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„Merkwürdige Allianz aus trotzigem Trump und tumben Trotzern“: Das Medienecho zum G20-Auftakt

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Der Start zum G20-Gipfel stand im Zeichen der Vorgespräche zwischen Donald Trump und Angela Merkel, sowie den eskalierten „Welcome to Hell“-Protesten. Mit beiden beschäftigten sich die Kommentatoren. Die Einschätzungen reichen von „einem Desaster für die Demokratie“ bis zu einem „Gipfel des Missvergnügens für Angela Merkel“.

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In der FAZ analysiert Manfred Schäfers: „So zeigt sich in Hamburg eine merkwürdige Allianz aus trotzigem Trump und tumben Trotzern. Der Mann aus dem Weißen Haus attackiert die multilaterale Welt, zu der die G20 gehören. Der Protestler auf der Straße greift mindestens verbal den Gipfel an, weil er dort alle Übel der Welt verortet und um die armen Länder fürchtet. Beide blenden wichtige Lehren aus der Vergangenheit aus: Amerika wurde mit Freihandel groß. Und auch die jüngere Geschichte kennt bemerkenswerte Aufsteigergeschichten. Japan, Südkorea und zuletzt China haben Wohlstand für Massen geschaffen, als sie sich dem Westen öffneten und auf den Handel setzten.“


In seinen Bild-Kommentar fordert Attila Albert, dass man lieber mal für Kapitalismus demonstrieren sollte. Auch die Globalisierungsgegner profitieren von seinen Segnungen. „Die „Kapitalismus-Gegner“, die über ein funktionierendes Transportsystem in eine Stadt mit besseren Lebensqualität anreisen, von ihren iPhones aus über Facebook und Twitter kommunizieren, weder für Lebensmittel noch Wasser anstehen müssen oder sich vor dem Staat fürchten, sondern im Gegenteil alles von Meinungsfreiheit bis Rechtsstaat für sich beanspruchen und noch wohlwollende Presse erhalten, sind eher ein Beleg dafür, wie gut dieses System selbst für diejenigen ist, die behaupten, es abzulehnen.“

Nach Meinung von taz-Mann Gereon Asmuth war der Polizeieinsatz vor allen ein „Desaster für die Demokratie“. Er schreibt: „Das Schlimmste daran ist: die zweifelhaften Zaungäste Wladimir Putin und Recep Erdoğan dürften ihr Vergnügen gehabt haben. Denn künftig werden sie bei aller berechtigten Kritik am repressiven Umgang mit Protesten in ihren Ländern stets mit einem süffisanten Lächeln auf das von Hamburgs Bürgermeister ausgerufene „Festival der Demokratie“ verweisen können.
Die Verantwortung dafür trägt in erster Linie die Führung der Hamburger Polizei. Da die aber ihren härtesten Hund als Einsatzleiter an die Front geschickt hat, ist Selbstkritik von dieser Seite nicht zu erwarten.“

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Bei Zeit Online beschäftigt sich Carsten Luther, mit dem Treffen zwischen Trump und Merkel: „Anführer der freien Welt, sondern sie stehen für verschiedene Welten. Außenminister Sigmar Gabriel nannte das Gespräch zwar „freundlich und aufgeschlossen“ und „eine echte Diskussion“. Er stellte auch „viel Gemeinsamkeit“ in der Betrachtung internationaler Konflikte fest. Zugleich warf er den US-Amerikanern aber vor, die internationale Zusammenarbeit als „Kampfarena“ zu verstehen, „wo der Stärkere sich Verbündete sucht, um gegen andere zu kämpfen“.

Stefan Kuzmany von Spiegel Online hält das G20-Treffen für „eine Farce“ und „ein Gipfel des Missvergnügens für Angela Merkel“. Er kommentiert: „Merkel mag noch so oft von der Globalisierung als „Win-win-Situation“ sprechen, womöglich in der Hoffnung, dass sich diese griffige Formulierung wenigstens für ein paar Stunden im Kurzzeitgedächtnis des US-Präsidenten hält – hier sitzen nur solche am Tisch, die sowieso gewonnen haben. Der Rest der Welt darf zusehen, ob dabei noch etwas für ihn abfällt. Würden hier die Chefs der 20 größten Weltkonzerne tagen, es wäre womöglich ehrlicher.“

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