Umstrittener FAZ-Text zur Ehe für alle: Gastautor „Johannes Gabriel“ ist ein Pseudonym

FAZ-Redakteur Reinhard Müller bestätigt: Der Autorenname „Johannes Gabriel“ ist ein Pseudonym
FAZ-Redakteur Reinhard Müller bestätigt: Der Autorenname "Johannes Gabriel" ist ein Pseudonym

Der Autorenname "Johannes Gabriel", unter dem in der heutigen FAZ ein sehr umstrittener Text zur Ehe für alle veröffentlicht wurde, ist nach Angaben des für die Seite zuständigen FAZ-Redakteurs ein Pseudonym. Der Text eines erkennbar homosexuellen Autors lehnt die Ehe für alle ab und bezeichnet diese als "Selbstverrat" der schwulen Community. Außerdem stellt er in den Raum, dass Kinder homosexueller Paare einem höheren Missbrauchsrisiko ausgesetzt sein könnten. Im Netz wird derweil spekuliert, wer hinter dem Pseudonym stecken könnte.

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Der Text „Wir verraten alles, was wir sind“, erschien am heutigen Freitag in der FAZ in der Rubrik „Fremde Federn“, die traditionell Gastautoren vorbehalten ist. Der Autor „Johannes Gabriel“ sei Philosoph und Psychologe und berate Nichtregierungsorganisationen, steht unter dem Text. Ein Hinweis, dass es sich bei dem Autorennamen „Johannes Gabriel“ um ein Pseudonym handelt, fehlt. Auf Nachfrage von MEEDIA sagte der für die Seite zuständige FAZ-Redakteur Reinhard Müller: „Der Autorenname ist ein Pseudonym. Der tatsächliche Name ist der Redaktion bekannt. Der Autor verweist im Text darauf, ‚wie schwierig das sachliche Argumentieren dieser Angelegenheit in der Gay-Community ist – wer etwas anderes meint, wird gleich als ‚Verräter‘ gebrandmarkt‘. Diese Befürchtung scheint, wie einige Reaktionen zeigen, nicht unberechtigt gewesen zu sein.“

Im Netz wurde schnell die Vermutung geäußert, dass es sich bei „Johannes Gabriel“ um ein Pseudonym handeln könnte, da sich online keine Spuren dieses Autoren finden lassen. Schnell wurde darauf verwiesen, dass der homosexuelle Theologe und Publizist David Berger denselben Text in seinem Blog veröffentlichte. Als Autorenname war auch hier „Johannes Gabriel“ angegeben. Via Twitter gefragt, ob er hinter „Johannes Gabriel“ steckt, reagierte Berger folgendermaßen:

Der untere Tweet wurde von im zwischenzeitlich wieder gelöscht. Auf eine Anfrage vom MEEDIA via Twitter, ob er hinter dem Pseudonym „Johannes Gabriel“ steckt, hat David Berger bisher nicht geantwortet. Damit bleibt vorläufig unklar, wer tatsächlich Autor des umstrittenen Artikels ist.

Auf die harschen Reaktionen auf den Gastbeitrag angesprochen, sagt FAZ-Redakteur Müller: „Die ‚Fremde Feder‘ ist, wie der Name schon sagt, ein Ort für pointierte, auch provozierende Debattenbeiträge von Fremdautoren. Insofern haben wir mit Reaktionen gerechnet. Uns hat dennoch die Intoleranz einiger Kommentare überrascht.“

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Alle Kommentare

  1. Die dzbgl. Reaktionen auf den online noch nicht veröffentlichten FAZ-Kommentar sind anscheinend auf Federführung von Lobby-Vereinigungen zurück zuführen. Lobby Vereinigungen welche auch immer, die Pfründe ihre „Auftraggeber“ verteidigten, bedienen sich gerne Anschuldigungen wie: Hetzte, Hasskommentare, Fake News und sehen die Meinungsfreiheit in Gefahr. Die Frage ist jedoch, wer missbraucht eigentlich die Meinungsfreiheit? Wer die Meinungsfreiheit in Gefahr sieht, missbraucht diese auch gerne zur eigenen Glaubwürdigkeit. Siehe Heiko Maas Kommentar: „Die Meinungsfreiheit einschränken heißt die Meinungsfreiheit zu gewährleisten. Das stimmt leider und dass zeigen die dzbgl. Reaktionen. Gestern lief im ZDFNeo „Brüno“, in Wikipedia sind Einzelnachweise/Kritiken zu lesen. Wer den Film gesehen hat, weiß warum besonders die österreichische linke & liberale Presse „Brüno“ zerrissen hat. Im Sinne der dzbgl. Reaktionen müsste „Brüno“ wegen der Darstellung seiner Sexualität verboten werden.

