Neues ZDF-Format „Dunja Hayali“: Diese Sendung taugt für mehr als nur die Sommerpause

Dunja Hayali
Dunja Hayali

Während der Sommerzeit darf Dunja Hayali im ZDF wieder mit einer eigenen Abendsendung ran. Früher mal hat sie mit dem „Donnerstalk“ die pausierende Maybrit Illner vertreten, jetzt hat sie sieben Folgen lang ein Format auf den Leib geschneidert bekommen, einen Mix aus Reportage und Talk. „Dunja Hayali“ - die Sendung ist eine Bereicherung für das ZDF-Programm.

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Zunächst durfte man ein bisschen skeptisch gucken. Dunja Hayali bekommt eine Sendung mit eigenem Namen, das Ganze soll eine Mischung aus Reportage und Talk sein und drei unterschiedliche Themen in einer guten Stund behandeln. Die Gefahr, dass sich da jemand verzettelt, schien gegeben. Nach Ansicht der ersten Sendung mit der wilden Themenmischung G20, Strafvollzug und Schönheitswahn muss man festhalten: Sorgen waren unbegründet. Frau Hayali und ihre Redaktion haben das Konzept im Griff.

Die Sendung begann mit einer schwindelerregenden Kamerafahrt rund um die Moderatorin. Das Studiopublikum hockt teils auf bereitgestellten Stapelstühlen oder lehnt an Stehtischen. Es gibt Pulte, an denen Talk-Gäste befragt werden und ein Sofa. Im Hintergrund laufen die Einspieler. Frau Hayali steht immer mal auf und läuft woanders hin. Man sieht der Sendung das Bemühen an, einiges anders zu machen. „Dunja Hayali“ ist keine normale Talkshow und keine Presenter-Reportage. Oft gehen solche Zwitter-Formate schief, hier klappt das vorzüglich.

Die Klammer, die den Formate-Mix zusammenhält, ist die Moderatorin, die eben beides kann: Talk und Reportage. Frau Hayali läuft mit G20-Demonstranten mit und interviewt einen Sexualstraftäter. Die Neugierde nimmt man ihr ab. Nach den kurzen Reportage-Stücken hat sie interessante Gesprächspartner, u.a. mit dem früheren SPD-Innenminister Otto Schily, der mit einer radikal linken Aktivistin auf dem Sofa sitzt und im besten Sinne streitet. Ganz nebenbei wird einem schmerzlich bewusst, wie sehr jemand vom Format eines Otto Schily der aktuellen SPD fehlt.

Dunja Hayali zeigt dabei, dass sie nicht nur emotionale Dankesreden halten kann, sondern zum Glück auch ihr Handwerk beherrscht. Sie lässt das Gespräch laufen wenn es interessant ist und geht dazwischen, wenn die Diskutanten drohen aus dem Ruder zu laufen. Dabei hat sie stets die Uhr im Blick, um im rechten Moment zum nächsten Talkgast oder Thema zu kommen.

G20 nahm dabei etwas über die Hälfte der gesamten Sendung ein, was angesichts der Aktualität und Brisanz völlig OK ist. Aber auch die beiden anderen Themen wurden kompetent und unterhaltsam dargeboten. Beim Thema Strafvollzug war neben dem ehemaligen Gefängnisdirektor Thomas Galli auch der leider nicht mehr bei der Zeit schreibende Bundesrichter a.D. Thomas Fischer mit von der Partie.

Zum Ende hin nahm zum Thema Schönheitswahn die Komikerin Carolin Kebekus auf dem Sofa Platz, die das Thema komödiantisch bearbeitet, und die Redaktion zeigte interessante Experimente zur Körperwahrnehmung von Kindern als Einspieler.

Es ist eine Personality-Sendung im besten Sinne geworden. Dunja Hayali füllt das Format aus, unaufdringlich und kompetent. Was schon für den „Donnerstalk“ galt, gilt hier umso mehr: Von dieser Sendung gerne mehr. Und das nicht nur in der Sommerzeit.

Hier gibt es die besprochene Sendung in der ZDF-Mediathek.

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Alle Kommentare

  1. Dass man einem utopistischem Spinner wie Thomas Galli ein Forum bieten muss, finde ich nicht unbedingt gelungen; eine Verhöhnung von Verbrechensopfern!
    Fischer ist da schon ein anderes (besseres bzw. ernstzunehmenderes) Kaliber.

  2. Linksradikaler Scheissdreck, wie diese Brilleneule ohne Antworten im Schreimodus + diesen Hirnakrobaten von dummes Brot. Ein übles Machwerk.

  3. Na, sehr souverän war es nicht, wie sie sich eine Linksextremistin eingeladen hat, mehrfach nachfragt, wo für diese die Grenze des gewaltsamen Protestes ist und sich dann immer und immer wieder mit ausweichenden Antworten begnügt. Diese wären einfach so im Raum stehengeblieben, wenn Schily nicht Hayalis Überleitungen ignorierte hätte.

  4. „Bereicherung“- das Signalwort schlechthin, wenn es sonst keine guten Gründe gibt.
    Aber mit den handverlesenen Gästen beim ZDF und den aus dem Nirvana kolportierten überragenden Zuschauerzahlen wird dieses Format sicherlich ein Straßenfeger, wie alles was bei den Öffentlichen über den Äther läuft.

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