Zickzackkurs bei Firmenstrategie: FC Basel-Chef Burgener kritisiert Sport 1-Verkaufspläne

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Der von der Constantin Medien AG angestrebte Verkauf von Sport 1 stößt auf Unmut. Bernhard Burgener, Verwaltungschef der schweizerischen Constantin-Tochter Highlight Communications, wirft Constantin Medien-Aussichtsrat und Großaktionär Dieter Hahn vor, keine "stringente Unternehmensstrategie" zu verfolgen. Unterdessen ermittelt die Staatsanwaltschaft München gegen Burgener. Auslöser hierfür ist eine Strafanzeige des Constantin-Managements.

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Erst wollten sich der Constantin Medien-Chef Fred Kogel und sein Aufsichtsratschef Dieter Hahn auf die Sportsparte konzentrieren und die Constantin Film AG („Fack Ju Göhte“) verkaufen, jetzt kommt die Kehrwende. Überraschend teilte der Vorstand des Münchener Medienunternehmens vor wenigen Tagen mit, dass man sich von Sport 1 und Sport 1 Media trennen will. Mehrere Firmen – darunter Axel Springer, Freenet und Sky – sollen an den beiden Sportfirmen bereits reges Interesse zeigen. Daher plant das Constantin Management, die Gesellschaften in einem „strukturierten Bieterverfahren“ zu veräußern.

Prompt kommt jetzt die Replik von Bernhard Burgener, Verwaltungsratschef der schweizerischen Constantin Medien-Tochter Highlight Communications. Der Präsident des Fußballvereins von FC Basel übt massive Kritik an dem Strategiewechsel von Dieter Hahn, ehemals rechte Hand des Medienmoguls Leo Kirch. „Erst wollte er das Filmgeschäft verhökern, seit letzter Wochen wissen wir, dass er nun plötzlich Sport 1 verkaufen will. Sie erinnern sich: noch im November wollte er von den Aktionären der Constantin deren Zustimmung für die Konzentration auf das Sportgeschäft mit der Keimzelle Sport 1. Eine stringente Unternehmensstrategie sieht unseres Erachtens anders aus“, meint der gebürtige Baseler auf MEEDIA-Anfrage.

Dass der Geschäftsmann gegen Hahn stichelt, liegt nicht nur an dem erbitterten Übernahmekampf, den sich die beiden Widersacher seit Monaten um die Constantin Medien AG liefern. Burgener stößt vor allem sauer auf, dass das Constantin-Management eine Strafanzeige gegen ihn gestellt hat. Die Münchener Staatsanwaltschaft hat ihn daher bereits ins Visier genommen. Die Behörde ermittelt gegen ihn wegen des Verdachts der Untreue, Insiderhandel und anderer Straftaten. Doch Burgener zeigt sich gelassen: „Was die jüngste Strafanzeige anlangt, bitte ich um Verständnis, dass ich der Staatsanwaltschaft hier nicht vorgreifen will. Nach unserer Kenntnis hat die Staatsanwaltschaft München zwar infolge einer Strafanzeige der Constantin Medien AG ein Ermittlungsverfahren eingetragen. Die Frage, ob ein Anfangsverdacht besteht, wird hingegen nach unserer Kenntnis noch geprüft“, erklärt der Highlight Communication-Chef.

Er wirft dem Constantin-Aufsichtschef unterdessen vor, bei der Angelegenheit beteiligt zu sein. „In der Sache nur so viel: hier werden Sachverhalte tendenziös dargestellt, an denen seinerzeit Dieter Hahn mitgewirkt hat. Beispiel Stella Kredit: das war damals ein Notkredit in einer Situation, wo es am  Markt keine Finanzierungsalternative gab. Damals war auch Dieter Hahn dankbar, dass die Stella eingesprungen ist. Dieter Hahn war zu jedem Zeitpunkt in die Verhandlungen der Bedingungen des Stella-Kredits eingebunden und hat zugestimmt“, betont der Rechtsanwalt gegenüber MEEDIA und ergänzt: „Dass derartige Sachverhalte nun von Fred Kogel, dem Vorstandsvorsitzenden der Constantin Medien AG, einseitig gegen mich, nicht aber gegen Dieter Hahn zum Gegenstand von Strafanzeigen gemacht werden, spricht für sich.“

Burgener und Hahn kämpfen seit Längerem um die Vorherrschaft in dem weit verzweigten Firmenkonglomerat. Der Chef der Highlight Communications hatte erst jüngst eine Kapitalerhöhung vorgenommen, um sich den finanziellen Spielraum für einen Erwerb der Constantin Medien AG zu verschaffen. Doch auch die Hahn-Seite strebt dem Vernehmen nach eine Komplettübernahme an. Branchenexperten gehen davon aus, dass der Zoff um die Macht erst beigelegt ist, wenn eine Seite die andere auskauft. Burgener und Hahn halten mit befreundeten Aktionären jeweils 30 Prozent an der Constantin Medien AG.

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