Anzeige

„Nichts aus dem Hut gezaubert“ – MZ-Chefredakteur Augustin verteidigt Umbau der Mitteldeutschen Zeitung

MZ-Chefredakteur Hartmut Augustin
MZ-Chefredakteur Hartmut Augustin

Die Mitteldeutsche Zeitung kommt nicht zur Ruhe. Ein anonym verfasster Brief aus dem Kreis der Belegschaft, der die redaktionelle Neuausrichtung der Regionalzeitung durch Chefredakteur Hartmut Augustin infrage stellt, sorgt für massiven Wirbel. Doch der ehemalige Ressortleiter der Berliner Zeitung kontert. In einer Mail an Mitarbeiter und die Herausgeber weist er die Kritik zurück. Die Vorwürfe gingen „ins Leere“.

Anzeige
Anzeige

Mitte des Jahres sorgte der Personalabbau bei der Mitteldeutsche Zeitung für erheblichen Unmut in der Belegschaft. Die Schließung des Service-Centers sowie der Abbau von Redaktionsassistenzen führte dazu, dass das zu DuMont Mediengruppe gehörende Printhaus 19 Stellen strich.

Doch das Unternehmen kommt nicht zur Ruhe. Auslöser ist ein anonymer Brief, der die Herausgeber der Mitteldeutschen Zeitung vergangene Woche erreichte – darunter Christian DuMont Schütte, Aufsichtsratsvorsitzender der DuMont Mediengruppe, sowie seine Stellvertreterin im Kontrollgremium, Isabella Neven DuMont. Unterzeichnet war das Schreiben lediglich mit „Mitarbeiter der Mitteldeutschen Zeitung“. In der Kölner Konzernzentrale der DuMont Mediengruppe sorgten die Zeilen für massive Verärgerung. Das Mutterhaus zweifelt an, dass der Brief überhaupt echt ist und wertet das Schreiben als eine als „feige Attacke auf die Mediengruppe Mitteldeutsche Zeitung“.

MZ-Chefredakteur Hartmut Augustin hat das anonym verfasste Schreiben nicht ignorier, sondern zum Anlass genommen in einer Mail an die Mitarbeiter, die MZ-Herausgeber sowie den DuMont-Vorstand seinen redaktionellen Kurs zu verteidigen. Sein Resümee: Die Vorwürfe der Verfasser gingen „ins Leere“. Vor allem die Kritik, die Chefredaktion würde über den Zuwachs der Abo-Auflage intern Lügen verbreiten, „die angeblich tausende neue echte Abonnenten aus dem Hut zaubert“, lässt er nicht stehen. „Da ist nichts aus dem Hut gezaubert“, heißt es in der Mail, die MEEDIA vorliegt. Mehr als 2.000 neue Abonnenten hätte das Verlagshaus aus Halle seit dem Refresh im April diesen Jahres gewonnen. „Nur so lässt sich erklären, dass unsere Abo-Auflagen-Entwicklung inzwischen wieder besser geworden ist“, erklärt Augustin. Um was für Abos es sich dabei handelt, führt er in seiner Mail allerdings nicht aus. Die Verfasser des anonymen Schreibens hatten der Redaktionsspitze vorgeworfen, dass der Zuwachs fast ausschließlich auf das Konto der „stark beworbenen, kostenlosen Probeabos“ zurückzuführen sei. Der so genannte Probeabo-Trick, „wonach mehrere Familienmitglieder nacheinander Probeabos beziehen, ist der Renner im Verbreitungsgebiet“, urteilen die anonymen Briefeschreiber. Tatsächlich weist die IVW-Statistik bislang keinen Abo-Zuwachs auf, wie MEEDIA gestern berichtete. Im Gegenteil: die Zahl der Abonnenten sank im 2. Quartal 2017 gegenüber dem vergleichbaren Vormonatsquartal um 2.216 auf 156.090 Abos. Hat der MZ-Verlag in diesen drei Monaten wirklich 2.000 echte neue Abos gewonnen, haben zumindest mehr als 4.000 Abonnenten dem Blatt den Rücken gekehrt.

Anzeige

Vehement verteidigt Augustin auch die digitale Neuausrichtung des Medienhauses. MZ gilt im DuMont-Konzern als „Leuchtturmprojekt“ für die digitale Transformation. Doch das anonyme Mitarbeiterschreiben will davon nichts wissen. „Die gescheiterte digitale Transformation ist allgegenwärtig. Der MZ-Internetauftritt hinkt in Aktualität und Themenwahl vielen ambitioniert gemachten, privaten Internetseiten im Heimatland der MZ hinterher. Das dürfen wir uns eigentlich nicht leisten“, lauten hier die Vorwürfe. Augustins Replik: „Es gehört schon eine Portion Ignoranz dazu, zu übersehen, dass kein anderes regionales Portal im Osten Deutschlands eine größere Reichweite als MZ.de hat.“ Auch die Konzernkommunikation von DuMont stellt die Erfolge der Digitalstrategie heraus: „Mehr als eine Million Menschen informieren sich Monat für Monat auf MZ.de. Die Zahl der Visits hat sich in den vergangenen Jahren fast verdoppelt auf sieben Millionen im Monat“, betont DuMont-Sprecher Björn Schmidt. Print und Digital gemeinsam sorgten „für die größte MZ-Reichweite aller Zeiten“, ergänzt er.

Fraglich ist, ob sich die aufgeheizte Stimmung im Verlagshaus legt. MZ-Chefredakteur Augustin sucht nach der Attacke aus den eigenen Reihen den Dialog mit der Belegschaft. „Wenn Sie Fragen oder Anmerkungen zu dem Brief an die Herausgeber haben, können Sie sich gern an mich wenden“, endet die Mail mit einem Post Skriptum.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige