Klassisches TV statt Netflix & Co.: Junge Konsumenten sehen laut Studie wieder vermehrt fern

Junge Menschen haben laut einer Studie wieder mehr Lust auf klassisches Fernsehen
Junge Menschen haben laut einer Studie wieder mehr Lust auf klassisches Fernsehen

Der erfolgreiche Aufstieg von Streaminganbietern wie Netflix oder Amazon Prime scheint einen ersten leichten Dämpfer zu erleiden: Vor allem ganz junge Konsumenten schauen wieder vermehrt TV. Diese überraschende Entwicklung geht aus einer aktuellen Studie der Hochschule Fresenius zur Entwicklung von sogenannten Over-the-Top-Diensten (OTT) hervor. Bislang galten die Jungen als für das TV "verloren".

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Die aktuelle Studie „OTT-Dienste. Vielfalt online“ von Anna Schneider, Dozentin für Wirtschaftspsychologie an der Hochschule Fresenius in Köln, und René Arnold vom Wissenschaftlichen Institut für Infrastruktur und Kommunikationsdienste GmbH (WIK) der Hochschule Fresenius, ist bereits die zweite Auflage eines Monitorings zum digitalen Konsumentenverhalten. Der Begriff Over-the-top (OTT) meint eine Übermittlung von Video- und Audioinhalten übers Netz. Besonders beliebt sind laut der Studie OTT-Dienste, die Musik oder Videos immer und überall zur Verfügung stellen.

Die Daten der Studie zeigen zwar eindeutig, dass Streaming-Dienste immer beliebter werden. Jedoch wird ebenso deutlich, dass sowohl in der Altersgruppe 55+ als auch in der jüngsten Gruppe (18 bis 24 Jahre) der Anteil derjenigen, die ausschließlich traditionell fern schauen, wieder leicht gewachsen ist. Anscheinend ist so mancher, der Onlinedienste ausprobierte, wieder zurück zum traditionellen Fernsehen gekommen.

Andererseits ist der Anteil derer, die ausschließlich online TV-Inhalte schauen, sehr deutlich angestiegen. Das gilt vor allem für die Altersgruppe 25 bis 34 Jahre. Hier schauen inzwischen 22% ausschließlich online fern. Das entspricht beinahe dem Wert für die Altersgruppe 18 bis 24 Jahre, die auch schon 2015 die Vorreiter in Sachen Online-TV waren. Hier hat sich der Anteil der online-only TV-Nutzer von 21% (in 2015) auf 28% (in 2016) erhöht.

Der Grund für die Rückkehr zu linearem Fernsehen sei die steigende Bequemlichkeit der Nutzer, so die Verantwortlichen der Studie. So scheine es einfacher, sich berieseln zu lassen, als selbst zu entscheiden, welchen Film oder welche Serie man sich anschauen möchte. Die Bequemlichkeit wirke sich darüber hinaus auch auf die Einstellung der jungen Konsumenten zum Datenschutz aus. Der Schutz von persönlichen Daten sei für die Deutschen zwar weiterhin wichtig, gleichzeitg zeigten sich einige Nutzer aber durchaus bereit, auf Datenschutz zu verzichten, wenn sie dafür gleich finden, was ihnen gefällt. „Mir fehlt oft die Initiative oder die Idee und die würde dann quasi vom Gerät kommen, das finde ich echt gut“, erklärte zum Beispiel ein Konsument während eines Studien-Interviews.

Ein weiteres Indiz für die Bequemlichkeit der jungen Konsumenten sei außerdem die immer größer werdende Rolle des Smartphones. „Am liebsten hätten die Nutzer wohl eine App für alles, ähnlich wie die in Asien angebotene App „WeChat“, die neben der Kommunikation viele weitere Services wie etwa ein integriertes Bezahlsystem bietet“, sagt Anna Schneider.

Die Studie kommt außerdem zu dem Ergebnis, dass die Bereitschaft, für Streamingdienste Geld auszugeben, im Vergleich zum Vorjahr gestiegen ist: Der Anteil derjenigen Kosnumenten, die bereit sind, für Musik-Streaming zu bezahlen, habe sich von 2015 bis 2016 um fast ein Drittel erhöht und liege nun bei etwa 30 Prozent. „Spotify ist besonders erfolgreich in Deutschland“, so Schneider. „Allein 2016 hat der Dienst drei Millionen deutsche Nutzerhinzugewonnen.“

Für die Ergebnisse wurden insgesamt 1027 Personen in der Zeit vom 30.November bis zum 07.Dezember 2015 und 1003 Personen vom 30.November 2016 bis zum 05.Dezember 2016 mittels Online-Befragung durch das internationale Marktforschungsinstitut YouGov befragt. Die Ergebnisse wurden gewichtet und sind repräsentativ für die deutsche Bevölkerung (Alter 18+). Zusätzlich wurden 20 qualitative Interviews in den Monaten November und Dezember 2016 geführt.Um eine Zeitreihe zu erhalten, soll die Befragung jedes Jahr durchgeführt werden.Die Studie kann auf der Homepage der Hochschule Fresenius abgerufen werden.
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Alle Kommentare

  1. Das Problem ist wahrscheinlich, dass die Streaming-Dienste (Video) eine große Auswahl anbieten.
    Das ist so, wie jemand Hunger hat, aber keinen Appetit auf was bestimmtes. Wenn man nun eine Speisekarte mit – sagen wir mal – 200 Gerichten vorgesetzt bekommt, bedeutet eine Auswahl daraus mehr (Entscheidungs-) Stress als eine Auswahl von einer Speisekarte mit nur 20 Gerichten.
    Oder kurz: »Alles so schön bunt hier – ich kann mich gar nicht entscheiden« (Nina Hagen, TV-Glotzer)

  2. Gab es einen bestimmten Auftraggeber der Studie, welcher diese bezahlt hat oder haben die Hochschulen die Studie selbstlos eigenfinanziert?

    Bei Köln zischte mir gleich ein dortiger Fernsehgeldeintreiber als möglicher Auftraggeber durch die Synapsen.

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