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Zoff bei der Mitteldeutschen Zeitung: Anonymer Brief gegen Chefredakteur Hartmut Augustin sorgt für Wirbel

MZ-Chefredakteur Hartmut Augustin
MZ-Chefredakteur Hartmut Augustin

Eklat bei der Mitteldeutschen Zeitung in Halle: In einem anonymen Brief an die zur Kölner DuMont Mediengruppe gehörende Regionalzeitung wird massive Kritik am Chefredakteur der Mitteldeutschen Zeitung, Hartmut Augustin, geübt. Er würde durch den jüngsten Umbau des Blattes einen Leserschwund bei der Tageszeitung auslösen. Der Verlag zweifelt an, dass der Brief echt ist. Er wertet den Vorstoß als eine "feige Attacke auf die Mediengruppe Mitteldeutsche Zeitung".

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Es sind harte Vorwürfe, die gegen den Chefredakteur der Mitteldeutschen Zeitung (MZ), Hartmut Augustin, erhoben werden. In einem offenen Brief an die Konzernspitze des Kölner Mutterkonzerns DuMont kritisieren die unbekannten Verfasser des Schreibens, dass die Regionalzeitung unter dem Chefredakteur „im rasanten Tempo an Ansehen in der Region verliert, sich Leser abwenden und das Haus unter der Führung eines Chefredakteurs leidet, der nach Gutsherrenart regiert“, heißt es dort. Unterzeichnet ist der anonyme Brief, den der Verlag am Donnerstag erreichte, lediglich mit „Mitarbeiter der Mitteldeutschen Zeitung“.

Der Verlag ist entsprechend verärgert. Das MZ-Mutterhaus in Köln zweifelt an, dass der Brief überhaupt echt ist. „Wir wissen nicht, von wem dieses Schreiben stammt und haben erhebliche Zweifel an der Authentizität und Glaubwürdigkeit des Briefes. Insofern sind wir auch überrascht, dass sich einige den Inhalt des Briefes ungeprüft zu eigen machen – und das in Zeiten, wo Redaktionen tagtäglich mit Fake News konfrontiert sind“, erklärt Konzernsprecher Björn Schmidt auf Anfrage von MEEDIA. Die DuMont Mediengruppe wertet den Brief als „feige Attacke auf die Mediengruppe Mitteldeutsche Zeitung“. Sie würdige die „sehr erfolgreiche Arbeit der Redaktion und des Chefredakteurs ab“. Der Verlag stärkt Augustin den Rücken und spricht ihm sein uneingeschränktes Vertrauen aus.

Der Deutsche Journalistenverband (DJV) hingegen hält das Schreiben für keine Fälschung. Offenbar handelt es bei den Absendern um namhafte Personen aus der mittleren Führungsebene – sowohl aus der Redaktion wie auch aus dem Verlag, erfuhr MEEDIA aus Unternehmenskreisen. Die Gewerkschaft fordert daher das Printhaus auf, die Vorwürfe ernst zu nehmen und hierüber den Dialog mit den Mitarbeitern zu suchen. Konkret wird in dem anonymen Schreiben vor allem der Refresh kritisiert, den Augustin im April dieses Jahr vorgenommen hat. Er führe dazu, so der Vorwurf, dass die Regionalzeitung weniger Informationen als jemals zuvor enthielte. „Die Leser wollen keine ganzseitigen Porträts auf der letzten Seite, lange Artikel durch die sie sich durchkämpfen müssen, leere Marginalspalten oder den Wegfall der Serviceseite“, monieren die Verfasser. Auch organisatorisch habe der Chefredakteur die Redaktion falsch aufgestellt. Durch eine neue Regiodesk-Struktur seien die Producer nicht in den Lokalredaktionen, wo die aktuelle Ausgaben entstünden, lautet die Kritik. Daher zweifeln die Briefeschreiber, dass die Auflage durch den Umbau tatsächlich steige. „Stattdessen werden von der Chefredaktion Lügen verbreitet, die angeblich tausende neue echte Abonnenten aus dem Hut zaubern“, heißt es dort. Diese gingen vielmehr „fast ausschließlich auf die stark beworbenen, kostenlosen Probeabos zurück“. Der so genannte Probeabo-Trick, „wonach mehrere Familienmitglieder nacheinander Probeabos beziehen, ist der Renner im Verbreitungsgebiet“.

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DuMont sieht dies natürlich anders. Die Zeitung habe seit dem Refresh im April 2.000 neue Abonnenten gewonnen. „Die Auflageentwicklung hat sich seit April verbessert. Andere Medienunternehmen machen nach einem Refresh ganz andere Erfahrungen“, betont der DuMont-Kommunikationschef. Doch blickt man in die IVW-Statistik, zeigt sich ein anderes Bild. Hier sank die Zahl der Abonnenten im 2. Quartal 2017 gegenüber dem vergleichbaren Vormonatsquartal um 2.216 auf 156.090 Abos. Sollte der Verlag der Mitteldeutsche Zeitung tatsächlich 2.000 neue Abos zählen, müssten allerdings in diesem Zeitraum zuvor mehr als 4.000 Leser ihre Abos gekündigt haben. Der MZ-Verlag jedenfalls ist von dem neuen Kurs des Chefredakteurs überzeugt. Für die Neuausrichtung des Blattes habe das ostdeutsche Medienhaus hunderte von Lesern im Frühjahr 2015 und 2016 befragt. „Aus den Erkenntnissen entstand ein überzeugendes Konzept“, so der Konzernsprecher. Zudem seien die Lokalredaktionen von der Produktion entlastet worden, damit sich die „Mitarbeiter voll auf ihre Reportertätigkeit konzentrieren können“.

Damit kommt die Mediengruppe DuMont nicht zur Ruhe. Das Printhaus hatte erst vor wenigen Monaten beim Berliner Verlag die Redaktionen von Berliner Kurier und Berliner Zeitung fusioniert. Viele Redakteure verloren dadurch ihre Jobs. In der Öffentlichkeit musste das Medienhaus harsche Kritik einstecken.

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