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Vor Verkauf des Springer-Anteils: Geschäftsführer Lafrentz verlässt Stadtportal hamburg.de

Hamburg.de-Geschäftsführer Jan-Niko Lafrentz (li.) und Carsten Ludowig
Hamburg.de-Geschäftsführer Jan-Niko Lafrentz (li.) und Carsten Ludowig

In den geplanten Verkauf der Axel Springer-Beteiligung am Stadtportal hamburg.de kommt Bewegung. Mehrere Medienfirmen sollen sich für den Mehrheitsanteil interessieren - darunter die Kölner DuMont Mediengruppe. Mögliches Indiz für eine baldige Veräußerung der Gesellschaftsanteile: Der Hamburg.de-Geschäftsführer Jan-Niko Lafrentz verlässt das Stadtportal - mit unbekanntem Ziel.

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„Schäden bitte bei der Polizei melden“ oder „Steinmeier verteidigt Tagungsort“: auf dem Stadtportal hamburg.de bestimmt immer noch ein Thema die Schlagzeilen: der G20-Gipfel. Mit immer neuen Meldungen versuchen die Macher der zur Stadt gehörenden Webseite, Hamburgs Ersten Bürgermeister Olaf Scholz den Rücken zu stärken.

Hinter den Kulissen beschäftigt hingegen ein ganz anderes Thema die Verantwortlichen der Internetauftritts der Hansestadt: der geplante Verkauf der rund 60-prozentigen Beteiligung, den die Berliner Axel Springer SE an hamburg.de hält. An den Gesellschaftsanteilen zeigen diverse Investoren reges Interesse – darunter nach Informationen von MEEDIA die Kölner DuMont Mediengruppe. Dass sich DuMont um den Anteil reißt, ist verständlich. Das nordrhein-westfälische Verlagshaus gibt in der Elbmetropole täglich die Hamburger Morgenpost heraus, einer der traditionsreichsten Boulevardblätter der Millionen-Metropole. Zudem betreibt DuMont das Stadtportal von Berlin. Dadurch bringt das Unternehmen die notwendigen Erfahrungen mit, um hamburg.de weiter zu entwickeln. Bislang wurde auch der Funke Mediengruppe reges Interesse an dem Webauftritt nachgesagt, da es das Hamburger Abendblatt als größte Regionalzeitung in der norddeutschen Großstadt verlegt. Doch ein Funke-Sprecher winkt ab: „Wir führen zurzeit keine Gespräche mit Axel Springer zu diesem Thema.“

Doch die Zeichen verdichten sich, dass ein Käufer für das Springer-Pakets feststeht. Darauf deutet eine wichtige Personalie: Denn Jan-Niko Lafrentz, seit zwei Jahren Co-Geschäftsführer, verlässt das Portal – mit unbekanntem Ziel. Der Manager war zuvor Mitglied der Geschäftsführung des Regionalsenders Hamburg 1 und center.tv. Er hatte im Sommer 2015 zusammen mit Carsten Ludowig die Geschäftsführung des Portals übernommen. Ludowig, der weiterhin Geschäftsführer von hamburg.de ist, arbeitete bislang als Vice President Sales bei Smaato, zuvor war er unter anderem bei der Karriereplattform Xing sowie dem Zeitschriftenhaus Gruner + Jahr (Stern, Geo) tätig. Eine Sprecherin der Hamburger Wirtschaftsbehörde bestätigt die Personalie auf MEEDIA-Anfrage ebenso wie die Tatsache, dass um den Springer-Anteil intensiv verhandelt wird. Zu Namen möglicher Interessenten äußerte sich die Behördensprecherin allerdings nicht. DuMont wollte sich hierzu zu nicht äußern. Ebenso lehnt Lafrentz einen Kommentar ab.

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Mit dem Verkauf des hamburg.de-Anteils zieht sich der Berliner Medienkonzern immer mehr aus der Hansestadt zurück. Dabei war einst Hamburg für die börsennotierte Gesellschaft publizistisch ein wichtiger Standort. Hier gab das Unternehmen jahrzehntelang das Hamburger Abendblatt und die Hörzu heraus, auch die Bild-Mantelredaktion hatte hier ihren Sitz. Doch dann veräußerte Vorstandschef Mathias Döpfner einige der Traditionstitel neben dem Abendblatt unter anderem die Berliner Morgenpost sowie die Programmies Hörzu und TV Digital an die Essener Funke-Gruppe, um das Unternehmen stärker zu einem Digitalverlag umzubauen. Darüber hinaus verlegte der Vorstand 2008 die Zentrale der größten Boulevardzeitung in die Bundeshauptstadt. Davon betroffen waren damals mehr als 500 Bild-Mitarbeiter.

Sollte es zu einem Verkauf kommen, verfügt das zunehmend global orientierte Berliner Unternehmen über immer weniger Medienbeteiligungen in der norddeutschen Stadt. Möglicherweise ist das singuläre Metropolen-Portal ein zu kleines Karo auf der durch Internationalisierung geprägten Strategie-Landkarte von Springer. An hamburg.de ist die Hamburger Sparkasse (Haspa) mit 10,5 Prozent Minderheitsgesellschafter.

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