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MA Tageszeitungen: erstaunliche Zuwächse bei den Überregionalen, aber teilweise dramatische Verluste bei den Regionalen

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Die neueste Media Analyse (MA) Tageszeitungen bescheinigt fast allen überregionalen Titeln steigende Leserzahlen. Besonders deutlich im Plus: die Süddeutsche, die F.A.Z. und das Handelsblatt. Auch bei den regionalen Zeitungen gibt es Gewinner, allerdings auch Verlierer mit zweistelligem prozentualem Minus.

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Zwischen 9,7% und 18,4% steigerten die Süddeutsche, die F.A.Z. und das Handelsblatt ihre Leserzahlen im Vergleich zum Vorjahr. Bei gleichzeitig negativen Auflagenentwicklungen sind das insbesondere für SZ und F.A.Z. erstaunliche Entwicklungen. Das Handelsblatt verzeichnet zwar stabile bis leicht steigende Auflagen, doch ein Reichweiten-Plus von 18,4% ist auch hier mindestens extrem. Selbst die Bild, die Jahr für Jahr bis zu 10% ihrer Käufer verliert, büßte nur 1,9% ihrer Leser ein. Letztlich deuten die Zahlen wieder einmal darauf hin, dass die MA eher die Markenbekanntheit und -beliebtheit ausweist – und nicht exakte Leserzahlen.

ma 2017 Tageszeitungen: Überregionale Tageszeitungen
RW in Mio. 2017 vs. 2016
1 Bild 9,77 -0,19 -1,9%
2 Süddeutsche Zeitung 1,24 0,11 9,7%
3 Frankfurter Allgemeine Zeitung 0,76 0,07 10,1%
4 Die Welt Gesamt 0,71 0,01 1,4%
5 Handelsblatt 0,45 0,07 18,4%
6 die tageszeitung 0,21 0,00 0,0%
Quelle: ma 2017 Tageszeitungen / Tabelle: MEEDIA

Auch bei den regionalen Boulevardzeitungen gibt es erstaunliche Entwicklungen: die tz gewinnt z.B. 11,8% hinzu, die Hamburger Morgenpost – gerade erst mit 7% im Auflagen-Minus – erreicht 3,8% mehr Leser. Vorn bleibt der Express, dessen 2,8%-Minus ebenfalls deutlich besser aussieht als die Auflagen-Entwicklung. Zweistellige Verluste gibt es hingegen für den Berliner Kurier und die Abendzeitung München:

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ma 2017 Tageszeitungen: Regionale Kaufzeitungen
RW in Mio. 2017 vs. 2016
1 Express 0,42 -0,01 -2,3%
2 B.Z. 0,36 -0,02 -5,3%
3 Hamburger Morgenpost 0,27 0,01 3,8%
4 Berliner Kurier 0,22 -0,03 -12,0%
5 tz 0,19 0,02 11,8%
6 Morgenpost für Sachsen 0,17 0,00 0,0%
7 Abendzeitung München 0,16 -0,02 -11,1%
Quelle: ma 2017 Tageszeitungen / Tabelle: MEEDIA

Bei den regionalen Abo-Zeitungen gibt es ebenfalls kein einheitliches Bild. Neben einzelnen Gewinnern wie dem Duo aus Aachen, der Augsburger Allgemeinen, der Badischen Zeitung, der Main-Post und der Mitteldeutschen Zeitung büßten andere Titel sogar mehr als 10% ihrer Leser ein: die Kieler Nachrichten 11,5% und die Märkische Oderzeitung 16,7%. Angesichts von Auflagen-Entwicklungen, die bundesweit für die Regionalzeitungen bei minus 2% bis 5% liegen, sind solche Ausschläge nach oben und unten schwer nachzuvollziehen.

