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Kartellverdacht gegen Daimler: Kippt die geplante DIPP-Datenallianz um Axel Springer und Deutsche Bank?

Wollen einen Generalschlüssel fürs Nutzer-Login entwickeln: Konzernchefs Zetsche, Döpfner, Cryan (v.li.)
Wollen einen Generalschlüssel fürs Nutzer-Login entwickeln: Konzernchefs Zetsche, Döpfner, Cryan (v.li.)

Die unter dem Namen DIPP geplante Datenallianz von Axel Springer, Deutsche Bank und Allianz droht zu scheitern. Grund: Mit Daimler steht einer der Initatoren des Bündnisses unter Kartell-Verdacht. Die Auswirkungen auf das Vertrauen der Konsumenten scheinen derzeit kaum kalkulierbar. Die DIPP-Partner könnten große Probleme bekommen, weitere Unternehmen oder den Bund für ihr Anliegen zu gewinnen.

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Ein Kommentar von Gregory Lipinski

Es gilt als die erste deutsche Antwort, um der wachsenden Datenmacht von Facebook, Google und Apple Paroli zu bieten: Axel Springer, Deutsche Bank, Allianz und der Stuttgarter Daimler Konzern wollen bis Mitte nächsten Jahres eine Daten- und Registrierungsplattform schaffen – und kündigten dies noch vor Konkurrenten wie United Internet an. Das Produktversprechen zielt auf nicht weniger als eine auch mit dem künftigen EU-Recht konforme digitale Kundenansprache, die nach Einschätzung von Marktbeobachtern aufgrund der ab 2018 verschärften Datenschutzbestimmungen von vielen derzeitigen Anbietern nicht mehr gewährleistet werden kann. Wer wirtschaftlichen Einbußen riskieren will, sollte sein Business jetzt durch den Beitritt zur branchenübergreifenden Allianz „wasserdicht“ machen – so jedenfalls argumentieren die Bündnispartner.

Das Modell: Ob beim Mieten eines Autos, dem Kauf von Lebensmitteln, dem Abschluss einer Versicherung oder beim Eröffnen eines Bankkontos – einmal mit einem Master-Login angemeldet, sollen die Verbraucher hier Geschäfte im Netz schnell und rechtssicher abschließen können. Ein weiterer Vorteil für die Kunden: Die Daten der Konsumenten sollen auf deutschen Servern gespeichert werden, um sie vor dem Zugriff amerikanischer Sicherheitsbehörden zu schützen. Denn immer mehr Bundesbürger sind skeptisch, was mit ihren persönlichen Angaben passiert, wenn sie sich auf den Plattformen der Tech-Riesen im Silicon Valley anmelden. Diverse Berichte über das massenhafte Ausspähen von Webdaten haben die Verbraucher verunsichert.

Jetzt könnte die unter dem Kürzel DIPP bekannte Daten-Allianz allerdings Probleme bekommen. Schuld daran ist der Daimler-Konzern, der zu den Initiatoren des Daten-Bündnisses zählt. Er galt Türüffner, um die gesamte deutsche Autoindustrie für das Vorhaben zu gewinnen. Damit hätte der wirtschaftlich wichtigste Branchenzweig dem Konsortium zu Millionen von Kundendaten verholfen. Doch der sich abzeichnende Kartell-Skandal um Daimler, VW, Audi, Porsche und BWM wird den DIPP-Partnern große Probleme bereiten, weitere Partner für die Daten-Ehe zu gewinnen.

Denn mit den angeblichen heimlichen Absprachen der Autoindustrie ist das Vertrauen der Konsumenten tief erschüttert. Viele dürften sich fragen, ob sie ihre persönlichen Daten einer Registrierungsplattform anvertrauen, wenn ein Unternehmen dabei ist, das sie seit Jahrzehnten hintergeht. Das Vertrauen der Verbraucher ist aber bei dem sensiblen Datenthema entscheidend, wenn die Plattform funktionieren soll. Nur dann sind die Konsumenten bereit, sich hier anzumelden und die verschiedenen Dienstleistungen zu nutzen: von der Warenbestellung bis zur Bezahlung.

Auch Bund, Kommunen und Länder werden sich genau überlegen, ob sie in der gegenwärtigen Situation e-Goverment-Funktionen in die Plattform einbinden wollen. Denn ursprünglich war von den DIPP-Initiatoren geplant, dass die Konsumenten über die Registrierungsplattform Pässe, Reisedokumente oder Kfz-Zulassungen bestellen können. Wie jedoch soll sich der Bund einer Daten-Ehe anvertrauen, dem ein Partner angehört, der die Verbraucher womöglich seit Jahrzehnten betrügt? Die Folge: Treten Bund und Länder dem Daten-Bündnis nicht bei, werden es die DIPP-Initiatoren schwer haben, die notwendige Akzeptanz für ihr Vorhaben in der Bevölkerung zu finden. Dadurch würde ein wesentlicher Baustein in ihrer Vermarktungsstrategie fehlen.

Damit droht das Vorhaben auf der Kippe zu stehen. Für Axel Springer bliebe dann nur ein Ausweg. Der Berliner Medienkonzern könnte sich an die konkurrierende Daten-Allianz anlehnen, die sich derzeit um den Web-Riesen United Internet formiert. Ob Vermarkter von RTL und Pro Sieben Sat 1 oder Printhäuser wie der Münchener Burda Verlag – die Kreativ- und Medienunternehmen sehen sich ohnehin als die besseren Adressanten, um mit ihrer Daten-Allianz den Tech-Konzernen aus dem Silicon Valley die Stirn zu bieten. Sollte sich Axel Springer dieser Gruppe anschließen, säße aber Vorstandschef Mathias Döpfner nicht mehr am längeren Hebel. Er wäre hier nur noch ein Partner unter vielen. Ob dies allerdings im Sinne des Springer-Bosses ist, ist arg zu bezweifeln.

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