#trending: der „faktenfinder“ der „tagesschau“, das CDU-Programm, das kaum jemanden interessiert, „Sailor Moon“ und John le Carré

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Guten Morgen! Am Wochenende begann in Düsseldorf die Tour de France. Ein irgendwie kurioses Ereignis. Der Werbetross, der mit über 100 Autos an der Menge vorbei rast und Plastikmist oder Gummibärchen verteilt - die 200 Fahrer, die man ein paar Sekunden lang sieht und von denen man nie weiß, wie viele denn diesmal noch gedopt sind. Trotz der gewissen Absurdität: der "Grand Départ" hat Düsseldorf auf die Beine gebracht. Die halbe Stadt war unterwegs, um dabei zu sein.

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#trending // News & Themen

Die „Ehe für alle“ blieb auch am Wochenende eins der größten Themen in den sozialen Netzwerken. Am Sonntag bestimmte dabei die AfD die Schlagzeilen. „AfD will gegen Ehe für alle klagen“ titelte Spiegel Online, „AfD will Klage gegen Ehe für alle“ Focus Online und „Vor dem Bundesverfassungsgericht: AfD will gegen ‚Ehe für alle‘ klagen“ Bild. Alle drei sammelten damit Tausende Likes, Reactions, Shares, Kommentare und Retweets bei Facebook und Twitter ein.

Recherchiert wurde bei Spiegel, Focus und Bild aber offenbar wenig. Wie der „faktenfinder“ der „tagesschau“ nämlich darlegte, kann die AfD überhaupt nicht vor dem Bundesverfassungsgericht gegen die „Ehe für alle“ klagen. Das können laut „Faktenfinder“ nur einzelne Bürger, die sich in ihren Grundrechten verletzt sehen – oder die Bundesregierung, eine Landesregierung oder ein Viertel des Bundestags im Rahmen einer Normenkontrolle. Beruhigend: Die Klarstellung des „faktenfinders“ war mit über 8.000 Interaktionen erfolgreicher bei Facebook und Twitter als die Artikel, die den Populismus der AfD ohne Hinterfragen wieder gegeben haben.

Der stärkste deutschsprachige Artikel war in den sozialen Netzwerken am Sonntag aber wieder einmal einer zum Thema Tierschutz: „‚Immer das gleiche Spiel‘Tausende setzen zu Ferienbeginn ihre Haustiere aus“ bescherte der Welt mehr als 10.000 Interaktionen.

#trending // Social Media

Zwei Drittel des Fußball-Sommers sind am Freitag und Sonntag überaus erfolgreich zu Ende gegangen: Die deutschen Teams gewannen die U21-EM und den Confederations Cup. Ab dem 16. Juli kann die Frauen-Nationalmannschaft bei der EM in den Niederlanden das deutsche Sommer-Triple komplettieren.

Blicken wir aber erst noch einmal auf die beiden Herren-Turniere. 28 der dort im Einsatz befindlichen Spieler sind bei Facebook aktiv. Während der etwas mehr als zwei Wochen sammelte Julian Draxler die meisten Likes, Reactions, Shares und Kommentare mit seinen Posts ein: 332.700. Dahinter folgen Marc-André ter Stegen (308.100), Shkodran Mustafi(101.900) und als Nummer 1 der U21 Max Meyer mit 88.100.

Die meisten Pagelikes hinzu gewonnen hat vom 16. Juni bis 2. Juli Leon Goretzka, der sich um 17.850 Likes auf 108.300 steigerte. Marc-André ter Stegen folgt in dieser Tabelle mit einem Plus von 15.340 auf Rang 2 – vor Joshua Kimmich (+8.220), Julian Draxler (+7.730) und Timo Werner (+6.790).

Der erfolgreichste Jubel-Post kam von Julian Draxler: „CHAMPIONS“ sammelte in den ersten 45 Minuten schon 27.000 Interaktionen ein.

CHAMPIONS 🇩🇪🇩🇪🎉🎉

Posted by Julian Draxler on Sonntag, 2. Juli 2017

#trending // Wahljahr 2017

Falls das Ziel von Angela Merkel und der CDU/CSU sein sollte, jegliche Inhalte aus dem Wahlkampf heraus zu halten, so könnte das nun verkündete Wahl-Programm des Parteien-Duos ein Indiz dafür sein, dass die Strategie aufzugehen scheint. Denn: Das Programm interessiert offenbar kaum jemanden. Aufmacher in den „Tagesthemen“, im „heute-journal“ und auf zahlreichen Websites – doch fast keine Resonanz bei Facebook und Twitter. So schaffte es kein Artikel der sich mit dem Programm befasste unter die 100 in Sachen Interaktionen erfolgreichsten deutschsprachigen Artikel des Sonntags. Der SpOn-Aufmacher „Ein Programm, ein Programm!“ sammelte in sechs Stunden nach der Veröffentlichung nichtmal 300 Likes & Co. ein. Und unter den CDU-/CSU-Politikern waren Julia Klöckner mit einem Foto von sich und Bill Clinton, sowie die CSU mit Glückwünschen an die Fußball-Nationalmannschaft viel erfolgreicher als alles, was irgendwie mit dem Wahlprogramm zu tun hatte.

