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„Ausmaß der Aggressivität hat uns nachdenklich gemacht“: die G20-Bilanz des Social-Media-Teams der Polizei Hamburg

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20.000 Beamte aus ganz Deutschland im Dauereinsatz: Für die Polizei war der G20-Gipfel die wohl größte Herausforderung der vergangenen Jahre. Das gilt auch für "Befehlsstelle Social Media". Passenderweise via Facebook ziehen die Spezialisten für das Social-Web nun Bilanz. So war der erfolgreichste Eintrag kein Krawall-Posting, sondern das Dankeschön wegen der „zahlreichen Sympathiebekundungen“ an die Kollegen auf der Straße - also ein Candy- statt eines Shitstorms.

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In Zahlen liest sich die Bilanz der Facebook- und Twitter-Experten so: Vom 30. Juni bis 9. Juli waren insgesamt 35 Mitarbeiter im Unterabschnitt im Einsatz. 30 Spezialisten kamen dabei aus anderen Bundesländern, die extra zur Unterstützung der Hamburger hinzugezogen wurden. Täglich sorgten jeweils 22 bis 23 Mitarbeiter für eine 24-stündige Abdeckung. Gemeinsam bearbeite die Gruppe 117.000 Kommentare/Replies und verfasste über 3.200 Antworten.

Offen sprechen die Beamten auch über ihre Sicht auf das Geschehen vom Wochenende, das nicht „spurlos“ an ihnen vorbeigegangen sei. Immerhin habe man den Funkverkehr mitgehört, Live-Hubschrauberbilder gesehen und auch über TV- und Internet-Livesendungen die Einsatzlage verfolgt. „Das Ausmaß der Aggressivität, Missachtung und Gewaltbereitschaft, das unseren Kollegen ‚draußen‘ entgegengebracht wurde, hat uns sehr nachdenklich gemacht“, heißt es in der Bilanz. „Sie befanden sich stellenweise in Lebensgefahr.“

Weiter schreiben sie:

Auch online hatten wir mit vielen „Trollen“, „Fake-News“ und Anfeindungen zu kämpfen. Wir haben verantwortliche User konsequent für weitere Kommentare auf unserer Facebook-Seite gesperrt bzw. auf Twitter für Nachrichten an uns blockiert. Mitteilungen an uns, die möglicherweise strafrechtliche Relevanz haben, wurden gesichert und an die Kriminalpolizei weitergeleitet.

Das erfolgreichste Posting der „Befehlsstelle Social Media“ war aber kein Hass und auch keine Warnung vor Fake-News, wie den Satire-Bericht des Postillion über die Stationierung eine Atom-Rakete in Hamburg, sondern ein Dankeschön für die zahlreiche Sympathiebekundungen, die den Polizisten nach Ende des Gipfels entgegengebracht wurden.

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In diesem Posting heißt es unter anderem: „Alle Polizisten sind wirklich tief bewegt von solchen Gesten! Gerade in Zeiten, in denen die Respektlosigkeiten auf der Straße (zumindest gefühlt) zugenommen haben, tut es gut zu spüren, dass wir alle auf der selben Seite stehen.“

Das Posting, das am zweitmeisten die Menschen bewegte, war die Warnung der Polizei vom 7. Juli, dass man gleich das Schanzenviertel räumen werde. „Distanziert euch deutlich von den Gewalttätern“, heißt es darin und: „Unterstützt unsere Arbeit und entfernt euch umgehend!“. Zudem baten die Beamten „Medien & Privatpersonen, das taktische Vorgehen der Einsatzkräfte nicht zu filmen / zu senden, um sie nicht zu gefährden.“

Streng nach Reichweite betrachtet, folgt in der Liste der erfolgreichsten Posting noch die Stellungnahme des Polizeipräsidenten zum G20-Wochenende und der Hinweis auf das Web-Portal über das die Bürger ihre Fotos und Videos von vermeintlichen Straftaten rund um den Gipfel hochladen können.

Mit einem gewissen Stolz schließt die Social-Media-Einheit der Polizei ihre Bilanz: „Es war der größte Polizeieinsatz in der Geschichte der Polizei Hamburg und alle Einsatzkräfte haben ihn zusammen erfolgreich bewältigt – auch in den sozialen Netzwerken“.

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