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Vorstandsgehälter von Döpfner & Co.: Wenn Medienmanager es auf die Spitze treiben

Seit 2002 Axel Springer-Vorstandschef: Mathias Döpfner
Seit 2002 Axel Springer-Vorstandschef: Mathias Döpfner

Ein Medienhaus-Chef, der 2016 angeblich doppelt so viel Geld vereinnahmte wie der der CEO des weltgrößten Autoherstellers und mehr als der Bestverdiener der DAX-Konzerne? Auch wenn die heute veröffentlichten Zahlen des Jahreseinkommens von Springer-Chef Mathias Döpfner inzwischen relativiert und um einige Millionen subtrahiert wurden: Das Signal, das davon ausgeht, ist für die Branche kein gutes.

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Nach den geradezu atemraubenden Zahlen, die am Mittwochmorgen die Runde machten, hat es die Axel Springer SE im vergangenen Jahr krachen lassen: Insgesamt 19,25 Millionen Euro Gesamtvergütung soll Vorstandschef Mathias Döpfner für sich verbuchen können, damit hätte er das Doppelte von Volkswagen-Boss Matthias Müller (9,62 Mio.). Und dass, obwohl der Autobauer 2016 mit 5,4 Milliarden Euro deutlich mehr Gewinn machte als Axel Springer Umsatz (3,29 Mrd.). Und auch der Bestverdiener unter den DAX-Konzernen, SAP-CEO Bill McDermott, hätte mit einer Gesamtvergütung von 13,8 Millionen Euro Döpfner in punkto Jahreseinkommen nicht das Wasser reichen können.

Stimmt so nicht, korrigierte eine Springer-Sprecherin gegenüber MEEDIA. Mehrere Medienberichte über die Berechnung der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) in Kooperation mit der  Technischen Universität München seien „irreführend“, weil diese den Eindruck erweckten, die gesamten 19,25 Millionen Euro seien tatsächlich an Döpfner geflossen: „Die Studie hat den – rein rechnerischen – Wert (es handelt sich nicht um Barauszahlungen) einer langfristigen variablen Incentivierungskomponente, die über sieben Jahre und somit bis zum Jahr 2023 läuft, allein dem Jahr 2016 zugerechnet.“ Die DSW verteidigt ihre Berechnungsmethode hingegen als „transparent, methodisch korrekt und wissenschaftlich anerkannt.

Es ist aber egal, welche Variante man zur Berechnung anwendet: die Zahlen erscheinen in beiden Fällen enorm. Nach Lesart von Springer läge Mathias Döpfner mit rund 8,9 Millionen Euro Jahres-Vergütung in 2016 zwar weit entfernt von jenen 19,25 Mio, die die DSW errechnete, aber fast auf Augenhöhe von VW-Chef Müller und um einige Millionen vor ProSiebenSat.1-Boss Thomas Ebeling (rd. 4 Mio.) und Anke Schäferkordt, die Bertelsmanns Cashcow RTL führt (5 Mio.).

Man muss definitiv keine Neiddebatte anzetteln, um im Fall Axel Springer eine ungesunde Spreizung zwischen dem Einkommen des Topmanagers und den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu vermuten, in denen sich sein Unternehmen bewegt. Die Medienbranche befindet sich seit bald zwei Jahrzehnten im Umbruch, das Geschäft mit Gedrucktem ist rückläufig, digitaler Journalismus lässt sich nur schwer refinanzieren. Der Umsatz von Axel Springer ging 2016 gegenüber dem Vorjahr sogar minimal zurück. Ohne schwarz zu malen: Eine Boom-Branche liefert andere Eckwerte. Bei der Schlacht um die Zukunftsfähigkeit schlägt sich Springer mit Abstand besser als die meisten anderen – gewonnen ist sie aber weder in Berlin noch anderswo auf der Welt.

