Fake News und Hatespeech: G+J-Chefin Julia Jäkel fordert Ethikkommission für Facebook & Co.

G+J-Chefin Julia Jäkel will Soziale Netzwerke wie Facebook stärker in die gesellschaftliche Verantwortung nehmen
G+J-Chefin Julia Jäkel will Soziale Netzwerke wie Facebook stärker in die gesellschaftliche Verantwortung nehmen

Julia Jäkel, CEO von Gruner + Jahr, hat heute in Berlin zu einer „großen gesellschaftspolitischen Debatte“ um Plattformen wie Facebook aufgerufen, die sich nicht in der Auseinandersetzung um das Netzwerkdurchsetzungsgesetz erschöpfen dürfe. „Wir müssen eine Antwort finden auf die grundsätzliche Frage: Wie setzen wir unsere freiheitlich-demokratische Ordnung auch in den sozialen Netzen durch?“

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Diese müsse im Miteinander von Politik, Gesellschaft und Medien mit Facebook entstehen, sagte Jäkel im Namen der Verlage Gruner + Jahr, Media Group Medweth, Spiegel-Verlag und Zeit-Verlag. Die vier Verlage hatten an diesem Dienstag zum „Journalismusdialog“ nach Berlin in die Kalkscheune geladen, wo Vertreter von Facebook und Justizminister Heiko Maas mit den Verlagen über „die Rolle von Journalismus und Plattformen in Zeiten von Fake News und Alternative Facts“ sprachen. Es gehe darum, so die Veranstalter im Vorfeld, „die unterschiedlichen Positionen zusammenzubringen“.

Das Phänomen Soziale Netzwerke sowie die Diskussion um Hatespeech und Fake News gehört gerade im Vorfeld der Bundestagswahl zu den drängendsten Themen in der gesellschaftspolitischen Debatte, in deren Zentrum Facebook als globaler Marktführer steht. Facebook polarisiert: Während Gründer Mark Zuckerberg Manifeste für eine Weltgesellschaft publiziert, sieht sich seine Plattform mit gezielt gestreuten falschen Nachrichten, Hass und Gewalt konfrontiert. Die Bundesregierung plant gesetzliche Eingriffe und erntet dafür auch Kritik.

Jäkel verglich die Herausforderungen im richtigen Umgang mit Sozialen Netzwerken mit jenen beim autonomen Fahren. „Dort geben wir uns als Gesellschaft große Mühe zu erkennen, welche Umwälzungen bevorstehen“, so Jäkel. Die Ethikkommission habe hier zuletzt Pionierarbeit geleistet. „Wir benötigen eine Technikfolgenabschätzung auch für Facebook. Das wäre nicht fortschrittsfeindlich, sondern im Gegenteil: Es hätte aufklärenden Charakter.“ Das Netzwerkdurchsetzungsgesetz der Bundesregierung seibei der Regulierung von Facebook & Co. nur ein „erster, kleiner Schritt“.

Die G+J-Chefin zollte der mit rund zwei Milliarden Mitglieder weltweit größten Web-Community auch Respekt: „Facebook hat Großes geleistet.“ Man solle aber nicht so tun, als ob es sich dabei um eine „neutrale Plattform“ handele. Das Netzwerk sei zudem auch eine Bedrohung der klassischen Medienwelt, da es den Verlagen „die Existenzgrundlage entzieht“.

Im Namen der vier Medienhäuser, die den Journalismusdialog ins Leben gerufen haben, wünschte sich Jäkel ein partnerschaftliches Verhältnis zwischen Facebook und den Verlagen, bekannte aber auch, dass die Medienhäuser und das Social Network auch aufgrund der Rivalität um Nutzer und Vermarktungserlöse „eine innige Hassliebe“ verbinde. Der Journalismusdialog solle einen Beitrag zur Verständigung leisten. „Hier geht es nicht um Branchengespräche zweier Industrien, es geht um die Frage, in welcher Gesellschaft wir leben wollen. Es geht um die Finanzierung und Verbreitung von Journalismus“, sagte die G+J-Chefin.

Mit ihrer Keynote eröffnete Jäkel eine Veranstaltung, die von der Branche auch deshalb mit Spannung erwartet wurde, weil sich hierzu die vier Verlage zusammengeschlossen haben, die dem Verband der Zeitschriftenverleger (VDZ) im vergangenen Jahr den Rücken gekehrt haben. Mit dem Journalismusdialog setzen sie in der politischen Landschaft nun einen eigenen Akzent und besetzen mit der Debatte um den Umgang mit Facebook zudem ein kontroverses Thema mit einer eigenen Agenda.

Beim Journalismusdialog am Dienstag in Berlin stehen im Anschluss an die Rede von Julia Jäkel weitere Veranstaltungen auf dem Programm: ein Interview von Zeit Online-Chefredakteur Jochen Wegner mit Patrick Walker, Director Media Partnerships EMEA, sowie ein Gespräch zwischen stern-Chefredakteur Christian Krug und Bundesjustizminister Heiko Maas. Auch der Spiegel hat als Mitveranstalter einen eigenen Beitrag auf der Agenda: Vize-Chefredakteurin Susanne Beyer steuert einen journalistischen Impulsvortrag über „Wege aus der Filter Bubble“ bei.

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