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#trending: Bivsi aus Nepal, Ilka aus Marzahn – und der rasend schnelle Imagewandel des John McCain bei Facebook und Twitter

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Guten Morgen! Es ist schon erstaunlich, was für ein großes Nicht-Thema die Fußball-EM der Frauen in den sozialen Netzwerken ist. Selbst der Einzug des deutschen Teams ins Viertelfinale hat daran bisher nichts geändert. Millionen schauen vor den Fernsehern zu - aber nur Hunderte liken bei Facebook.

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#trending // News & Themen

Am Dienstag dominierte kein Thema die Social-Media-News-Charts. Unter den zehn erfolgreichsten Artikeln deutschsprachiger Medien nach Interaktionen bei Facebook und Twitter fanden sich neun unterschiedliche Themen. Einzig die neuen Stierkampf-Regeln auf den Balearen (siehe #trending vom Dienstag) fanden sich nochmal doppelt in der Liste. Platz 1 allerdings belegt der WDR mit der Story „Bivsi darf zurückkommen„. Darin geht es um ein 14-jähriges Mädchen aus Nepal, dessen Abschiebung quasi direkt aus dem Klassenzimmer Ende Mai für Aufsehen und Proteste gesorgt hatte. Das Mädchen darf nun mitsamt ihrer Familie zurück nach Duisburg kommen. Über 11.000 Interaktionen gab es für den Artikel bei Facebook und Twitter, die meisten über die Facebook-Seiten der „Tagesschau„, von Pro Asyl und der „Aktuellen Stunde„.

#trending // Social Media

Lang hat sie es nicht ausgehalten ohne Bühne: Ilka Bessin, bekannt als Cindy aus Marzahn, wird 2018 mit einem neuen Stand-Up-Comedy-Programm – Titel: „Abgeschminkt“ – zurück kommen. Ab dem 6. April 2018 geht es durch Orte von Schwerin bis Kassel. Eine große Rolle bei Bessins Comedy-Comeback wird offenbar ihre Facebook-Seite spielen, die in den vergangenen Tagen nach über einem Jahr Pause unter neuem Namen („Ilka Bessin“ statt „Cindy aus Marzahn“) reaktiviert wurde und immer noch 1,16 Mio. Leute aus den Cindy-Zeiten erreicht. Bessins neues Profilbild sammelte schonmal mehr als 83.000 Likes und Reactions ein, darunter 6.400 mal „Wow“ und 4.000 mal „Love“.

Posted by Ilka Bessin on Montag, 24. Juli 2017

#trending // Wahljahr 2017

Immer wieder wird die Rolle der sozialen Netzwerke in Wahlkämpfen hervor gehoben. Sie werde immer wichtiger, Wahlen würden sogar in den sozialen Medien entschieden. Doch wenn man auf die deutsche Realität schaut, so ergibt sich derzeit – immerhin nur zwei Monate vor der Bundestagswahl – wieder mal das Bild, dass nur die AfD den Social-Media-Wahlkampf begriffen zu haben scheint.

Während die Politiker der im Bundestag vertretenen Parteien offenbar nahezu geschlossen im Urlaub weilen, hängt die AfD alle anderen bei Facebook ab. Der Blick auf die Top 5 der Parteien und Politiker nach Facebook-Interaktionen der jüngsten sieben Tage sieht eindrucksvoll aus:

1. AfD / 103.800 Likes, Reactions, Shares und Kommentare
2. Frauke Petry / 64.000
3. Jörg Meuthen / 56.200
4. Martin Schulz / 43.000
5. Alice Weidel / 33.100

Vier der fünf Facebook-Seiten stammen also von AfD-Politikern, einzig SPD-Mann Martin Schulz schafft den Sprung dazwischen. Ich bin gespannt, wann die anderen Parteien gedenken, ihren Social-Media-Wahlkampf zu starten bzw. wieder aufzunehmen.

#trending // Entertainment

Das Boulevard-Magazin Promipool hat am Dienstag vom TV-Phänomen „King of Queens“ profitiert. Das Finale der US-Sitcom, in Deutschland im Oktober 2007 ausgestrahlt, hält noch heute den ewigen Quotenrekord bei kabel eins: 2,20 Mio. 14- bis 49-Jährige sahen damals zu – ein Marktanteil von 16,5%. Am Dienstag nun verkündete Promipool auf Facebook „Fans dürfen sich auf das TV-Comeback der Serie freuen!“ bzw. „Tolle News für alle Fans!„. Was klingt wie eine Sensation, ist mindestens missverständlich formuliert, wahrscheinlich aber stumpfes Clickbait. Denn: Es wird natürlich keine neuen Folgen der Serie geben, sondern eine weitere Wiederholung auf RTL Nitro, das die Serie seit Januar 2015 immer wieder zeigt. Im Promipool-Artikel steht das auch, aber die Mühe des Lesens machen sich viele Social-Media-Nutzer leider nicht – sie lesen nur die Headlines. Fast 7.000 Likes, Reactions, Shares und Kommentare kamen so zusammen – und ein Top-5-Platz unter allen am Dienstag veröffentlichten Artikeln deutschsprachiger Medien nach Facebook- und Twitter-Interaktionen.

