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Kai Diekmanns Bild-Comeback als Video-Reporter im „Granaten-Hagel“ von Instanbul

Bild Leser-Reporter Kai D., WiWo-Titel, Bits&Pretzels, Skandalnudel Frauke P.
Bild Leser-Reporter Kai D., WiWo-Titel, Bits&Pretzels, Skandalnudel Frauke P.

Kai Diekmann kann nicht von der Bild lassen. Obwohl er nun schon seit Ende Januar offiziell nicht mehr für die Zeitung arbeitet, taucht er dort immer wieder auf. Aktuell mit einem Video-Bericht vom Hagelsturm in Istanbul. Und sonst: schöne Titel bei der WiWo, teure Freunde bei Bits&Pretzels und der angebliche Tabubruch von Frauke Petry mit ihrem Baby. Der MEEDIA-Wochenrückblick.

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Was macht eigentlich Kai Diekmann, der frühere, langjährige Chefredakteur der Bild-Zeitung und spätere Herausgeber der Bild-Medien bei Axel Springer? Nun, gerade diese Woche hat er dicke Hagelkörner in Istanbul gefilmt. Diekmann kam von einer Aufsichtsratssitzung bei der Zeitung Hürriyet, als er auf der Bosporus-Brücke in ein schweres Hagel-Unwetter geriet. iPhone gezückt, Hagel und sich selbst gefilmt und an die alte Redaktion geschickt.

Bei der Bild machten sie sogleich ein Video mit „Augenzeuge Kai Diekmann“ daraus. Diekmanns Nachfolger als Bild-Markenchef, verbreitete den Korrespondenten-Bericht vom „Granaten-Hagel“ pflichtschuldigst bei Twitter.

Seit Ende Januar ist Diekmann nun offiziell bei Springer raus. Seitdem hat er u.a. Donald Trump und Benjamin Netanyahu interviewt und über sein Verhältnis zu Helmut Kohl geschrieben. Jetzt war er als Videoreporter im Einsatz. Alles in Bild. Diekmann ist beim skandalumwehten Fahrdienstleister Uber als Berater eingestiegen, kurz darauf ist Springer als Investor eingestiegen. Zumindest für einige Zeit, nutzte Diekmann nach seinem Ausscheiden noch den Springer-Dienstwagen und sein altes Büro. Diekmann und die Bild – so ganz können sie wohl nicht voneinander lassen. Schaun wir mal, wie sich das in Zukunft entwickelt.

 

Der neue Chefredakteur der WirtschaftsWoche, Beat Balzli, hat ein feines Händchen, was die Gestaltung von Titeln betrifft. Diese Woche zeigt die WiWo eine Deutschland-Fahne, die von Reifenspuren verunreinigt ist. Zeile: „Das verratene Autoland“. Damit ist die Diesel- und Kartell-Affäre, die gerade die Autobranche erschüttert, gemeint. Vergangene Woche illustrierte eine Sardinenbüchse mit Flugzeugflügen die Story über Airlines, die ihre Passagiere auspressen. Und die Ausgabe davor zierte ein Jeff Bezos in Meister-Proper-Anmutung mit den Worten „Alarm im Einzelhandel“ in Amazon-Schrift auf der Brust. Es ging um die Dominanz de E-Commerce-Riesen aus den USA. Drei Titel, die die jeweiligen Themen toll auf den Punkt bringen und zudem auch optisch ansprechend sind.