ma 2017 Tageszeitungen: Ausgewählte regionale Abozeitungen (1)
RW in Mio. 2017 vs. 2016
Aachener Zeitung/Aachener Nachrichten 0,30 0,01 3,4%
Allgäuer Zeitung (Südausgabe) 0,24 -0,02 -7,7%
Augsburger Allgemeine (Nordausgabe) 0,61 0,02 3,4%
Badische Neueste Nachrichten 0,44 neu
Badische Zeitung 0,38 0,02 5,6%
Berliner Morgenpost Gesamtausgabe 0,22 -0,02 -8,3%
Berliner Zeitung 0,31 -0,02 -6,1%
Braunschweiger Zeitung  (BZ/Region) 0,31 0,00 0,0%
Bremer Anzeigenblock – Weser Kurier 0,41 -0,02 -4,7%
Fränkischer Tag Gesamt / ZRO 0,26 -0,01 -3,7%
Freie Presse 0,56 -0,02 -3,4%
Funke Medien NRW 1,63 -0,01 -1,2%
General-Anzeiger Bonn 0,20 -0,02 -9,1%
Göttinger Tageblatt mediakombi 0,23 0,00 0,0%
Hamburger Abendblatt Gesamtausgabe 0,50 -0,03 -5,7%
HAZ/NP-Hannover 0,42 -0,03 -6,7%
Heilbronner Stimme 0,23 0,00 0,0%
HNA Hess./Nieders. Allgemeine 0,59 -0,01 -1,7%
Kieler Nachrichten (Gesamtausgabe) 0,23 -0,03 -11,5%
Kölner Stadt-Anzeiger/Kölnische Rundschau 0,86 -0,06 -6,5%
Lausitzer Rundschau 0,24 -0,02 -7,7%
Leipziger Volkszeitung 0,42 -0,02 -4,5%
Lübecker Nachrichten 0,22 -0,02 -8,3%
Main-Echo 0,20 0,00 0,0%
Main-Post 0,35 0,01 2,9%
Märkische Allgemeine 0,39 0,00 0,0%
Märkische Oderzeitung 0,20 -0,04 -16,7%
Mediengruppe Thüringen 0,74 -0,01 -1,3%
Mittelbayerische Zeitung 0,31 -0,02 -6,1%
Mitteldeutsche Zeitung Gesamt 0,54 0,03 5,9%
Münchner Merkur Gesamtausgabe 0,98 -0,03 -3,0%
Quelle: ma 2017 Tageszeitungen / Tabelle: MEEDIA

Ähnlich das Bild in der zweiten Hälfte der Tabelle: Ostsee Zeitung, Rhein-Zeitung, Saarbrücker Zeitung, Sächsische Zeitung, sh:z und einige andere gewinnen Leser hinzu, Schwäbische Zeitung und Schwarzwälder Bote verlieren hingegen mehr als 10%.

ma 2017 Tageszeitungen: Ausgewählte regionale Abozeitungen (2)
RW in Mio. 2017 vs. 2016
Neue Osnabrücker Zeitung/Ztgr Sw. 0,65 -0,02 -3,0%
Der neue Tag 0,22 0,00 0,0%
Nordkurier 0,20 -0,02 -9,1%
Nordwest-Zeitung 0,23 -0,01 -4,2%
Nürnberger Nachrichten/Nürnberger Zeitung 0,81 -0,04 -4,7%
Ostsee Zeitung 0,37 0,01 2,8%
Passauer Neue Presse-Gesamt 0,48 0,00 0,0%
Rhein-Zeitung 0,64 0,01 1,6%
Rheinische Post 0,78 -0,03 -3,7%
RheinMainMedia Gesamt 0,64 -0,04 -5,9%
Rhein Main Presse 0,79 -0,01 -1,3%
Die Rheinpfalz 0,66 0,00 0,0%
Ruhr Nachrichten-Hellweger Anzeiger 0,41 -0,03 -6,8%
Saarbrücker Zeitung 0,45 0,02 4,7%
Sächsische Zeitung 0,51 0,02 4,1%
sh:z Gesamtausgabe 0,52 0,01 2,0%
Schwäbische Zeitung 0,41 -0,07 -14,6%
Schwarzwälder Bote 0,26 -0,03 -10,3%
Straubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung 0,28 -0,02 -6,7%
Stuttgarter Zeitung / Stuttgarter Nachrichten 0,49 0,03 6,5%
Südkurier 0,31 -0,01 -3,1%
Südwest Presse 0,71 0,01 1,4%
Der Tagesspiegel 0,22 0,00 0,0%
Trierischer Volksfreund 0,26 0,00 0,0%
Volksstimme 0,42 0,01 2,4%
Westdeutsche Zeitung plus 0,45 0,01 2,3%
Westfälischer Anzeiger 0,26 0,01 4,0%
Westfalen-Blatt Gesamtausgabe 0,27 0,01 3,8%
Zeitungsgruppe Neue Westfälische 0,48 -0,03 -5,9%
Zeitungsgruppe Rhein-Neckar 0,70 -0,02 -2,8%
Zeitungsgruppe Münsterland 0,63 0,00 0,0%
Quelle: ma 2017 Tageszeitungen / Tabelle: MEEDIA
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Alle Kommentare

