Anzeige

„Google dominiert komplette Wertschöpfungsketten“: Burda-Boss Kallen wettert gegen US-Techfirmen

Burda-CEO Paul-Bernhard Kallen
Burda-CEO Paul-Bernhard Kallen

Mehr denn je scheinen sich die deutschen Medienmanager im Kampf gegen die US-Technologie-Giganten zu sehen. Trotz der hohen EU-Strafe von 2,4 Milliarden Euro gegen Google fordert Burda-Chef Paul-Bernhard Kallen im Handelsblatt-Interview, die Ungleichbehandlung von europäischen und US-Konzernen zu stoppen. Für Google, Amazon & Co. müsse das gleiche Recht wie für hiesige Unternehmen gelten.

Anzeige
Anzeige

Kallen gab in dem Interview zudem einen Einblick in die wirtschaftliche Lage seines Medienhauses. Demnach rechnet der Manager für 2017 mit einem Wachstum von etwa 14 Prozent. Wenn man dieses dann um Akquisitionen bereinigt, dürfte es bei sechs Prozent liegen. „Die Geschäfte entwickeln sich erfreulich“, so Kallen. Tatsächlich bemühen sich die Münchner derzeit recht stark um eine gewisse Internationalisierung. In England beteiligt sich Burda an einigen Startups, wie ein Blumenversender und ein Markplatz für Kunsthandwerk. Aber auch der Verlag Immediate Media wurde dort übernommen.

Dagegen liefen die Geschäfte in Russland, Ukraine und Türkei „schwierig“. Allein in Russland könne das Haus nur noch ein Zehntel seiner früheren Umsätze erzielen.

Grundsätzlich sieht Kallen die schnell fortschreitende Technisierung und die damit verbundenen Herausforderungen als wichtigste Zukunftsthemen. So warnt er im Handelsblatt eindringlich vor der „amerikanischen Datensammelwut, die bislang kaum Regulierung erlebt“, natürlich nicht ohne den hauseigenen Browser Cliqz zu loben, der die Daten eben genau da lasse, wo sie hingehören: auf den Rechnern der Menschen. Seit den 90er-Jahren hätten die großen US-Player angefangen, das Internet zu okkupieren. „Wenn die Menschen endlich verstehen, was da für ein Film läuft, werden sie Alternativen haben wollen. Ich glaube jedenfalls nicht, dass es den Menschen egal ist, fortlaufend überwacht zu werden und zusehen zu müssen, wie sie selbst dank ihrer Daten zur Ware werden.“

Anzeige

Auch vor monopolistischen Strukturen, wie etwa bei Google, das „bei uns bekanntlich 96 Prozent Marktanteil an der Suche erreicht“ hätten, warnt Kallen. „Da muss man sich schon ziemlich am Hinterkopf kratzen. Google dominiert komplette Wertschöpfungsketten, und das deutsche Kartellamt hat sich noch nicht einmal darauf eingelassen, sich damit auseinanderzusetzen. Zum Beispiel im Kontext des Leistungsschutzrechts. Ich bin froh, dass sich die Experten in Brüssel darum kümmern, und daher sehr zuversichtlich, dass es in ähnlichen Fällen zu weiteren Strafen kommen wird.“

Das eigene Haus definiert er dagegen als „ein modernes, auf Konsumenten ausgerichtetes Medienunternehmen, in dem Technologie eine sehr große Rolle spielt.“ Man müsse den Anspruch haben, neue Technologien nicht nur anzuwenden, sondern auch selbst zu entwickeln. Gerade letzteres ist ein Selbstverständnis, dass man in kaum einen anderen Deutschen Medienhaus findet.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige