Erfolgsphänomen Harry Potter: Wie J.K. Rowling ihrem Märchen als „Twitter-Königin“ mehr Zauber verlieh

Die Autorin der Harry-Potter-Bücher J. K. Rowling (Foto: dpa)
Die Autorin der Harry-Potter-Bücher J. K. Rowling (Foto: dpa)

20 Jahre ist es tatsächlich schon her, dass der erste Teil der Harry Potter-Saga erschien, die ziemlich genau zehn Jahre später zu Ende ging. Dass das Märchen um einen Zauberlehrling wiederum eine Dekade später auf Leser ungebrochene Faszination ausübt, liegt nicht zuletzt an Autorin J.K. Rowling, die ihr Erbe im Social Web dank ihrer Omnipräsenz auf Twitter gesichert hat. Tatsächlich hat die 51-Jährige auf dem 140-Zeichendienst eine neue Kunstform erschaffen, die Harry Potter in nichts nachsteht.

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Der überlebensgroße Erfolg von Literatur ist oft genug unentwirrbar mit der Persönlichkeit des Autors selbst verbunden. Es gibt wohl kaum einen Leser, der etwa beim „Alten Mann und das Meer“ nicht an Ernest Hemingway selbst denkt, der sich zeit seines Leben gerne als abenteuerlustiger Draufgänger inszenierte.

Im Falle von der Britin J.K. Rowling war der (späte) Erfolg von ihrer Märchensaga Harry Potter so seltsam wie der Plot, der in der Zukunftseuphorie des ausgehenden 20. Jahrhunderts, getragen von der ersten Welle des Internet-Hypes, wie ein vollkommener Anachronismus wirkte.

Rowling pflegt den Kontakt zu ihren jungen Lesern so intensiv wie keine zweite Autorin

Das trifft auch auf Rowling selbst zu: Die alleinerziehende Mutter eines Kleinkindes, die von Sozialhilfe lebte, als sie am ersten Buch arbeitete, war in ihrer Erscheinung das Gegenteil einer urbanen Bestsellerautorin. Und doch ist die heute 51-Jährige in ihre Rolle hineingewachsen wie wohl kaum eine Autorin oder Autor vorher.

Zu einem nicht unwesentlichen Teil besteht das Erfolgsgeheimnis von Harry Potter in der Nähe der Autorin zu ihrer explodierenden Leserschaft. Rowling pflegt den Kontakt zu ihren jungen Lesern so intensiv und professionell wie kaum ein anderer Schriftsteller, beantwortete unzählige Leserbriefe und gab immer wieder bereitwillig Einblick in den Schaffensprozess ihres Oeuvres.

Die Harry Potter-Saga endete 2007 zum Launch des ersten iPhones

Als der siebte und letzte Teil der Harry Potter-Reihe am 21. Juli 2007 – und damit drei Wochen nach dem Verkaufsstart des ersten iPhones – erschien, schien es wie das Ende einer Ära. Das Märchen des Zauberlehrlings war endgültig zu Ende erzählt, während die zweite Welle des digitalen Zeitalters mit voller Wucht in Gestalt von Facebook, Twitter und eben dem iPhone hereinbrach.

Wer, so schien es, würde sich in ein paar Jahren, in denen alle Welt nur noch 140 Zeichen lange  Tweets und kurze Facebook-Posts auf dem Smartphone absetzte, noch für 500 Seiten lange Fantastereien im Fantasieland Hogwarts interessieren?

Die Antwort ist frappierend: Millionen Leser. Entscheidenden Anteil hat daran Rowling selbst, der eine Transformation wie wohl noch nie in der Literaturgeschichte gelungen ist. Die britische Bestsellerautorin, die Forbes 2012 bereits zur Milliardärin kürte, hat sich mit der Zeit weiterentwickelt und spricht nicht nur die Sprache ihrer Fans, sondern verwendet auch die gleichen Kommunikationsmittel – Twitter und Facebook.

Twitter-Königin J.K. Rowling

Bereits seit 2009 ist Rowling auf dem Kurznachrichtendienst aktiv – und dabei so präsent wie kaum ein anderer Twitterer. Auf knapp 11 Millionen Follower bringt es Rowling: Das sind Popstar-Dimensionen – und mehr Follower als  das britische Königshaus und die Premierministerin zusammen aufweisen.

Wer mit Harry Potter wenig anfangen kann, kann immer noch Fan der pointierten Tweets der englischen Schriftstellerin werden, die keine Angst davor hat, den Mächtigsten der Welt den Spiegel vorzuhalten wie einem Protagonisten im Plot. Nebenbei bedient Rowling ihre Fans immer wieder mit Harry Potter-Rückblicken und -Anspielungen.

Besonders in den vergangenen Monaten landete Rowling in ihren Spitzfindigkeiten gegen US-Präsident Trump einen Zinger nach dem anderen. Was mit 140 Zeichen möglich ist, unterstrich die eloquente Britin in ihrer Danksagung zum zwanzigjährigen Jubiläum der Romanreihe: „Vor zwanzig Jahren war eine Welt, in der ich alleine lebte, plötzlich für andere zugänglich. Es war wunderbar. Danke“, twitterte Rowling.

400.000 Likes und knapp 200.000 Retweets hat der Tweet in den ersten sechs Stunden erzeugt. Warum Rowling längst als „ungeschlagene Twitter-Königin gilt“ (BuzzFeed),  unterstreichen diese Tweets:

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