Fans dürfen sich auf das TV-Comeback der Serie freuen! 😍 🎉

Posted by Promipool on Dienstag, 25. Juli 2017

#trending // Worldwide

Interessant, wie schnell John McCain in den sozialen Netzwerken vom bedauernswerten Krebs-Patienten zum kühlen und nicht bedauernswerten Macht-Politiker geworden ist. Noch in der vergangenen Woche berichtete ich, wie viele Politiker – von Obama über Trump bis zu den Clintons McCain gute Besserung wünschten. Am Dienstag nun stimmte McCain trotz seines Hirntumors mit der Mehrheit seiner Partei im Senat dafür, eine Debatte über ein Obamacare-Abschaffen zu eröffnen.

In den sozialen Netzwerken erntete McCain dafür viel Kritik, insbesondere deswegen, weil er selbst gerade sehr von Ärzten und Krankenhäusern profitiert. Der populärste Tweet gelang dabei der Anti-Waffen-Aktivistin Shannon Watts: „John McCain left hospital stay paid by taxes on flight paid by taxes to remove health insurance from taxpayers. And we paid him to do it.“ sammelte innerhalb von vier Stunden mehr als 115.000 Likes und Retweets ein. Ebenfalls erfolgreich: TV-Moderatorin Joy Reid mit „So it happened. McCain returned to the Senate to a standing ovation, and promptly voted to take away millions of people’s healthcare“ und Blogger/Journalist Matthew Yglesias mit „Inspiring to see McCain risk his health so that millions could some day experience the unique freedom that comes from having no insurance.“ Lob für McCain gab es diesmal ausnahmsweise von Donald Trump: „So great that John McCain is coming back to vote. Brave – American hero! Thank you John.

#trending // Deutsche Tops des Tages

Story nach Social-Media-Interaktionen: Der Postillon – „ADAC warnt vor Forellen auf der Fahrbahn“ (30.600 Interaktionen bei Facebook und Twitter)

Story nach Likes & Shares bei Twitter: Der Postillon – „ADAC warnt vor Forellen auf der Fahrbahn“ (1.100 Retweets und Likes)

Story bei Blendle (nach Likes): Die Welt – „Das Gehirn will nichts davon wissen

Google-SuchbegriffJustin Bieber (20.000+ Suchen)

Wikipedia-SeiteJahr-2038-Problem(72.200 Abrufe)

Youtube-Video: NaouCrew – „Chester Bennington 911 Call – Rest In Peace

Song (Spotify): 187 Strassenbande – „Millionär“ (410.900 Stream-Abrufe aus Deutschland am Montag)

Musik (Amazon): Prinz Pi – „Nichts War Umsonst (Omega Box) Box-Set“ (Audio CD)

DVD/Blu-ray (Amazon): „Logan – The Wolverine“ (Blu-ray)

Game (Amazon): „Grand Theft Auto V“ (PlayStation 4)

Buch (Amazon): Rolf Peter Sieferle – „Finis Germania“ (Gebundene Ausgabe) [zum Hintergrund]

#trending // Feedback und Teilen

Anmerkung: Alle in #trending genannten Zahlen beziehen sich wenn nicht anders vermerkt auf den Vortag der Newsletter-Veröffentlichung (Stand: 24 Uhr)

Was finden Sie gut an #trending? Was schlecht? Was fehlt Ihnen? Schreiben Sie mir!

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Alle Kommentare

  1. Das Internet findet per DSL zu Hause am Second Screen statt und nicht wirklich mobil unterwegs wie in Ländern mit bezahlbaren Daten-Tarifen.
    Jetzt wird es endlich mal bewiesen.
    Man könnte auch NRW-Blogger-Postings/Tweets zählen und den Effekt durchmessen und für Bayern vorhersagen, weil NRW und ein paar andere Bundesländer ja vielleicht Sommerferien haben.

    Vielleicht kann man täglich bis zur Bundeswahl alle relevanten Parteien und Social-Media-Erfolge täglich listen wie jeden Spieltag bei der Bundesliga. Die Treten ja vielleicht auch noch in jedem der 10-50 Lokal-TV-Sender auf. Vielleicht kriegt man ja die Zuschauer-Zahlen als Ergänzung.
    Problematisch ist, das die Zig Landesparteien eigenen Wahlkampf machen und die Bundes-FDP vielleicht 500 Likes als erfolgreichsten Beitrag von gestern hat aber ein Landes-Event einer Landes-FDP aber tausende Likes bekommt aber man es nicht mitbekommt und dann hier kritisiert wird.
    Trotzdem könnte man die Performance der Parteien nebeneinander listen um zu sehen, wem man die Zukunft besser mal nicht anvertrauen sollte. Denn das Auto wird digital und der Lichtschalter auch.

    Bei den vielen Rentnern ist Internet wohl kein Erfolgsfaktor zum Wahlerfolg also ist social-media recht irrelevant und wird erst in Jahren vielleicht relevant und wieso sollte man sich ansehen was Politiker im Netz so verkünden wenn man schlau ist und ab 30 keine Wahlversprechen mehr glaubt ?
    http://blog.wiwo.de/look-at-it/2012/07/25/twitter-europakarte-deutschland-immer-noch-weit-abgeschlagen/
    Da ist klar, wieso man 500 Millionen für ein paar seit Jahrzehnten digitale Behörden-Dienste braucht, obwohl man es kostenlos in die Vertragsverlängerung und Ausschreibungs-EU-Konditionen hinein schreiben könnte damit es von selber – nach dem nächsten Update – kompatibel in allen Behörden-Programmen steckt.
    „Danke“ rot-grüne Internet-Politik.

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