  2. Warum erregt man sich unter dem Stechschritt bekennender Homosexuellen gegenüber einer erkennbaren Meinungsäußerung in einem Presseartikel überhaupt, wenn auch mit gespielte Empörung?
    Man faselt aus der gleichen Richtung doch ständig von Pressefreiheit!
    Und überhaupt ist der Kampf von Homosexuellen Männern, die bisher keine Lebenspartnerschaft eingehen wollten und sich nun fanatisch um ein Adoptionsrecht über die „Ehe für alle“ bemüht haben, schlicht grotesk.
    Man stößt sich doch an solch konservativen Themen wie Erziehung und Familie.

  3. „Der Autor verweist im Text darauf, ‚wie schwierig das sachliche Argumentieren dieser Angelegenheit in der Gay-Community ist . . . “

    Der Autor verweist im Text jedoch nicht daraufhin das unter Verwendung eines Pseudonyms Stigmatisierung, Diskriminierung, Vorverurteilungen und wie in diesem Fall Homophobie durch den Schreiberling zum Ausdruck gebracht werden. Ekelhaft! q.e.d.

  4. „Der Autor verweist im Text darauf, ‚wie schwierig das sachliche Argumentieren dieser Angelegenheit in der Gay-Community ist . . . “

    Der Autor verweist im Text jedoch nicht daraufhin das unter Verwendung eines Pseudonyms Stigmatisierung, Diskriminierung und wie in diesem Fall Homophobie durch den Schreiberling zum Ausdruck gebracht werden. Ekelhaft! q.e.d.

  5. Vorab: schade und bezeichnend zugleich, dass sich der Autor „Johannes Gabriel“ meint, hinter einem Pseudonym verbergen zu müssen.

    Zur These, Kinder, die in „Regenbogenfamilien“ aufwachsen, seien einem höheren Missbrauchsrisiko ausgesetzt: über Kindesmissbrauch wissen wir sehr wenig. Außer, dass sich eine steigende Anzahl von Menschen meldet und von Missbrauchserfahrungen berichtet und sich im Zuge von Forschungsprojekten immer mehr Zusammenhänge zwischen sexuellen Traumatisierungen und Schädigungsfolgen auftun. Wie wenig belastbar Zahlenmaterial ist, wird von den WissenschaftlerInnen selbst betont. Siehe dazu die auf der Homepage des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs unter „Hintergrundmaterialien“ veröffentlichte „Experise Häufigkeitsangaben“, Punkt „Diskussion“ ab S. 61.

    Auch viele unserer Vorannahmen über Geschlecht und Eigenschaften von Opfern und TäterInnen erweisen sich bei näherem Hinsehen als das Produkt von Stereotypen, sind folglich Vorurteile. Wenn hauptsächlich Männer als Täter und Opfer als weiblich wahrgenommen werden, dann sagt das viel über Geschlechterrollenvorgaben im Hinblick auf Sexualität aus. Hat aber nicht zwingend etwas mit der Realität zu tun. Alexander Markus Holmes, ein Missbrauchsbetroffener, der unglaublich viel Hintergrundmaterial gesichtet und bewertet und zum Thema veröffentlicht hat, geht sogar davon aus, dass mindestens die Hälfte aller sexuellen Übergriffe auf Kinder von Frauen begangen werden. Sind die Romantisierung der Mutterrolle und die traditionelle Vorstellung, die Sexualität weiblicher Personen sei von Natur aus defensiv und von Fürsorge und positiver Emotion getragen wirklich sachliche Argumente und damit geeignet, die These, die Holmes aufgestellt hat zu widerlegen? Oder nicht doch eine dieser typischen gefühlten Wahrheiten, wie wir sie auch innerhalb der Debatte um die Ehe für alle finden?

    Angelika Oetken, Berlin-Köpenick, eine von 9 Millionen Erwachsenen in Deutschland, die in ihrer Kindheit und/oder Jugend Opfer von schwerem sexuellem Missbrauch wurden

    1. Kurzum: tatsächlich gibt es gesellschaftliche Kreise, in denen Homophobie, vertuschte und verdrängte Homosexualität und die sexuelle Ausbeutung von Kinder und Jugendlichen stärker verbreitet sind als in der Normalbevölkerung. Teile der linken Szene gehören genauso dazu, wie der Freizeit- und Leistungssport, rechtsradikales Milieu und Gruppen innerhalb der Katholischen Kirche. Das macht diese Bereiche zu Hotspots des Missbrauchs. Wir sollten sie genauer unter die Lupe nehmen.

