Umbau bei der Hamburger Morgenpost: Politik-Redakteure sollen nach Berlin umziehen

Boulevardjournalismus aus Hamburg – der Politikteil der Morgenpost entsteht bald aber in Berlin
Boulevardjournalismus aus Hamburg – der Politikteil der Morgenpost entsteht bald aber in Berlin

Am Donnerstag haben Geschäftsführung und Chefredaktion die Belegschaft der Hamburger Morgenpost über weitere Umstrukturierungen informiert: Ab dem 1. Januar 2018 soll der Politik-Teil nicht mehr in der Hansestadt produziert, sondern aus Berlin gemacht werden. Die betroffenen Angestellten sollen umziehen. Der große Stellenabbau, den der Betriebsrat befürchtet, wurde am Donnerstag nicht verkündet.

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Von der Maßnahme betroffen sind voraussichtlich insgesamt sieben Stellen, sechs redaktionelle sowie eine Stelle im Layout. Eine Sprecherin der DuMont Mediengruppe, in der die Hamburger Morgenpost erscheint, hat die Informationen von MEEDIA bestätigt. Denen zufolge macht der Verlag den Betroffenen das Angebot nach Berlin mitzugehen. Dort sollen sie weiter Angestellte der Hamburger Morgenpost bleiben und nicht in die neu gegründete Newsroom GmbH, die für die Produktion der Berliner Zeitung und des Berliner Kurier zuständig ist, transferiert werden.

„Berlin ist die Hauptstadt – dort spielt sich das politische Geschehen ab, dort sitzen die relevanten Verbände und Institutionen. Dort sind die Kollegen deutlich näher an den Ereignissen, haben die Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen, zu pflegen und zeitnah Gespräche vor Ort zu führen“, erklärt das Medienhaus seine Entscheidung.

Unklar ist, wie viele Mitarbeiter das Angebot annehmen und was passiert, wenn sie es nicht tun. „Wenn dieser unwahrscheinliche Fall eintritt, müssen wir die Situation neu bewerten und Alternativszenarien prüfen.“

Die Entscheidung, Politikredakteure in die Hauptstadt des Landes zu verlegen, ist erst einmal als folgerichtig zu betrachten. Unter den Arbeitnehmern wird allerdings spekuliert, dass es sich bei dem Umzug nur um eine Teilmaßnahme handelt.

Im Oktober vergangenen Jahres informierte der Betriebsrat über Verlagspläne, die einen umfassenden Stellenabbau vorsehen sollen. Die Arbeitnehmervertreter hatten von Sparvorgaben in Höhe von etwa 2,3 Millionen Euro gesprochen und fürchteten, dass insgesamt 25 Prozent der Redaktions-Jobs betroffen sein könnten. Auch wenn am heutigen Donnerstag keine Entlassungen verkündet worden sind, gibt man auf Seite der Angestellten noch keine Entwarnung, wie es aus Unternehmenskreisen heißt.

In einem Informationsschreiben des Betriebsrates, das MEEDIA vorliegt, heißt es: „Eigentlich sollte bis Ende Juni über den Umzug in neue Räume informiert werden. Eine Änderung der Zielsetzung der „agile Redaktion“ wurde heute auch klar bestritten. Es bleibt bei den bisherigen Zielen. Man hält z.B. daran fest, dass künftig mehr Seiten fertig angeliefert und die Seitenproduktion mehr an den Balken gehen soll. Wir gehen davon aus, dass mit der Ankündigung oder im Laufe eines Umzugs im Ergebnis eine stark reduzierte Redaktion stehen wird. Aber auch im Verlag wird man weniger Arbeitsplätze finden.“

Auch die Antwort des Unternehmens lässt darauf schließen, dass die am Donnerstag verkündeten Maßnahmen noch nicht die letzten Neustrukturierungen sind. So sagt der Verlag auch: „Über mögliche weitere Maßnahmen werden wir informieren, sobald Ergebnisse vorliegen.“

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