Drei Millionen verkaufte Artikel über den „digitalen Bierdeckel“: die Laterpay-Bilanz bei Spiegel Plus

Laterpay-CEO Cosmin Ene: Zufrieden mit der Pay-Bilanz nach einem Jahr Spiegel Plus
Laterpay-CEO Cosmin Ene: Zufrieden mit der Pay-Bilanz nach einem Jahr Spiegel Plus

Das Bezahlangebot Spiegel Plus bei Spiegel Online feiert in diesen Tagen ersten Geburtstag. Zeit für eine Bilanz. Zwar ist der Artikelverkauf, bei dem Der Spiegel auf Technik des Anbieters Laterpay setzt, im eigenen Haus nicht unumstritten, Laterpay-CEO Cosmin Ene kann nach einem Jahr aber durchaus beeindruckende Zahlen vorweisen. So seien im ersten Jahr nur mit Spiegel Plus rund drei Millionen Artikel verkauft worden, wie Ene MEEDIA verriet.

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Laterpay nutzt das Prinzip des digitalen Bierdeckels: In der Regel kostet ein Text bei Spiegel Plus 39 Cent. Bezahlt wird erst, wenn sich ein Betrag von mindestens fünf Euro angesammelt hat. Dann ist der „digitale Bierdeckel“ voll und reif für die Abrechnung. Bislang wurden so 3 Mio. Spiegel Plus Artikel verkauft.

Cosmin Ene vergleicht die Zahlungen von Laterpay an Publisher-Partner gerne mit einem Eisberg: Die geleisteten Zahlungen sind der obere Teil des Eisbergs, der aus dem Wasser ragt. Unter der Wasseroberfläche ist der Eisberg aber noch viel größer – das sind Zahlungen, die bereits angerechnet aber noch nicht geleistet wurden, weil eben die Fünf-Euro-Hürde noch nicht erreicht wurde.

Nach dem Start von Spiegel Plus mit Laterpay wurde viel geraunt und berichtet. So war zu lesen, dass man beim Spiegel nicht zufrieden sei mit der Performance des Bezahlsystems und man keine Daten über die zahlende Kundschaft erhalte. Letzteres gilt zwar prinzipiell für den Verkauf von Einzelartikeln, hier besteht die Kundenbeziehung offiziell zwischen Laterpay und dem Leser, nicht aber für Zeitpässe, die seit August 2016 auch für Spiegel Plus angeboten werden (3,90 Euro pro Woche). Laterpay vermittelt auch Abos, worauf man beim Spiegel bislang aber verzichtet. Immerhin betreibt der Verlag mit der Abo-getriebenen digitalen Tageszeitung Spiegel Daily ein paralleles digitales Bezahlprodukt. Der Löwenanteil (70 Prozent) der Verkäufe bei Spiegel Plus sind aber trotz der Wochenpässe immer noch einzelne Artikel. Ene beschreibt die Herangehensweise von Laterpay gegenüber MEEDIA folgendermaßen: „Indem wir einzelne Inhalte, also Artikel verkaufen, führen wir Nutzer erst einmal ans Bezahlen heran und schaffen so ein Bewusstsein für Paid Content. Nutzer, die vom Angebot überzeugt sind, haben die Möglichkeit, preislich attraktivere Flat Rates abzuschließen. Diese loyalen Nutzer können dann schließlich auch Abonnenten werden.“

Laut Laterpay erreichen 60 Prozent der Leser, die sich für Spiegel Plus registriert haben, die Fünf-Euro-Hürde und zahlen auch. 29 Prozent der registrierten Leser erreichen die Fünf-Euro-Hürde mehrmals, sind also wiederkehrende Käufer. Die Zahlen, die Laterpay vorlegt, sind durchaus ermutigend, zumal die Zahl der veröffentlichten Plus-Artikel bei Spiegel Online überschaubar ist. Aktuell würden zwei bis vier Plus-Artikel pro Tag neu veröffentlicht werden. Insgesamt schiebt Spiegel Online über 120 Inhalte pro Tag neu auf die Seite. Die Zahl der Plus-Inhalte, die täglich neu hinzukommen, ist seit dem Start sogar abgesunken, nicht so die Erlöse. „Die Umsätze sind seit der Einführung konstant ansteigend – durch das LaterPay-Prinzip mit den anwachsenden Warenkörben auch dann, wenn die Anzahl der täglich neuen Artikel sinkt.“

Ein weiterer Grund, warum es eine Weile dauert, bis spürbare Erlöse ausgezahlt werden liegt darin, dass Nutzer möglicherweise über verschiedene Endgeräte Spiegel-Plus-Inhalte kaufen. Beispiel: Wenn ein Nutzer einen Spiegel-Plus-Artikel am Desktop-PC kauft und einen weiteren mit seinem Smartphone, wird er bis zum Bezahlvorgang doppelt geführt. Erst wenn der „Bierdeckel“ voll ist und er sich komplett registriert, werden die beiden Logins zusammengeführt. Doppelt gekaufte Artikel werden dabei nur einfach berechnet.

