Bericht über Rückzug von Bodo Hombach: Recherchebüro Correctiv erwirkt einstweilige Verfügung gegen Kress

Correctiv-Herausgeber David Schraven (li.) wehrt sich gegen Kress-Bericht: Weshalb genau hat Bodo Hombach (re.) die Correctiv-Kommission verlassen?
Correctiv-Herausgeber David Schraven (li.) wehrt sich gegen Kress-Bericht: Weshalb genau hat Bodo Hombach (re.) die Correctiv-Kommission verlassen?

Correctiv hat eine einstweilige Verfügung gegen einen Bericht von Kress erwirkt. Der Branchendienst darf vorerst nicht weiter behaupten, dass Bodo Hombachs Rückzug aus der Ethik-Kommission des Recherchebüros mit Wolfang Heit, Vorsitzender des Correctiv-Finanziers Brost-Stiftung, zu tun hat. Diesem soll eine Recherche der Journalisten missfallen haben.

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Der Branchendienst hatte sich im Mai dieses Jahres mit dem Rückzug Bodo Hombachs aus der Ethik-Kommission von Correctiv befasst. Der 64-Jährige, ehemaliger Funke-Manager und Kanzleramtsminister unter Gerhard Schröder, hatte das Amt als Vorsitzender der Kommission im vergangenen Jahr niedergelegt und seine Entscheidung mit einem Interessenskonflikt begründet. Dieser hatte laut Hombach darin bestanden, dass er zugleich die Position des stellvertretenden Vorsitzenden der Brost-Stiftung auszufüllen hatte. Eine in der Tat schwierige Konstellation: Die Brost-Stiftung gehört zu den wichtigsten Geldgebern des investigativen Recherchenetzwerkes.

In einem Bericht der Print- und Online-Ausgabe versuchte Kress, weitere Hintergründe aufzudecken. Verdächtig war aus Sicht der Redaktion der Zeitpunkt der Entscheidung Hombachs. Der Interessenkonflikt war nämlich nicht neu. Hombach war seit 2014 in der Correctiv-Kommission, in der auch namhafte Journalisten wie Oliver Schröm, Nikolaus Brender, Cordt Schnibben oder Jochen Wegner von Zeit Online, sitzen. Zwei Jahre lang schien die Konstellation Correctiv und Brost-Vorsitz offenbar niemanden zu stören.

Kress bezog sich in der Berichterstattung auf eine anonyme Quelle, die eine „alternative Erklärung“ anbot: Diese heiße Wolfgang Heit. Der Vorsitzende der Brost-Stiftung, zuvor mehrere Jahre in der Medizin tätig gewesen, soll sich an einem Rechercheprojekt von Correctiv gestört haben, das sich wiederum mit Interessenskonflikten in der Ärzte/-Pharmabranche beschäftigt hatte. Der Subtext bei Kress: Heits Verärgerung über die Correctiv-Recherche soll Hombach zum Rückzug aus der Ethik-Kommission veranlasst haben. Zudem habe Heit aus der Verärgerung heraus die Fördergelder für Correctiv reduziert.

Alle betroffenen Parteien bestreiten das. Correctiv-Herausgeber David Schraven äußerte sich bereits gegenüber Kress und bezeichnete diese „Spekulationen“ als „frei erfunden“. Das Landgericht Hamburg hat nun einem Antrag des Recherchenetzwerkes (Az. 324 O 265/17) auf einstweilige Verfügung stattgegeben und Kress verboten, die entsprechenden Behauptungen zu wiederholen – zumindest vorerst.

Wie Kress-Pro-Chefredakteur Markus Wiegand gegenüber MEEDIA erklärte, habe man die einstweilige Verfügung zur Kenntnis genommen, werde die Sache aber nicht auf sich beruhen lassen. Man werde sich gegen den Beschluss, für den es bislang keine mündliche Verhandlung gegeben hat, zur Wehr setzen. Er halte den Artikel nach wie vor für eine „zulässige Verdachtsberichterstattung“, so Wiegand. Schließlich habe man nicht den Eindruck erweckt, dass dies die einzigen Gründe für Hombachs Rücktritt seien, zudem sei die Quelle sehr authentisch.

Der Streit über die Berichterstattung wird also weiter auf juristischer Ebene ausgetragen, hat aber auch einen Nebenschauplatz. Wiegand spricht gegenüber MEEDIA an, dass sich auch der Correctiv-Chef rechtlich nicht unbedingt einwandfrei verhalten habe. „David Schraven hat sich in Teilen ehrverletzend über unseren Autoren geäußert und versucht, ihn zu diskreditieren“, erklärt Wiegand.

Schraven hatte bei Facebook gleich mehrmals über seine Erlebnisse mit dem freien Journalisten Marvin Oppong (Anmerkung der Redaktion: Oppong hat auch schon bei MEEDIA veröffentlicht) berichtet, der den Hombach-Artikel bei Kress geschrieben hat. Vor der Veröffentlichung des Artikels bei Kress beklagte sich Schraven über den Autoren. „Ich leide an Oppong“, schrieb er im März.  Er kritisierte, dass der Journalist ihm „absurde“ Fragen stelle, ihn mit „Unterstellungen“ und „Phantastereien“ belästige.

„Ich bin verwundert und mich stört, wie sich Schraven, selbst investigativer Journalist, gegenüber anderen Journalisten verhält“, kritisiert wiederum Wiegand. Der Correctiv-Mann müsse sich gefallen lassen, dass das Finanzierungsmodell des Recherchenetzwerkes hinterfragt wird.

Update, 18.52 Uhr:

David Schraven erklärt zur Kritik von Markus Wiegand: „Jeder kann unser Finanzierungsmodell hinterfragen. Damit habe ich
überhaupt kein Problem. Aber dies mit frei erfundenen Spekulationen zu
tun, das ist nicht Ok – und dagegen habe ich mich gewehrt.“

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