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Abgang bei der Spiegel-Gruppe: Produktchef Christian Goedecke verlässt die Ericusspitze

Produktchef Christian Goedecke verlässt die Spiegel-Gruppe
Produktchef Christian Goedecke verlässt die Spiegel-Gruppe

Spiegel-Geschäftsführer Thomas Hass verliert einen seiner wichtigsten Hoffnungsträger, um seine Wachstumsstrategie voranzutreiben: Christian Goedecke, der seit Anfang des Jahres als Leiter des neuen Bereichs Produktmanagement die Vermarktung des Print-Spiegel sowie Spiegel Online weiter entwickeln und neue Geschäftsfelder aufbauen sollte, verlässt das traditionsreiche Medienhaus an der Ericusspitze. Er wechselt Anfang nächsten Jahres zu einem der führenden Strategieberater für Medienhäuser in Deutschland.

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Das Best Ager-Magazin Spiegel Classic nach der ersten Ausgabe eingestellt, das TV-Magazin Spiegel Fernsehen nach einem glücklosen Test abgesagt, die Abo-Zahlen für die digitale Tageszeitung Spiegel Daily mehr als mau: Die Innovationsbilanz des Spiegel-Verlagsschefs Thomas Hass ist ernüchternd. Dabei hatte sich der ehemalige Leiter des Vertriebsmarketings viel vorgenommen. Er wollte in den nächsten Jahren durch neue Geschäftsaktivitäten, zusätzlich 20 Millionen Euro in die Firmenkasse spülen. Doch das Ziel ist mit den jüngsten Fehlschlägen in weitere Ferne gerückt. Nun sollen bis zum Jahresende zwei Supplements im Lifestyle- und Gesundheitsbereich die Innovationsbilanz aufhellen.

Jetzt bekommt die Wachstumsstrategie einen weiteren Dämpfer. Christian Goedecke, Anfang des Jahres zum Leiter des neu geschaffenen Bereichs Produktmanagement ernannt, geht. In dieser Position sollte der studierte Diplom-Volkswirt für die Spiegel-Gruppe vor allem neue Geschäftsfelder entwickeln. Das war jedoch nicht seine einzige Aufgabe. Goedecke sollte sich auch um die „operative Steuerung und Weiterentwicklung des Produktportfolios von Spiegel und Spiegel Online“ kümmern. Dazu gehörte, dass er die Vermarktung der digitalen Nachmittagszeitung Spiegel Daily voranbringen sollte. Keine leichte Aufgabe angesichts der mäßigen Abo-Zahlen.

Dass Spiegel-Chef Hass den 49-Jährigen für den Job auswählte, hat einen bestimmten Grund. Der Vertriebs- und Marketingspezialist ist seit mehr als zehn Jahren für die Spiegel-Gruppe tätig. Er kennt sich mit dem komplizierten Machtgefüge der Gruppe bestens aus: 2006 war er Leiter Marketing Services, 2009 übernahm er die Leitung des Bereichs Media Marketing und Disposition beim Vermarktungsarm Spiegel QC, der inzwischen in Spiegel Media umbenannt wurde.

Nach dem überraschenden Ausscheiden des Vermarktungschefs Norbert Facklam im vergangenen Jahr, machte Hass den Digitalspezialisten Andre Pätzold zu seinem Nachfolger. Dabei wäre eigentlich Goedecke an der Reihe gewesen, das Erbe von Facklam anzutreten. Hausintern stand der Produktmanager dadurch massiv unter Erfolgsdruck. Da sich aber die geplanten Innovationen bislang als Fehlgriffe entpuppten, hatte es der Spiegel-Mann schwer, entsprechend zu punkten. Goedecke fängt nach Informationen von MEEDIA Anfang nächsten Jahres als Projektleiter beim Hamburger Unternehmensberater Bardohn an, einem der führenden Strategieberater für Medienhäuser. Dies bestätigt Firmeninhaber Torsten Bardohn auf Anfrage. Zu den Kunden der Beratung gehören namhafte Printunternehmen: vom Verlag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung bis zum Wirtschaftsmagazin Brand eins, Geo sowie Petra. Auch Goedeckes Noch-Arbeitgeber ist darunter: der Spiegel-Verlag.

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