Auf ein Selfie mit Ivanka: Embedded Schampus-Journalismus mit dem Hamburger Abendblatt

Verlegerin Yvonne Bauer, Ivanka Trump, Wolfgang Bosbach und Pit Gottschalk
Verlegerin Yvonne Bauer, Ivanka Trump, Wolfgang Bosbach und Pit Gottschalk

Talkshow-Zoff XXL mit Wolfgang Bosbach und Jutta Ditfurth, die Hamburger Verlegerfamilie Bauer warnt in der Zeitung vor einem Villen-Betrüger, ein Chefreporter ging während G20 auf Selfie-Jagd mit Ivanka Trump und die FAZ provoziert mit Twitter-Thesen. Der MEEDIA-Wochenrückblick.

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Hurra! Endlich mal wieder ein handfester Talkshow-Eklat! Wolfgang Bosbach ist bis in die Haarspitzen empört aus der “Maischberger“-Sendung zum Thema G20-Krawalle herausmarschiert, weil er das „Gesabbel“ (Einschätzung von Mit-Talkgast Joachim Lenders) der Jutta Ditfurth nicht mehr ertragen konnte/wollte. Für die Radikal-Talkerin Ditfurth war das vermutlich ein Erfolg, zumal sie Bosbach noch fächernd hinterherrufen konnte, wie man denn so mimosenhaft sein kann.

Wirklich irritierend war die Reaktion der von Sekunde eins an überforderten Moderatorin Sandra Maischberger, die Frau Ditfurth fast panisch aufforderte, nun bitte auch zu gehen, damit „die Parität“ wieder hergestellt werden könne. Was für ein Unsinn! Die nachgeschobene Entschuldigung Maischbergers an die Adresse von Jutta Ditfurth, machte die Sache nicht besser. Sollte man je einen Beleg suchen, dass zumindest in dieser Talksendung die Gäste nach fest zugewiesenen Rollen gecastet werden, Sandra Maischberger hat ihn geliefert. Übrigens: Dass Frau Ditfurth nun mal so ist, wie sie ist, kann für Sandra Maischberger keine Überraschung sein. Hier ein Ausschnitt aus einer uralten „Menschen bei Maischberger“-Sendung, in der Ditfurth (schon damals mit Fächer bewaffnet!) Nina Hagen zur Weißglut treibt.

Ich persönlich bin inhaltlich mit fast gar nichts einverstanden, was Jutta Ditfurth so sagt. Aber als rhetorisch beschlagener und rauflustiger Gast in Talkshows, ist die Frau eine Schau. Wenn sie mal ein bisschen, nur ein bisschen runterdrehen würde, könnte man sich vielleicht sogar mit ihren Positionen auseinandersetzen. Jutta Ditfurth also ruhig öfter einladen. Langweilig wird es mit ihr jedenfalls nicht.

Streit ganz anderer Art gibt es in feinen Hamburger Kreisen. Die Verlegerfamilie Bauer streitet sich in der Hansestadt vor Gericht wegen eines misslungenen Villenkaufs. Für sechs Millionen Euro wollte die Heinrich Bauer KG eine hübsche Stadtvilla im Nobel-Stadtteil Winterhude erwerben. Verleger-Tochter Saskia Bauer sagte nun gegenüber dem Hamburger Abendblatt: „Wir sind einem Betrüger aufgesessen, der uns arglistig getäuscht hat. Er hat die sechs Millionen Euro eingestrichen, das Haus ist aber nie in unser Eigentum übergegangen.“ Der Kaufvertrag wurde schon 2014 geschlossen, der Gerichtstermin in Hamburg steht noch aus. Warum sucht Familie Bauer in dieser Sache überhaupt die Öffentlichkeit? Man wolle vor dem Mann warnen, heißt es von Seiten der Bauers. Der Kalauer „Nepper, Schlepper, Bauerfänger“ in Anlehnung an die alte ZDF-Sendung mit Eduard Zimmermann liegt auf der Hand, wäre angesichts der Summe um die es hier geht, aber vielleicht zu auch billig.

Aufgeschrieben hat die Bauer-Geschichte Abendblatt-Chefreporter Ulrich Gaßdorf. Der lieferte diese Woche noch einen bemerkenswerten Text über eine Zufallsbegegnung mit Ivanka Trump in einem Hamburger Nobel-Sushi-Restaurant. Andächtig und offenbar beeindruckt, schildert der Reporter vom Nebentisch aus, wie Ivanka Trump, ihr Ehemann Jared Kushner und die „Entourage“ eine gute Zeit haben: „Es wurde ein Weißwein vom Château de Chassagne-Montrachet für mehr als 300 Euro pro Flasche serviert –, als ich Ivanka Trump beim Zuprosten entdeckte.“

Es folgen detaillierte Schilderungen der Garderobe Ivankas und der Speisefolge: „Danach wurde eine Auswahl japanisch-peruanischer Desserts serviert.“ Bon appetit! Baby Schimmerlos lässt grüßen. Dann der Höhepunkt. Es kommt zur Begegnung zwischen Chefreporter und Präsidenten-Tochter:

Und plötzlich war auch ich wie elektrisiert – ich wollte nun auch unbedingt ein Foto mit ihr machen. Ich sprach Ivanka Trump an. Lächelnd stimmte sie zu und sagte sinngemäß: „Ja, kein Problem.“ Das Ex-Model posierte gekonnt und ich lächelte ein wenig verlegen. Danach brach die Gruppe auf ins Marriott Hotel.

Während draußen schon die „Welcome to hell“-Demo aus dem Ruder lief, protokollierte der Chefreporter die Sushi-Sause der Trump-Tochter. Vielleicht so etwas wie die Schampus-Variante von Embedded Journalism …

Pit Gottschalk, Chefredakteur Sport bei Funke zeigte sich diese Woche empört bei Twitter. Er richtete sich an FAZ-Digitalchef Mathias Müller von Blumencron: „Wer schreibt sowas bei euch? Oder besser: Warum verhindert das keiner bei FAZ.net?“

Ging es etwa wieder um diesen super-umstrittenen FAZ-Gastbeitrag, in dem die Gleichung aufgemacht wurde, dass homosexuelle Elternpaare sich möglicherweise ganz gerne mal an ihren Kindern vergreifen, weil sie halt so gerne schnackseln? Nein, nein, um den ging es ausnahmsweise nicht. Es ging um ein vergleichsweise harmloses Stückchen, in dem ein amerikanischer Jura-Professor ein paar Twitter-Thesen aufstellte. U.a. These 13: „Der Ton von Tweets ist entweder abfällig oder empört.“ Und, da muss man mit Blick auf ihren Tweet festhalten, lieber Pit Gottschalk: q.e.d.!

Schönes Wochenende!

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