      Möglicherweise sind einige GegnerInnen der Ehe für alle und der Regenbogenfamilien selbst in diesen Milieus aufgewachsen. Das sollten sie zum Anlass nehmen, sich kritisch mit den Orten ihrer Prägung auseinander zu setzen. Aber nicht eine große und sehr heterogene Gruppe von Menschen zu diffamieren

    2. Zitat…und zum Thema veröffentlicht hat, geht sogar davon aus, dass mindestens die Hälfte aller sexuellen Übergriffe auf Kinder von Frauen begangen werden. Zitatende.

      Einverstanden, wenn man „sexuell“ weglassen würde ?

      Dann die Frage, ob der Homosexuelle als eine geschlechtlich eigenständige Persönlichkeit betrachtet werden sollte oder ob er eher dem männlichen, oder gar dem weiblichen Geschlecht zuzuordnen ist.

  6. Ich war auch überrascht, diesen Artikel in der FAZ zu sehen, da er offensichtlich homophobe Stereotypien reproduziert. Dass Homosexuelle auch Kinderschänder seien – falsch. Dass die „eigene DNA“ vor Missbrauch schütze – falsch, siehe die Vielzahl von Vergwaltigungen etc. in der „Normal“-Familie, oft auch unter Mitwirkung der Mutter. Und selbst wenn es stimmte, wäre es doch ein Argument gegen alle Adoptionen, nicht nur bei (männlichen!) Homosexuellen. Ob echt oder Fake, der Autor offenbart massive Probleme mit männlicher (Homo)Sexualität.

  7. Sachlich leider falsch!

    Ein Artikel, der der Meinung von 66% der Bevölkerung entspricht, ist nicht umstritten…

    Die mediale Hetze, die hier betrieben wird, ist nichts als Propaganda Quatsch!

    Wenn die Menschen objektiv und fair von der System-Presse informiert würden, dann wären wahrscheinlich noch weit mehr als 66% dieser Meinung.

    Das der Author ein Pseudonym verwendet, dient lediglich dem Schutz vor der Zerstörung durch das System:
    -Rufmord
    -Jobverlust
    -Gewaltaufrufe
    Es gibt genügend Beispiele….

    Im Reich der IM Erika Merkel gibt es keine Meinungsvielfalt und keine Toleranz für anders denkende…

    1. Wirklich 66% der Bevölkerung? Oder 66% der AfD Wähler?

      Schauen wir doch mal in der FAZ:

      faz.net/aktuell/politik/inland/klare-mehrheit-der-unionswaehler-wollen-ehe-fuer-alle-15082434.html

      Der Artikel erschien einen Tag vor der Hetze von St. Gabriel.

      Was ist nun sachlich falsch?
      Vielleicht sollten Sie es doch mal mit der Systempresse erst versuchen bevor Sie ihren Phrasengenerator anwerfen und sich dann wundern warum Sie nicht ernst genommen werden.

  8. Peinlich. Der Autor spricht von „uns“, als wenn alle seine Vorstellung vom Leben teilen müssten. Und dann noch unter Pseudonym? Peinlich. Aber von dem mutmaßlichen Autor habe ich auch nichts anderes erwartet.

  9. @hans-Werner: sind Sie sich eigentlich bewusst, dass ihr Kommentar, nunja, ziemlich rassistisch ist?

    „Das Geweine weisser Männer“ – was hat die Hautfarbe damit zutun?

    Zudem scheinen Sie auch noch intolerant zu sein- gegenüber anderen Meinungen.

  10. „“““
    Der Autor verweist im Text darauf, ‚wie schwierig das sachliche Argumentieren dieser Angelegenheit in der Gay-Community ist – wer etwas anderes meint, wird gleich als ‚Verräter‘ gebrandmarkt‘. Diese Befürchtung scheint, wie einige Reaktionen zeigen, nicht unberechtigt gewesen zu sein.“
    „“““

    Und am ende legt ihr dann hier offen (denunziert) wer dahinter stecken könne, seid anscheinend auch nicht besser.