Diese Woche erhielt ich eine E-Mail von einem sehr, sehr guten Freund, dem Andreas Bruckschlögl, aka „Andi“. Der Andi ist einer von drei Gründern der Startup-Messe Bits & Pretzels, die jedes Jahr zum Oktoberfest in München über die Bühne geht. Die anderen beiden sind der Bernd und der Felix. Vermutlich sind das auch sehr gute Freunde, so genau weiß ich das aber nicht. Der Andi hat mir („Servus Stefan“) jedenfalls eine Mail geschickt und mir ganz persönlich offeriert, dass ich für die kommende Bits & Pretzels sehr spezielle „Premium Friends Tickets“ bekommen könne. Sapperlot! Das ist ja bestimmt sogar noch besser, als ein Gutschein für ne Maß Bier und ein Hendl morgens um 9 Uhr im Schottenhamel-Zelt! „It is extremely important for us to offer you something special“, schreibt der Andi. Gut, ich wunderte mich ein klein wenig, dass er mich auf Englisch anschreibt, wo wir uns doch schon so lange kennen. Glaube ich. Ich kann mich zwar nicht erinnern, mit dem Andi jemals schon geredet zu haben … spontan weiß ich leider auch nicht so ganz exakt, wie er ausschaut. Aber, hey, it’s international! We are family! Was bringt’s denn nun, dieses Friends-Ticket: „Our Highlight: You will get exclusive access to the friends stage. You can expect special secret content – only for our closest friends (will not officially be announced). On top, you’ll receive a trendy Bits & Pretzels hoodie.“ Ein Hoodie! Da lohnt sich die Friendship endlich mal! Schnell auf den Link geklickt. Aber jetzt was is jetzt dös: Für das „Premium Friends (Corporate) Happy Bird Ticket“ will mir der Andi knapp 1.700 Euro (ohne Mehrwertsteuer!) aus der Lederhosn ziehen! Ok, es gibt dann noch diverse „Happy Bird“-Freundschafts-Tickets. Die billigsten, für poor Birds von den „early Stage Startups“ und Academia-People kosten dann nur noch schlappe 399 Euro. Ohne Mehrwertsteuer! Toll, wenn man solche Freunde hat!

Einiges Gewese gab es diese Woche, weil die AfD ein Wahlwerbe-Motiv mit der Co-Vorsitzenden Frauke Petry und ihrem neugeborenen Baby in Umlauf brachte. Schande! Tabubruch! So tönte es daraufhin durch Medienhausen. Diese schlimme AfD mit ihren andauernden Tabubrüchen. Der Tagesspiegel fand diesen „Tabubruch“ sogar geradezu „abstoßend“. Die Bild schrieb was von einem „provokanten Tabubruch“. Und weiter: „Wahlplakate mit Kindern gelten weithin als Tabu, weil darin eine Instrumentalisierung des Nachwuchses gesehen wird.“

Auch stern.de witterte den „Tabubruch“ („Wahlplakate mit Kindern gelten weithin als Tabu“) und zeigte das Petry-Baby darum leicht verpixelt:

Eine stern-Sprecherin sagte mir auf die Frage, warum der stern das Baby verpixelt, wo doch Frauke Petry selbst das Motiv in Umlauf brachte:

Mit der Verpixelung lenkt der STERN bewusst die Aufmerksamkeit auf den Tabu-Bruch und nicht auf die Inszenierung von Frauke Petry. Der STERN will damit Haltung zeigen und, dass die Redaktion nicht jedes Spiel um Aufmerksamkeit mitmacht. Denn das Bild soll nach derzeitigem Stand gar nicht in die offizielle Kampagne der AfD, es dient lediglich als eines von acht Motiven im Plakatspendenshop. Würde es sich bei dem Motiv tatsächlich um das offizielle Wahlplakat der AfD handeln, wäre die Redaktion anders damit umgegangen.

An dieser Antwort verstehe ich vieles nicht. Warum zeigt man „Haltung“, wenn man den Säugling leicht verpixelt? Und warum macht man „nicht jedes Spiel um Aufmerksamkeit“ mit, wenn man das verpixelte, statt das unverpixelte Säuglingsbild via Facebook in die Welt hinausposaunt? Warum wäre man anders damit umgegangen, wenn es sich um ein „offizielles Wahlplakat“ handeln würde? Und warum zeigt stern.de im zum Artikel gehörenden Bewegtbildwerbung-Abgreifvideo das Baby dann wieder ganz und gar unverpixelt? Könnte das mit der Verpixelung etwa nur ein Trick sein, um so zu tun als würde man diesen schändlichen „Tabubruch“ missbilligen? Kaum vorstellbar! Wer hat das eigentlich festgelegt, dass Kinder auf Wahlplakaten „weithin“ als Tabu gelten? CDU und SPD können es nicht gewesen sein, die haben das nämlich auch schon gemacht. Man muss das nicht gut finden. Man muss aber auch nicht bei jeder Aktion der AfD reflexhaft gleich „Tabubruch“ schreien. Vor allem, wenn es gar keiner ist.

Schönes Wochenende!

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