Dass sein Haus die Herausforderung der Digitalisierung früher und entschlossener annahm als die Wettbewerber, ist vor allem Verdienst von Mathias Döpfner, der es seit 2002 als Vorstandschef führt. Der 54-Jährige brachte sein Unternehmen nach kapitalen Rückschlägen (PIN-Group, gescheiterte Übernahme von ProSiebenSat.1) auf die Erfolgsspur und investierte konsequent in digitale Rubrikenmärkte, die das analoge Geschäft in wenigen Jahren pulverisierten. Die Erlöse aus dem Verkauf von Traditionsblättern des Verlags investierte Döpfner in agile webbasierte Medienmarken. Keine Frage: Das den heutigen Status des Konzerns begründende Change-Management war und ist ein überaus anspruchsvoller Job, und selbst Rivalen attestieren Döpfner, dass er diesen hervorragend erledigt. Zudem hat sich der ehemalige Redakteur und Blattmacher als wortgewaltiger und einflussreicher Lobbyist in kartellrechtlichen wie gesellschaftlichen Fragen auch in der Politik einen Namen gemacht.

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Manager mit diesen Allrounder-Fähigkeiten und dem Mut zu unternehmerischen Visionen, wie sie Mathias Döpfner mitbringt, sind – zumal in der Medienszene – sehr selten. Und wer beides vorweisen kann, ist definitiv jeden Cent eines branchenüblich sehr guten bis üppigen Salärs wert. Aber das rechtfertigt keine Exzesse bei Vergütungen, die zumindest nach den heute veröffentlichten Berechnungen für das vergangene Jahr eher an die in jeder Hinsicht bedenklichen Boni von Investmentbankern erinnern. Döpfner hat in seiner Zeit bei Springer ein Vermögen erworben, was auch durch den besonderen Status bedingt ist, den er bei Verlegerin Friede Springer genießt, die ihn mit großzügigen Schenkungen bedachte. Auf 150 Millionen Privateigentum schätzt ihn das hauseigene Wirtschaftsmagazin Bilanz – was sehr vorsichtig berechnet erscheint, da dies allein schon dem Wert seiner Unternehmensanteile entsprechen dürfte.

Dass da mit den 2016er-Zahlungen nun noch eine ganze Reihe von Millionen hinzu gekommen sind, ist von den zuständigen Aufsichtsgremien des Medienhauses abgesegnet worden. Ist es deshalb auch angemessen? Zweifel sind angebracht. Denn unabhängig vom Gefühl, das so mancher Mitarbeiter des Verlags von nun an hegen dürfte, der sich ausrechnen mag, mit welchem Faktor er das eigene Gehalt multiplizieren müsste, damit es dem seines Vorstandschefs entspricht, geht von der heute kolportierten Zahl eine Signalwirkung aus: Sie schadet dem Ansehen einer ganzen Branche, die stets öffentlichkeitswirksam bekundet, dass sie ohne Regulierungsmaßnahmen der Politik von den Googles, Facebooks und Amazons der neuen Wirtschaftswelt zerrieben werde. Einer Branche, die darauf pocht, dass Mehrwertsteuersätze für Presseprodukte gesenkt werden müssen, weil sich sonst Qualitäts-Journalismus nicht mehr wirtschaftlich betreiben lasse. Die gegen öffentlich-rechtliche Digitalangebote vorgeht, weil sie die Wettbewerbsfähigkeit ihrer eigenen Newsportale gefährdeten.

All dies passt nicht recht ins Bild einer Zunft, die sich in einer Bewährungsprobe von historischen Ausmaßen wähnt. Und man weiß um die Volatilität der Börsen und die Begehrlichkeiten der Kapitalanleger. Der berühmt-berüchtigte „Shareholder Value“ könnte nun beim Handeln des Axel Springer-Chefs eine größere Rolle spielen, da ein nicht unbedeutender Bestandteil seines Gehalts daran hängt. Man weiß, dass der Aktienhandel Maximen folgt, die Investitionen in Content-basierte Projekte nicht unbedingt belohnt. Wie wird sich das auf die Beteuerungen des Managers, Axel Springer sei ein Haus der Inhalte und des Journalismus, langfristig auswirken?