  11. Was einige vielleicht nicht verstehen: Eine Meinung ist toll. Jeder möge seine gerne verbreiten. Und viele tun es: In Kommentaren auf Facebook oder hier unter dem Artikel. Auch gerne in Form von Leserbriefen.
    Eine ZEITUNG hat eine andere Aufgabe. Sie Macht JOURNALISMUS. Und der kommt – und das mögen die Lügenpresse-Schreier vielleicht nicht so gerne hören – mit dem Anspruch daher, seriös zu informieren und einzuordnen. Journalisten recherchieren und legen Quellen offen. Erst dann erfolgt ein Kommentar, den sie aber möglichst mit dem Recherchierten untermauern.
    Genügt dieser Kommentar in der FAZ dem Anspruch? Nein. Der Autor (anonym) stellt viele feige Suggestivfragen. Er führt eine Studie an, sagt aber nicht welche. Der gesamte Text ist eine reine Meinungsäußerung ohne Substanz, die den Diskurs nicht erhellt, sondern vergiftet. Sich dann feige dahinter zu verstecken, dass man einen pointierten Debattenbeitrag bringe, genügt eben nicht. Denn auch hier haben die verantwortlichen Redakteure eben die Pflicht diesen auf Substanz und Berechtigung zu prüfen. Wenn sie das nicht mehr tun, dann können sie gerne auch dichtmachen. Denn für solche Beiträge gibt es bereits die sozialen Medien.
    Dass sich jetzt die FAZ Macher schon als Opfer sehen … nunja. Von einer journalistischen Veröffentlichung erwarte ich gerade in den Zeiten, da unser Berufsstand unter Dauerfeuer steht eine bessere Herangehensweise.

    1. Lügenpresse -„Schreier“?

      ……wollen vielleicht nicht so gerne hören, Journalismus käme mit dem Anspruch, zu informieren?

      und einzuordnen?

      Auch Backe. Bereits Information wird durch Bewertung getragen, ist also nix anderes als Meinung. Den Anspruch einer Einordnung kann man sich damit sparen. Eine Modische Floskel von Leuten, die nicht einmal ihr eigenes Treiben korrekt einordnen können.

      1. „Bereits Information wird durch Bewertung getragen, ist also nix anderes als Meinung.“ Dieser Satz ist – mit Verlaub – nicht haltbar. Wenn eine Lokalzeitung schreibt, dass ein Auto an einer Kreuzung mit einem anderen kollidiert ist, wird das Fakt nicht weniger wahr, durch dessen Verbreitung. Eine gute Nachricht wird möglichst neutral formuliert, solange etwa die Schuldfrage nicht geklärt ist. Wenn dann daneben ein Kasten mit einem Kommentar steht, dass diese Kreuzung nun endlich eine Ampel zu bekommen habe, dann ist das eine Meinung. Oft wird diese Meinung aber wieder durch Faktenrecherche gestützt, etwa der, dass es an dieser Kreuzung bereits 10 Mal in einem Jahr gekracht hat (hier setzt meine Kritik der FAZ an). Sie sehen: Information wird durch Meinung nicht unwahr, sie wird aber zum Beispiel durch eine weiterführende Recherche (wie oft hat es da gekracht) kontextuell eingeordnet und zusätzlich deutlich erkennbar durch eine Meinung zur Debatte gestellt. Dass einige Kollegen das eben so nicht mehr tun, prangere ich just im Augenblick an.

        Wenn es also nicht Journalismus ist, wie sie meinen, weil der ja sowieso obsolet ist, da eh immer eine Meinungsäußerung (so meinen Sie das, nicht wahr?), wozu also noch eine Zeitung? Dann reicht endgültig Facebok. Jeder erzählt, was er mag, Fakten werden relativ, denn es macht sich keiner die Mühe, sie auf Richtigkeit zu prüfen. Fertig. Die Welt der Filterblasen, die sich aufheizen und irgendwann versuchen die „falsche andere Welt“ nichtig zu machen.

        Ich gebe Ihnen durchaus Recht, dass jede Zeitung im Einzelnen eine bestimmte Färbung hat. Halbwegs neutralisiert wird das durch eine ausgewogene Presselandschaft, in der von ganz links bis ganz rechts fast jede Couleur vorkommt. Sie einte bis vor kurzem aber ein gewisses Grundverständnis von Journalismus: Fakten und Namen sind zu prüfen, Quellen zu nennen, Recherche möglichst vor Ort zu machen. Etc pp. Diese Grundwerte werden auch weiterhin an den Lehreinrichtungen vermittelt.

