes von den Magazinen übernommen.“

Funk arbeitet sich außerdem an seinem ehemaligen Chef, Spiegel-Gründer Rudolf Augstein, ab. Klang sein Nachruf auf den 2002 verstorbenen Spiegel-Gründer noch sehr versöhnlich und ehrfürchtig, schlägt Funk nun andere Töne an. Er beschreibt Augstein als „einerseits enorm bösartig, andererseits zu feige, um selbst kontroverse Themen anzusprechen“.

Funk und Augstein, den er als „journalistischen Übervater“ bezeichnet, verbindet eine besondere Beziehung. Die beiden haben sich fast bis zuletzt sehr nahe gestanden und einander als Kollegen und Freunde geschätzt, so Funk in in seinem Nachruf 2002.

1991 kam es dann zum Bruch: Augstein hatte Chefredakteur Werner Funk und Geschäftsführer Adolf Theobald beauftragt, die Kommanditgesellschaft (KG), die der Spiegel zu jener Zeit war, in eine Stiftung umzuwandeln. Die fertigen Pläne lehnte Augstein jedoch unerwartet ab und entließ Funk und Theobald fristlos.

Als Grund für seine fristlose Entlassung sieht Funk die Alkoholerkrankung seines langjährigen Partners. Augstein sei „als Alkoholiker gelegentlich einfach nicht geschäftsfähig gewesen“. Anders könne er sich nicht erklären, warum der Stiftungs-Deal am Ende geplatzt ist und ihn den Job gekostet hat.

Nach seiner Zeit beim Spiegel hat Werner Funk für fünf Jahre den Posten des Chefredakteurs beim stern übernommen. In der Zeit hat er an die 80 Redakteure entlassen – zu Recht, wie er findet. Über seinen damaligen Spitznamen Kim Il Funk, in Anspielung auf den nordkoreanischen Diktator Kim il-Sung, kann Funk nur lachen. Mit so viel Leidenschaft wie beim Spiegel war Funk beim Stern aber nicht mehr dabei. „Im deutschen Printjournalismus war der Spiegel für mich immer so etwas wie die Tour de France, der stern lediglich eine Art Giro d’Italia“.

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