Nicht zu vergessen: Mathias Döpfner ist mehr als ein sehr erfolgreicher Vorstandschef; er ist als Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger auch Sprachrohr einer ganzen Industrie und Wortführer bei politischen Vorstößen. In dieser Rolle wird er sich bei künftigen Alarmrufen vielleicht die Frage gefallen lassen müssen, ob er nicht sprichwörtlich lauter jammere als ein Bauer nach der Rekordernte.

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Alle Kommentare

  1. Was dem Einen Gewinn, ist dem Anderen Verlust. In der Weltwirtschaft, aber auch in einem Unternehmen. Wenn einer so viel verdient, dann muss er seine Belegschaft aber ganz schön missachten. Schade, dass solche Menschen immer denken, sie hätten alles allein gemacht. Dann sollen sie bitte mal ihr Brot ein paar Tage liegen lassen. Ohne Putzkraft läuft da gar nichts.

  2. wer diese perverse bereicherung,diese masslose gier anprangert ist somit neidisch?

    willkommen in der paralellwelt die sich die bevölkerungsverachter hübsch zusammengezimmert haben.

    wer jetzt noch produkte des mainstreams durch kauf finanziert,dem ist nicht mehr zu helfen.

    der soll nicht nur von allen seiten als volldepp bezeichnet werden,ob ör,springer,spiegel,die zeit,faz,focus,bertelsmann enthusiast,sie gehören allesamt in einen sack gepackt und dann feste drauf.

    dümmer geht nimmer.

  3. Bettelt man bei Springer auch bei jedem Klick, dass doch bitte aber so was von dringend der Newsletter zu abonnieren sei? Niveau und Medien….. keine Verwandtschaft feststellbar.

  4. Die Höhe des Entgelts finde ich ebenfalls abenteuerlich, denn er hat nicht die geringste Verwendung dafür. Und ein Teil davon ist schmutziges Geld, denn es ist durch die Hetze und die systematischen Persönlichkeitsrechts-Verletzungen der Bild-Medien zusammengegaunert.

    Eins würde ich allerdings als Fehleinschätzung betrachten: Gerade weil Döpfner von Friede auf einen Dukatenberg gesetzt wurde, braucht er seine Geschäftspolitik ganz sicher nicht an irgendwelchen Shareholder-Deppen auszurichten, die immer nur das Ausschlachten von Unternehmen im Sinn haben. Warum sollte er denn sein Lebenswerk beschädigen? Für noch ’ne Million? Mit so einer Unterstellung tut man ihm Unrecht – er wird sicherlich weiterhin das langfristige Wachstum des Konzerns verfolgen.

    Wenn er jetzt noch Bild zu einem unterhaltsamen und anständigen Medium machen würde, dann hätte er wirklich etwas Großes geleistet.

  5. Liebe Meedia-Leute,
    lasst Euch nicht von Springer verladen. Denn die Springer-Korrektur ist einerseits richtig, führt aber durch eine Weglassung in die Irre. Ja, das zusätzliche Aktienpaket ist formal aus rein rechtlichen Gründen auf mehrere Jahre angelegt und nicht in bar ausgezahlt worden, aber natürlich ist es ein realer (geldwerter) millionenschwerer Bestandteil der Gesamtvergütung im Jahr 2016. Die Springer-Stellungnahme suggeriert, es handele sich um eine Ausnahme-Zuwendung, die man durch die sieben Jahre teilen müsse. Bzw. dass es ja irgendwie gar kein richtiger Wert (weil nicht bar ausgezahlt) sei, was Döpfner da gekriegt hat. Das ist nur die halbe Wahrheit , denn solche Zuwendungen sind bei vielen AGs in Manager-Bereichen absolut üblich und erfolgen je nach Firma und individuellem Vertrag jährlich oder zumindest alle paar Jahre. Auch bei Springer gab es solche Zuwendungen in den letzten Jahren immer wieder. Springer vernebelt also die Wahrheit, die sehr wohl lautet, dass die Gesamt-Zuwendungen sich in besagter Höhe bewegen.

  6. Na, dann hat Döpfner ja nun den Minderwertigkeitskomplex gegenüber seinem Schwiegervater überwunden. Ob die Übermengen seiner Seele gut tun werden, steht auf einem anderen Blatt. Tragische Figur, dieser Leuchtturm ohne Licht.

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