#trending // Entertainment

Die Deutschen haben einen Hang zu „Sailor Moon“. Die Anime-Figur wurde hierzulande in den 1990er-Jahren enorm bekannt – durch die TV-Serie, die ihre Deutschland-Premiere 1995 noch im ZDF (!) feierte, danach aber zu RTL II wanderte. Seit 2014 wird unter dem Namen „Sailor Moon Crystal“ eine neue Serie produziert, die auch schon in Deutschland zu sehen war/ist – beim ehemaligen TV-Sender und jetzigen Streaming-Dienst Animax. Am Wochenende nun wurde bekannt, dass die vierte Staffel der neuen Serie in Form von zwei Kinofilmen erzählt werden soll. Und allein diese Nachricht reichte aus, um dem Magazin moviepilot einen großen Social-Media-Hit zu bescheren. Über 7.000 Interaktionen gab es für den Artikel „Sailor Moon Crystal – 4. Staffel des Animes als Kino-Zweiteiler umgesetzt“ – er gehörte damit am Sonntag zu den fünf erfolgreichsten im gesamten deutschsprachigen Raum.

#trending // Worldwide

An dieser Stelle muss natürlich erwähnt werden, dass Donald Trump eine neue Stufe auf der offenbar nach oben offenen Peinlichkeits-Skala erklommen hat. Er hat ein GIF getwittert, auf dem er bei seinem schlimmen Ausflug in die Wrestling-Szene zu sehen ist – und auf den Kopf seines Opfers wurde ein CNN-Logo montiert. Sie kennen den Tweet, ich habe keine Lust, weitere Worte über ihn zu verlieren, außer: Mit fast 600.000 Retweets und Likes (Stand: Mitternacht) ist er bereits der erfolgreichste Trump-Tweet des bisherigen Jahres. Es! ist! schlimm!

John le Carré, Bestseller-Autor, sorgte am Sonntag ebenfalls für einiges Aufsehen – mit einem Gastbeitrag für den britischen Observer, die Sonntags-Zeitung des Guardian. Le Carré legte dar, warum er empfiehlt, deutsch zu lernen. In „Why we should learn German“ schreibt er u.a.: „By teaching German, by spreading understanding of German culture and life, today’s honorands and their colleagues will be helping to balance the European argument, to make it decent, to keep it civilised. They will be speaking above all to this country’s most precious asset: its enlightened young, who – Brexit or no Brexit – see Europe as their natural home, Germany as their natural partner, and shared language as their natural bond.“ Über 37.000 Interaktionen sammelte der Text ein – u.a. wegen eines Facebook-Posts des Guardians und eines Tweets von J.K. Rowling.

#trending // Deutsche Tops des Tages

Story nach Social-Media-Interaktionen: Welt – „‚Immer das gleiche Spiel‘: Tausende setzen zu Ferienbeginn ihre Haustiere aus“ (11.000 Interaktionen bei Facebook und Twitter)

Story nach Likes & Shares bei Twitter: Netzpolitik.org – „Ferngesteuerter Drucker wirft Flugblätter gegen Erdoğan am Gezi-Park ab“ (1.800 Retweets und Likes)

Story bei Blendle (nach Likes): Focus – „Gesunde Seele, gesundes Herz

Google-Suchbegriff: „ZDF live“ (100.000+ Suchen) [wegen des Confed-Cup-Finals]

Wikipedia-SeiteMaike Kohl-Richter(25.000 Abrufe)

Youtube-Video: Julienco – „Ich schmelze 4000 Gummibärchen ein // 27.000 Kalorien !!

Song (Spotify): Luis Fonsi – „Despacito – Remix“ (403.500 Stream-Abrufe aus Deutschland am Samstag)

Musik (Amazon): Various – „Sing meinen Song-Das Tauschkonzert Vol.4 DELUXE“ (Audio CD)

DVD/Blu-ray (Amazon): „John Wick: Kapitel 2“ (Blu-ray)

Game (Amazon): „Crash Bandicoot N.Sane Trilogy“ (PlayStation 4)

Buch (Amazon): Jean-Luc Bannalec – „Bretonisches Leuchten: Kommissar Dupins sechster Fall“ (Broschiert)

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Alle Kommentare

  1. Tja, was soll man mal wieder zu dem Faktenfinder der ARD sagen? In dem Text findet sich auch der Satz „Allerdings meinen führende deutsche Juristen, die Ehe für alle sei verfassungsgemäß.“ Danach werden – offenbar von der dpa übernommen – drei Rechtsprofessoren zitiert, die das so sehen. Dass im selben dpa-Bericht zwei ehemalige hochrangige Richter, nämlich der Ex-Präsident des Bundesverfassungsgericht Hans-Jürgen Papier, und der ehemalige Präsident des Niedersächsischen Staatsgerichtshofs, Jörn Ipsen, das anders sehen, erfährt der Faktenfinder-Leser nicht. Im Übrigen auch nicht, dass selbst Justizminister Maas bis vor Kurzem der Meinung war, für die Ehe für alle müsse zwingend das Grundgesetz geändert werden.

    Dadurch wird der Eindruck erweckt, das Gesetz sei verfassungsrechtlich unumstritten, was es ganz offensichtlich nicht ist. Damit zeigt sich einmal mehr: Selbsternannte Faktenfinder haben häufig mit Fakten ähnlich viel zu tun, wie Zitronenfalter mit Zitronen falten.

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