Von der Großevent-Euphorie zum Gewaltexzess-Entsetzen: die G20-Eskalation in 16 Titelseiten

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Geschichte, Entwicklung und Eskalation des Hamburger G20-Gipfels lässt sich auch an dem Wandel der Titelseiten ablesen. So feierte der Spiegel im Vorfeld noch die „Hauptstadt Hamburg“. Daraus wurde schnell der „Gipfel der Wut“, das „Treffen der Chaoten“ und eine Stadt „Außer Kontrolle“. Es gibt aber auch wieder Hoffnung. So fordert die Hamburger Morgenpost ironisch: „Make Hamburg great again.“

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Die Vorwochen:

Der Spiegel: „Hauptstadt Hamburg“

Am 17. Juni sah alles noch so rosig aus. Der Spiegel wähnte die Hansestadt auf dem Weg zu alter Strahlkraft und schlagzeilte: „Elbphilharmonie, G20-Gipfel, Schanzenviertel – Comeback einer Metropole“. Exakt die ersten drei Schlagworte sollten drei Wochen später wieder eine entscheidende Rolle spielen. Allerdings keine positive. Trockener Kommentar von Welt am Sonntag-Macher Peter Huth am Wochenende zum alten Spiegel-Titel: „Der kann dann wohl weg.“

Stern: „Festung Hamburg“

Auch der stern beschäftige sich im Vorfeld mit dem Gipfel. Allerdings teilte die Redaktion um Chefredakteur Christian Krug die Begeisterung der Spiegel-Kollegen nicht. Sie warnten bereits auf der Titelseite: „Warum das Treffen der Mächtigen umstritten und gefährlich ist“.

Freitag

Taz: „Chaoten machen Hamburg unsicher“

Donnerstagabend eskalierte die Situation in der Hansestadt erstmals, nach dem sich Randalierer und die Polizei bereits zum Start der „Welcome to Hell“-Demo einen schweren Schlagabtausch lieferten. Trotzdem setzen am Freitagmorgen noch nicht alle Titel auf die Bilder der Ausschreitungen. Die taz versuchte sich noch im Humor.

Welt kompakt: „Moin“

Auch die Welt kompakt ging das erste Treffen von Donnerstagabend zwischen Donald Trump und Angela Merkel noch recht unbekümmert an.

Miami Herald: „Protesting G20-Summit“

Für die ausländische Presse nahmen die Donnerstags-Proteste auch nur eine untergeordnete Rolle ein. Eine Ausnahme bildete der Miami Herald, der ebenfalls Berichtete.

Samstag

Hamburger Morgenpost: „Außer Kontrolle“

Am Freitag kippte in den meisten Redaktionen die Stimmung. Den ganzen Tag über lieferten die sozialen Netzwerke immer mehr Videos von Vermummten, die plündernd und brandschatzend durch Hamburg zogen. Am Abend des Freitags eskaliert die Situation in der Sternschanze gänzlich. Die Polizei verlor nach Meinung vieler Beobachter „die Kontrolle“

Süddeutsche Zeitung: „Gipfel der Wut“

Die Süddeutsche Zeitung brachte auf ihrer Titelseite noch den politischen Aspekt und die brutalen Proteste unter der Zeile „Gipfel der Wut“ zusammen.

Taz: „Festival der Demokratie“

Die Tageszeitung signalisiert mit ihrer Titelseite, dass man die Proteste nicht gänzlich verurteilt und dass die Sicherheitskräfte keine gute Figur abgeben. Unverkennbar ist aber noch die Überzeugung, dass die Poizei-Präsenz das Hauptproblem darstellt und nicht autonome Gewalttäter. Es sollte sich aber auch zeigen, dass die Kritik an der Strategie der Polizei im Laufe des Wochenendes immer mehr zunehmen würde.

Sonntag

Berliner Kurier: „Die Schande von Hamburg“

Statt von einer „Festung“ oder der „Hauptstadt“, ist mittlerweile von „der Schande von Hamburg“ die Rede.

Bild am Sonntag: „Verbrecher und Versager“

Die Bild am Sonntag benennt erstmals unter anderen Bürgermeister Olaf Scholz als einen der „Versager“.

Hamburger Morgenpost: „Seien Sie unbesorgt, wir können die Sicherheit garantieren“

Auch die Mopo erinnert Olaf Scholz an seine Mitverantwortung und die markigen Sprüche, die er vor dem Politiker-Treffen riskierte.

Welt am Sonntag kompakt: „Aber bitte nicht da, wo wir wohnen“

Der bekennende Autonome Andreas Beuth, im Brotberuf Rechtsanwalt und Strafverteidiger, bekundet „Sympathien2 für die Krawalle“, beschwert sich zugleich jedoch, dass gerade in dem Viertel wo er wohnt, der Mob tobt. Eine irritierende und entlarvende Äußerung, die die Welt am Sonntag kompakt in eine geniale Titelseite ummünzte.

Montag

Taz: „Was soll das?“

Die Presse fängt mit den „Aufräumarbeiten“ an. So stellt die Tageszeitung die Frage nach den Hintergründen der Krawalle und unternimmt den Versuch, das Vorgehen der Randalierer zu verstehen.

Bild: „Gesucht“

Zeitgleich macht sich die Bild auf die Jagt nach den Autonomen, Brandstiftern und Steinewerfern. Dazu zeigt das Boulevardblatt Fotos von möglichen Straftätern und bittem die Leser um Mithilfe und Hinweise zur Indentifizierung.

Hamburger Abendblatt: „Was habt ihr mit unserer Stadt gemacht?“

In Anbetracht der außergewöhnlichen Geschehnisse des Wochenendes, produziert das Hamburger Abendblatt eine ganze Ausgabe, die sich nur mit dem G20 und seinen Folgen beschäftigt.

Hamburger Morgenpost: „Make Hamburg great again“

Heute wissen wir: Mit seiner Hauptstadt-These lag der Spiegel daneben. Die Mopo thematisiert in hübscher Anspielung auf den Wahlkampfslogan von Donald Trump, dass tausende Bürger am Sonntag freiwillig beim Aufräumen mithalfen – die Headline bezieht sich doppelbödig aber auch auf den Imageverlust der Hansestadt, deren nun ramponierter Ruf wiederpoliert werden muss.

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