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„Blendle verramscht Spiegel, SZ & Co.“: Test-Portal prangert Schwachstellen von Online-Kiosk an

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Da sagt man wohl: Test nicht bestanden. Das Verbraucher-Portal Toptestsieger hat sich das Angebot und vor allem die technische Abwicklung des Online-Kiosks Blendle angesehen und kommt zu keiner guten Bewertung. Den Prüfern war es mit einem einfachen Kniff gelungen, kostenlos Artikel von Spiegel, SZ oder auch FAZ im Gegenwert von rund 140 Euro zu lesen. Das harte Abschlussurteil: Bei Blendle würden die Medien „verramscht“, so das Urteil.

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Tatsächlich beschäftigt sich Daniel Brückner in seiner Analyse vor allem mit der technischen Struktur, mit der Blendle arbeitet. So nutzt er für seinen kostenlosen Lese-Kniff den Umstand aus, dass das Online-Kiosk jedem Neuanmelder ein Guthaben von 2,50 Euro schenkt. Überzieht man zudem sein Konto, scheint es keine – klar kommunizierten – Regeln zu geben, ob und wie das „überzogene“ Konto wieder auszugleichen ist.

Der Neukunde bekommt also zunächst Kredit. Aber was passiert, wenn sich Freundin, Oma, Opa, Mutter, Vater, Kind 1, Kind 2, Kind 3 und Tante, Onkel, Großonkel bei Blendle anmelden?“, fragt Brückner. „Auf dem gleichen Computer. Bekommen die dann auch alle 2,50€ Startguthaben und können Premium-Content auf Pump kaufen? Kann es sein, dass Blendle hier etwas zu großzügig ist und seinen Premium-Content nicht genug schützt?“

Brückner probierte es aus und legte innerhalb von einer Stunde 25 Userkonten auf demselben Rechner, mit jeweils unterschiedlichen E-Mailadressen eines Freemail-Anbieters an. Blendle schaltete ihn daraufhin bei allen 25 Konten mit 2,50 Startguthaben frei. Damit las er 42 Zeitungen, Zeitschriften und Artikel mit einem Gesamtwert von 140,12 Euro. „Ich wurde niemals darauf hingewiesen, ob ich das Konto nach Überziehung wieder ausgleichen muss“, schreibt der Tester. Zudem konnte er die überzogenen Konten einfach löschen. „Mir wurde nicht mitgeteilt, dass ich die überzogenen Konten auszugleichen habe.“

Sein Fazit: „Ich kenne die Deals zwischen den Verlagen und Blendle nicht, weiß also nicht, wer die Zeche dafür zahlen muss, dass Blendle bei seiner ‚Payment-Wall‘ die Tore so sperrangelweit offenstehen lässt.“ Der Tester bezweifelt, „dass es für die Verlage Sinn macht, wenn ihre Premiuminhalte so einfach quasi kostenlos zu erhalten sind.“

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Blendle sieht dies etwas anders: „Wir versuchen, es den Nutzern so leicht wie möglich zu machen, für guten Journalismus im Netz zu zahlen“, erklärt das Startup auf MEEDIA-Nachfrage. „So wie man an der Tankstelle kostenlos Magazine lesen kann, die für den Verkauf gedacht sind, machen wir es den Usern leicht, sich einen Account anzulegen und für 2,50 Euro Journalismus kostenlos zu lesen. Wir tun das, damit Nutzer unseren Service ausprobieren können und wir wissen, dass User, die Blendle ausprobiert haben, auf längere Sicht die aktiveren User sind.“ Weiter heißt es in der Stellungnahmen:

Und genau wie an der Tankstelle gibt es auch bei uns Leute, die aufpassen, dass niemand herumlungert und unseren Service missbraucht. Dieser Missbrauch geschieht sehr, sehr selten. Insofern, auch wenn ich den Test von toptestsieger.de zu schätzen weiß, ist unser Setup gut so wie es ist: Einfache Nutzung für unsere User und mehr Menschen die für die Inhalte unserer Partner, der Verlage, bezahlen.

Abschließend kommt der Testbericht zu einem vernichtenden Urteil. Da heißt es mit Blick auf die Medienpartner von Blendle: „Vielleicht sollte hier der ein oder andere Verlagschef nochmal nachprüfen, ob die Vorgehensweise von Blendle im Sinne des Erfinders ist und ob er seine Zeitungen durch einen ‚unbemannten‘ Kiosk ‚verkaufen‘ lassen will.“

Update (Mittwoch, 15.00 Uhr):
Wir haben in den Text um eine Stellungnahme von Blendle ergänzt. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Textes, hatte sich Blendle trotz MEEDIA-Anfrage, noch nicht zu den Test-Ergebnissen geäußert.

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