  1. Der Kuschelkurs des Kölner Stadt-Anzeigers mit AfD-Wutbürgern zahlt sich also doch nicht aus. Diese Leute sind vielleicht sehr fleißige Facebook-Kommentatoren, aber eine Zeitung kaufen sie dann doch nicht. Das sollte auch anderen Zeitungen eine Lehre sein. Die Reaktionen auf eigene Artikel in den Sozialen Medien spiegeln halt doch nicht immer die Meinung der Leserschaft, geschweige denn des Volkes, wieder. Da sollte man sich schon zweimal überlegen, wem man da nach dem Mund schreibt.

  2. Die Art der Erhebung ist doch Unsinn.
    Selbst Nichtzeitungsleser kennen ja mittlerweile die SZ, weil sie im Staatsfernsehen ständig zitiert wird, außerdem vom Rechercheverbund SZ-Staatsfernsehen die Rede ist.
    ( Auch eine seltsame Konstruktion….)
    Dann geben bei Umfragen viele an, daß sie eine Tageszeitung lesen, kaufen aber keine.
    Andere lesen noch nicht mal eine, mein Vater z.B. auch nicht, antworten bei solchen Umfragen aber mit „JA“, weil es ihm peinlich wäre mit „NEIN“ zu antworten.
    Erinnert mich an GfK Umfragen wie: “ Würden Sie gerne hochwertige und teure Möbel kaufen ? “
    Klar antworten da viele mit „JA“. Wer gibt schon zu sich die gar nicht leisten zu können ?

    Die Verkaufs- und Aboauflage kann ja nur wirklich stichhaltig sein. Da sieht es nach meiner Erfahrung, auch Gesprächen mit Kioskbesitzern und Bahnhofsbuchhandlungen nicht gut aus.

  3. Na ja, bei Madsack (1 Zeitung statt 13), Funke (1 Zeitung statt 12), duMont (1 Zeitung statt 8) kann man ja nun nicht mehr unbedingt von Medienvielfalt sprechen. Und das sind ja nicht die einzigen. Da braucht man nicht mehr so viele Zeitungen, eine reicht – also abbestellen. Dreimal (noch dazu zu einem großen Teil Agentur-) Einheitsbrei statt über 30 Mal Vielfalt. Was wundern sich die Herrschaften?? Von Verlegern oder Herausgebern kann man ja kaum noch reden. Die Herren Betriebswirtschaftler sollten vielleicht mal zu der Erkenntnis kommen, dass ihre „Ausbildung“ nicht unbedingt diejenige ist, die einen in die Lage versetzt, die man als erstes braucht, um Zeitung zu machen.

    1. In der Sache nachvollziehbar. Aber Herr Schreiber mag vielleicht mal aus seinem Ressentimentgraben klettern und sich ein wenig informieren. Zur „Ausbildung“ von Herren (und Damen) Betriebswirtschaftlern gehören gleich am Anfang dazu: Produktqualität, Produktdifferenzierung, Kundenbindung, Marktsegmentierung und noch vieles andere. Vielleicht kann Herr Schreiber sich dann dazu durchringen, die „Herrschaften Betriebswirtschaftler“ zu unterscheiden in solche, die ihren Beruf können, und solchen, denen das eher schwer fällt. Soll es auch bei anderen Professionen geben.

  4. nun ja – wir, die Werbewirtschaft, haben kaum andere Möglichkeiten, Titel zu bewerten und zu vergleichen. Vorteil von Print ist natürlich, dass die noch die „neutrale“ IVW zur Verfügung haben.

    Wie machen es Radiosender? Deren Reichweiten (und damit verbunden die Spotpreise) richten sich auch „nur“ auf die telefonische Befragung von tausenden Personen. Noch deutlicher wird es im Bereich der TV-Werbung! Hier „bestimmen“ nur 5.000 Haushalte (stellvertretend für 75 Millionen Personen in Deutschland!) über Sendequoten und damit über unser gesamtes Programm und über die Millionen Euro, die für TV-Werbung ausgegeben werden! Auch hier gibt es genügend Beispiele für „merkwürdige Zahlen“, wenn z.B. trotz technischer Sende-Unterbrechnung hunderte Haushalte für 20 Minuten beim „Testbild“ nicht umschalten!

    Zu Stemi: Wie die Zahlen erhoben werden, kann jeder offiziell nachlesen – habe es mal in 30 Sekunden recherchiert:

    „Befragung – Die Reichweiten-Ermittlung:
    Die agma spricht vom sogenannten Recent-Reading-Modell (zuletzt Gelesenes). Die Fragen zur Mediennutzung arbeiten mit Erinnerungshilfen für den Befragten (aided recall):
    Im Interview werden dem Befragten Titelkarten mit Logos der Tageszeitungen, je nach regionalem Verbreitungsgebiet, gezeigt. Zur Ermittlung der Reichweite von Tageszeitungen wird ein vierstufiges Abfragemodell (siehe Grafik für schematische Darstellung) zugrunde gelegt.
    Der Fragebogen umfasst etwa 50 Seiten und beinhaltet Fragen nach Bekanntheit und Nutzung von Publikumszeitschriften, Tageszeitungen, Kino und Lesezirkel. Darüber hinaus werden Fragen gestellt zum Freizeitverhalten, zur Haushaltsausstattung und zu soziodemographischen Merkmalen wie z.B. Alter und Ausbildung.“
    Quelle: https://www.agma-mmc.de/media-analyse/ma-pressemedien/datenerhebung/)

  5. LOL – ernsthafte Frage, insbesondere an Leute aus der Werbewirtschaft, wer hält diese Zahlen, auch nur im Ansatz, für real ?

  6. Nun ja, es wird wohl nicht mehr lange dauern, bis man dem Druck bei der Frage, wie diese Zahlen denn „errechnet“ werden, nachkommen wird.
    Spätestens, wenn Air Berlin wegbricht, werden sich auch die Absatzzahlen von SZ, FAZ und Handelsblatt halbieren. Aber dann liegt das sicher wieder am schlechten Wetter im Land in dem 7 Millionen Haushalte Frauenfussball beim ZDF verfolgen.

    1. Da Bordexemplare zu den sonstigen Verkäufen zählen kann ziemlich transparent nachvollziehen wieviel Exemplare maximal als Bordexemplare rausgehen. Lediglich die Welt fällt durch exorbitant hohe sonstige Verkäufe auf, während die von Ihnen benannten Zeitungen weit davon entfernt sind 50% Ihrer Auflage als Bordexemplare zu verkloppen. Insofern hat Ihre Einschätzung nichts mit der Realität zu tun.

      1. Stefan F. hat recht. Totaler Quatsch. Die Bordexemplare machen bei den Qualitätsmedien nicht mal 10% der Auflage aus.
        Hauptsache etwas von sich geben, aber keine Ahnung haben…

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