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Die unerträgliche Netz-Häme über Boris Beckers Finanzprobleme

Hat auf Twitter seit Jahren einen schweren Stand: Tennis-Legende Boris Becker
Hat auf Twitter seit Jahren einen schweren Stand: Tennis-Legende Boris Becker

Insolvenzantrag gegen Boris Becker. Alleine diese Feststellung – auch ohne die nähere Faktenlage zum Bankrott – reicht aus, um Twitter-Nutzer auf Hochtouren zu bringen. Häme und Spott prasseln auf den dreimaligen Wimbledonsieger in unzähligen Tweets ein, obwohl sich Becker zuletzt eigentlich wieder im Aufwind befand. Doch dem niederen Vergnügen, einmal auf das frühere Nationalidol einzudreschen, erliegen auf dem Kurznachrichtendienst erwartungsgemäß zahlreiche Nutzer.

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Twitter-Mitbegründer Ev Williams sprach die Wahrheit frustriert aus: „Ich denke, das Internet ist kaputt“, beklagte Williams vor knapp einem Monat angesichts überbordender Trollerei auf Twitter. „Ich dachte, sobald sich jeder frei äußern und Ideen austauschen konnte, führt das zu einer besseren Welt. Ich lag falsch damit“, resignierte der 45-Jährige.

Häme, Spott und Hass sind längst zum Markenzeichen des 140-Zeichen-Dienstes geworden: Twitters negative Reputation war wohl maßgeblich dafür verantwortlich, dass eine Übernahme im vergangenen Herbst scheiterte.

Die Netz-Reaktionen auf Boris Beckers Finanzprobleme zeigen eindrucksvoll, was mit Twitter nicht stimmt

Die Umgangsformen auf dem Mikrobloggingdienst haben sich auch ein Dreivierteljahr später nicht gebessert – im Gegenteil. Wie es auf Twitter im Sommer 2017 zugeht, beweisen einmal mehr eindrucksvoll die Reaktionen auf den überraschenden Bankrott von Tennis-Legende Boris Becker aus – vor allem in der Bundesrepublik.

Dass prominente Sportler in Deutschland öffentlich besonders tief fallen, wenn sie ins Straucheln kommen, war unlängst bereits bei Uli Hoeneß, Franz Beckenbauer und immer wieder Lothar Matthäus zu beobachten. Auch Boris Becker hatte in der  Vergangenheit desöfteren (sozial) medial einstecken müssen.

Die Häme trifft den 49-Jährigen allerdings an der falschen Stelle seiner Karriere. Zugegeben: Nach dem Ende seiner Tennis-Karriere irrlichterte Becker immer wieder durch den Boulevard, Facebook und Twitter. Der Tiefpunkt: Der Twitter-Zoff mit Oliver Pocher und der darauf folgenden demütigende Auftritt beim TV-Duell mit dem Comedian mit Fliegenklatschen-Mütze im Herbst 2013.

Becker hatte sich als „Super Coach“ von Djokovic und Eurosport-Kommentator seine Würde zurückgeholt

Dann jedoch gelang Becker Mitte seiner 40er-Jahre ein überraschendes Comeback, das dem dreifachen Wimbledonsieger kaum einer zugetraut hatte. Becker heuerte als „Super Coach“ beim damals schon Weltranglistenersten Novak Djokovic an und machte den Serben in seiner dreijährigen Zeit als Trainer noch ein ganzes Stück besser.

Danach überraschte Becker als Kommentator bei Eurosport – und zwar besser und kompetenter als erwartet. Von einigen grenzwertigen Bemerkungen über Spielerinnen und Freundinnen / Ehefrauen von Tennis-Granden abgesehen, war Beckers Kommentierung eine Bereicherung.

Keine zwei Wochen nach dem letzten Auftritt des Leimeners bei den French Open auf Eurosport folgte nun die überraschende Feststellung eines englischen Gerichts.

Ohne die Hintergrunde näher zu kennen, wetteifern Neunmalkluge auf Twitter um die größten Kalauer zur vermeintlichen Becker-Pleite. Schadenfreude ist auf 140 Zeichen wieder einmal die schönste Freude. Dabei legen die Anwälte des Tennis-Experten größten Wert auf die Feststellung, dass ihr Mandant eben „nicht pleite“ ist.  In seinem Schreiben erklärt Rechtsanwalt Christian-Oliver Moser, dass der Wert des bei Becker vorhandenen Vermögens „deutlich“ die gegen ihn bestehenden Forderungen Dritter übersteige. Ebenso sei der ehemalige Tennisspieler und heutige TV-Experte „in der Lage, seinen regelmäßigen finanziellen Verpflichtungen vollumfänglich nachzukommen“. Zudem werde sich Boris Becker gegen jede Berichterstattung, in der er „völlig undifferenziert als vermögenslos oder pleite dargestellt wird“, presserechtlich zur Wehr setzen. Bis zu dieser Ankündigung sammelte sich bereits einiges an Häme und Spott im Web.

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