        Das hatte zur Folge, dass sich der Diskurs – der durchaus auch in der Vergangenheit sehr lebhaft geführt wurde – zumindest an prüfbaren Fakten entlang hangelte. Das hat die FAZ spätestens hier (aber auch schon in einigen anderen Artikeln) aus meiner Sicht aufgegeben. Sie haben eine brüllende Meinung veröffentlicht, in der Suggestivfragen ohne Beleg „alternative Fakten“ ohne Quellenangaben weiterverbreiten. Dem hat die Zeitung platz gemacht. Dieser Beitrag hilft damit einem gesitteten Diskurs kein Stück. Er brüllt lautstark in den Wald und nun jammern die Blattmacher, dass es vielfach aus dem Wald ebenso lautstark hinausbrüllt.

        Dass Journalisten ihr eigenes „Treiben“ nicht einordnen können, ist eine weitere Behauptung. Dass diese Mitglieder dieses Berufsstand seit Jahren bereits einen ernsten Diskurs sowohl über den Medienbruch, als auch über ihre gesellschaftliche Stellung und das Selbstverständnis, sowie das Verhältnis zu den Lesern/Kunden führen, scheint Ihnen hier entgangen zu sein.

  12. Es zeigt sich erneut, dass ein Großteil der Medien ihrer öffentlichen Aufgabe nicht gerecht werden, einschließlich derer Branchendienste.
    In Meinungsvielfalt drückt sich das Wesen einer funktionierenden Demokratie aus, die durch Glieder der politischen und wirtschaftlichen Führung stark lädiert ist.
    Wegbereiter negativer Tendenzen waren Medien, die in einer Art vorauseilendem Gehorsam zum Steigbügelhalter mutierten.
    Vor rund 50 Jahren hat das Bundesverfassungsgericht im „Spiegel-Urteil“
    die öffentliche Aufgabe definiert, Auszug:
    » …. Soll der Bürger politische Entscheidungen treffen, muss er umfassend informiert sein, aber auch die Meinungen kennen und gegeneinander abwägen können, die andere sich gebildet haben. Die Presse hält diese ständige Diskussion in Gang; sie beschafft die Informationen, nimmt selbst dazu Stellung und wirkt damit als orientierende Kraft in der öffentlichen Auseinandersetzung.
    In ihr artikuliert sich die öffentliche Meinung; die Argumente klären sich in Rede und Gegenrede, gewinnen deutliche Konturen und erleichtern so dem Bürger Urteil und Entscheidung. …. «
    (BVerfG 20, 162ff.)
    http://goo.gl/EMjOzB

  13. Auf einen intoleranten Beitrag gab es „intolerante Kommentare“. Und die FAZ ist überrascht… Schirrmacher fehlt.

  14. Heute reicht schon eine abweichende Meinung um als „umstritten“ da zu stehen und einen Shitstorm auszulösen.
    Die hysterisch politisch-korrekte Republik.

    1. Ich würde sagen eher die Mimosen-Republik. Mit mehr Öffentlichkeit begegnet der Intoleranz eben mehr Widerspruch. Das ist doch wenig verwunderlich. Und irgendwo steht ein Autor neben seinem Text wie das Kind neben dem Töpfchen und wundert sich, warum niemand die große Leistung darin lobt. Tsst. Früher hatte Intoleranz eine so kurze Reichweite, dass noch die flache Hand oder die Faust als Replik infrage kamen. Mit dem Netz als publizistischer Spielwiese und der Werbewirtschaft, die die publizistischen Kanäle fest auf dem Kurs hält, möglichst skandalträchtiges zu liefern, ist das so leider nicht mehr möglich. Aber das Geweine weißer Männer, die ihre Privilegien davon schwimmen sieht, ist doch wirklich armselig.

    2. „abweichende“ Meinung von was? Mal was von Antidiskriminierungsgesetzen gehört? FAZ fischt wirklich im Trüben mit diesem Beitrag.

    3. Besonders entlarvend ist ja die Verwendung des Begriffs „umstritten“ hier bei meedia.de. Umstritten ist eine jede Meinung, denn es wird immer Menschen mit anderer und auch gänzlich konträrer Meinung haben.

      „Umstritten“ wird aber auch hier bei meedia.de nicht einfach als rein beschreibendes und daher neutrales Adjektiv verwendet, denn dann müsste es eben bei einer jeden Meinungsäußerung verwendet werden. „Umstritten“ wird als Kampfbegriff und zur Leserkonditionierung eingesetzt, damit der geneigte Leser sofort weiß, was er zu denken hat. Eine sachliche Auseinandersetzung mit der dargelegten Meinung wird so von vornherein die Grundlage entzogen.

      Ehrlich gesagt, hätte ich von meedia.de (leider) auch nicht anderes erwartet.

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