Gerade für den Mobile-Bereich sei Laterpay ideal, meint Ene. Die Zahlen bei Spiegel-Plus scheinen das zu bestätigen: 62 Prozent der Käufe werden über Mobilgeräte (inklusive Tablets) getätigt.

Wichtig für die Leute von Laterpay und Spiegel ist zudem, dass das Bezahlsystem die Reichweite und die Werbe-Umsätze des Portals nicht beeinträchtigt. Laut Matthias Streitz, Editorial Chief of Product bei Spiegel Online, ist dies der Fall:  „Erstmalig wurde Laterpay auf einem der reichweitenstärksten Nachrichtenportale eingesetzt, wodurch eine hohe Fallzahl in Bezug auf die Nutzung ermöglicht werden konnte. Es konnte eine neue Erlösquelle etabliert werden, ohne bestehende Erlösmodelle zu kannibalisieren.” Das sind in Sachen Paid Content durchaus ermutigende Erkenntnisse.

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Alle Kommentare

  1. Wer, nach all dem was der Spiegel abgezogen hat, ob Ukrainekrise, Syrien oder US-Wahl, auch nur einen einzigen Cent für diese „Blatt“ ausgibt, dem ist absolut nicht mehr zu helfen. Das ist Blindheit in Reinform!

  2. Der Artikel ist schlecht recherchiert. „Ermutigende Erkenntnisse“ in puncto Paid Content?
    Rechnen Sie doch mal! 0,39 € pro Artikel. Abz. MwSt = ca 0,30 €; Provision Laterpay (unterstellt 50%). Bleiben für den SPIEGEL 0,15 € pro Artikel. x 3 Mio. bezahlte = 450.000 € Erlös pro Jahr.
    Das sind für ein Haus wie DER SPIEGEL Peanuts. Etwa gleich 0,15 % des gesamten Jahreserlös.
    Das sind keine „ermutigende Erkenntnisse“ – das ist Scheitern auf der ganzen Linie.

    1. Ich glaube nicht, dass man das Printgeschäft mit in den Vergleich nehmen kann.

      Ich würde eher mit dem Onlinegeschäft vergleichen (Quelle Wikipedia):
      Spiegel Online machte 2006 bei einem Umsatz von 15 Millionen Euro zwei Millionen Euro Gewinn.[5]

      LaterPay nimmt 15% laut eigenen Angaben. (Quelle laterpay.net)

      39 Cent brutto = ca. 33 Cent netto
      25 Cent sind es nach 15% Provision

      0,25 € * 3.000.000 = 750.000 €

      also 5% vom Umsatz
      oder 37,5% vom Gewinn

      (Kosten für die Artikel nicht einbezogen, dafür gibt es aber auch Werbeeinnahmen auf allen Artikelseiten, die diese mehr als reinholen…)

  3. Wer zahlt eigentlich die Artikel, die unter der 5 Euro Grenze bleiben?
    In der Anfangszeit von Laterpay sollte das der Verlag machen.
    Genauso sollte der Verlag auch dann einspringen, wenn der Leser nicht zahlen wollte.

    Ist das noch so? Dann ist das schnell ein Nullsummenspiel“.

    1. Nein, so ist es nicht. Das Prinzip funktioniert ganz anders. Wenn der Nutzer ewig unter 5€ bleibt zahlt niemand.

      Vgl.: „Dann ist der „digitale Bierdeckel“ voll und reif für die Abrechnung.“

  4. Wenn die denn die Artikel auch wirklich mal berechnen würden. Ich lese regelmäßig SPON-Plus über Laterpay, aber bisher ist noch niemand vorbei gekommen, um die gelesenen Artikel auch mal abzukassieren. Auch erhöht sich der Betrag bei Laterpay nie, obwohl ich immer die gleiche IP nutze. Wenn das bei allen Nutzern so ist, hat sich das ganze ja echt mal gelohnt.

    1. ja, man kann den „bierdeckel“ umgehen/austricksen. Man kann Cookies löschen, verschiedene Devices nehmen oder die IP ändert sich.

      Bei Laterpay geht es doch vor allem darum möglichst einfach und unkompliziert Anreize zu schaffen für Nutzer die grundsätzlich bereits sind für Artikel zu zahlen.

      1. Nach einigen gelöschten Cookies kommt irgendwann eine Meldung, man solle sich vor dem Kauf jetzt doch einloggen oder registrieren. Man kann das System also nicht unbegrenzt austricksen, irgendwann ist auf allen Geräten Schluss. Das wurde glaube ich irgendwann dieses Jahr geändert.

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