Holpriger Start für Frankfurter Neue Presse: Neues Zeitungskonzept eckt bei älteren Lesern an

frankfurter-neue-presse.jpg

Vor gut vier Wochen hat die Frankfurter Neue Presse ihr Blatt- und Redaktionskonzept geändert. Chefredakteur Joachim Braun hat aus einer termin- und ressortgetriebenen eine themenbezogene Regionalzeitung gemacht. Doch die neue Struktur schreckt vor allem ältere Leser ab. Viele kündigen ihre Abos.

Anzeige

Joachim Braun ist seit mehr als einem Jahr neuer Chefredakteur der Frankfurter Neuen Presse (FNP). Vor gut vier Wochen eröffnete der geborene Lüneburger einen Newsroom für die Regionalzeitung. Dafür griff der Verlag der Frankfurter Sozietät Medien tief in die Taschen. Rund eine Million Euro machte das Printhaus für den Umbau locker. Tag für Tag entsteht hier seither auf 1.000 Quadratmetern eine rundum erneuerte Zeitung, an deren Konzept sich die 85 Redakteure wohl noch gewöhnen müssen. Denn die Redaktion teilt sich künftig in zwei Gruppen auf: den Editoren, die im vorderen Teil des Newsrooms die Zeitung gedruckt wie online produzieren sowie den Reportern, die im hinteren Teil der neuen Räumlichkeiten sitzen. Braun: „Wir haben ein Editoren- und Reportermodel eingeführt, um künftig alle medialen Kanäle besser zu bedienen, um aktueller zu werden und tiefer zu recherchieren“.

Mit dem räumlichen Umbau hat aber auch die Zeitung ihr Gesicht geändert. Die Titelseite wirkt aufgeräumter, ein großes Thema bestimmt den Aufmacher, an der linken Seite wurde ein Inhaltsverzeichnis platziert, darunter eine regionale Wettervorhersage, auf der zweiten Seite finden sich Meinungsstücke, auf der dritten sind Hintergrundberichte vorgesehen. Geändert hat sind der Innenteil. Der Sport, der bislang an verschiedenen Stellen der Zeitung auftauchte, hat ein eigenes Buch bekommen. Dagegen ist der Kulturteil nach vorne gerückt.

Deutlich gravierender macht sich der Umbau in der Lokalberichterstattung bemerkbar, Herzstück einer jeden Regionalzeitung. Bislang wurde die Berichterstattung in den verschiedenen Lokalausgaben geographisch heruntergebrochen. Jetzt hat Braun die Zeitung neu ausgerichtet. Aus einem termin- und ressortgetriebenen Blatt wurde ein themenbezogener Regionaltitel. Ob Kelkheim oder Limburg – bislang fanden angestammte Leser daher die Nachrichten aus ihrem Örtchen meist gebündelt auf einer ganzen Seite. Doch das ist jetzt passe: Künftig müssen die Leser die Berichte aus ihrer unmittelbaren Region im ersten Buch und im hinteren Teil der Zeitung suchen. Dies überfordert offenbar vor allem die ältere Leserschaft, die Protestmails an die Chefredaktion schickte. „Wir haben nach dem Refresh der Frankfurter Neuen Presse rund 100 Abbestellungen (Stand: vergangene Woche), weil sich vor allem ältere Leser an der veränderten Blattstruktur und dem themenorientierten Ansatz stören“, erklärt Braun. Dies entspreche umgerechnet „einer Steigerung von 16 Prozent zur normalen täglichen Rate an Abbestellern.“

Doch der Chefredakteur steuert bereits dagegen: „Wir werden in allen Ausgaben lokale Inhaltsverzeichnisse einbauen, um den Lesern mehr Orientierung zu bieten. An der themenorientierten Ausrichtung der Zeitung halten wir aber weiter fest.“ Dies sei schon notwendig, um vermehrt digitale Inhalte zu schaffen. Denn der ehemalige Chefredakteur des Nordbayrischen Kuriers plant, mit Beiträgen im Netz Geld zu verdienen und arbeitet derzeit daran, den Webauftritt zu verbessern. „Wir werden auf unserer neuen Onlineseite ein Bezahlmodell einführen“, betont Braun.

Für die Lokalredaktion ist der massive Unmut der Leser ungewohnt. Sie befürchtet zudem, dass in den nächsten Wochen und Monaten weitere Abbestellungen folgen könnten. Dies will der Chefredakteur nicht ausschließen. Die derzeitigen Zahl an Abbestellern hält er aber im Verhältnis zur Auflage der FNP mit ihren Lokalausgaben für nicht besorgniserregend. Zahlen zur Gesamtauflage macht Braun allerdings nicht. Denn die verkaufte Auflage der FNP weist die Frankfurter Sozietät in der Kombi Rhein Main Media gemeinsam mit der Frankfurter Rundschau und der Rhein-Main-Zeitung der Frankfurter Allgemeinen Zeitung aus. Aktuell beläuft sie sich auf 181.000 Exemplaren. Dazu sollen die drei Titel zu etwa gleich großen Teilen beitragen, heißt es in Branchenkreisen.

Anzeige
Anzeige
Anzeige