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Online First: Mediengruppe RTL will Eigenproduktionen zuerst kostenpflichtig bei TV Now zeigen

Anke Schäferkordt, Geschäftsführerin der Mediengruppe RTL Deutschland
Anke Schäferkordt, Geschäftsführerin der Mediengruppe RTL Deutschland

Die Mediengruppe RTL will künftig eigenproduzierte Sendungen zuerst bei ihrem Video-On-Demand-Portal TV Now zeigen, bevor sie im linearen Fernsehen ausgestrahlt werden. Damit verteilt die Kölner Sendergruppe die Produktionskosten für eigene Formate auf mehrere Schultern - zum einen über Einnahmen aus der Ausstrahlung bei TV Now, zum anderen über Werbeerlöse bei späteren linearen Verbreitung der Sendungen. Zudem erhöht die zu Bertelsmann gehörende TV-Kette auch den Konkurrenzdruck auf die Streamingdienste Netflix und Amazon.

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Die Mediengruppe RTL plant, außerhalb ihres linearen Fernsehens weiter zu wachsen und will dazu ihren Video-On-Demand-Bereich ausbauen. „Wir prüfen daher, wie wir das Angebot unserer Videoplattform ‚TV Now‘ systematisch erweitern“, erklärte RTL-Chefin Anke Schäferkordt in einem Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Dazu beabsichtigt die zu Bertelsmann gehörende Sendergruppe ausgewählte eigene Formate vor der linearen Ausstrahlung kostenpflichtig bei TV Now einzustellen. Der Schritt von Schäferkordt ist ein geschickter Schachzug. Denn dadurch verteilt die Sendergruppe ihre Produktionskosten für eigene Formate auf mehrere Schultern – zum einen über Einahmen aus der Ausstrahlung bei TV Now, zum anderen über Werbeerlöse bei der späteren linearen Verbreitung der Sendungen. Dadurch könnte sich die Ertragslage des Kölner Unternehmens mittelfristig weiter verbessern.

Über den genauen Zeitpunkt für den Vorstoß macht Schäferkordt allerdings nur vage Angaben: „Sie werden sicherlich spätestens im nächsten Jahr mehr zu TV Now hören“, erklärt die Senderchefin. Derzeit erstelle die TV-Gruppe für RTL und VOX pro Jahr 4000 Stunden an frischen Eigenproduktionen, die zum Teil auch über TV Now ausgestrahlt würden, heißt es. Damit liegt die Sendergruppe weit vor Konkurrenten wie Netflix. Der Streamingdienst hatte zuletzt angekündigt, rund 600 Stunden Originalprogramm anzubieten. Mit der Ausstrahlung exklusiver Inhalte dürfte die Mediengruppe RTL auch an der Preisschraube bei ihrem Video-on-Demand-Portal drehen. „An der genauen Gestaltung arbeiten wir noch. Aber ganz sicher ist, dass exklusive Inhalte eine wichtigere Rolle für TV Now spielen werden“, meint Schäferkordt.

Schäferkordt hatte erst vor Kurzem ihren Posten als Ko-Vorstandsvorsitzende der RTL Group abgegeben. „Für mich ist das die Möglichkeit, mich auch zeitlich mehr auf das Deutschland-Geschäft und meinen Sitz im Bertelsmann-Vorstand zu konzentrieren“, erklärte die RTL-Chefin hierzu der FAZ. Trotz dieses Schrittes bliebe der Terminkalender der Managerin weiterhin prall gefüllt, heißt es. „Ich warte noch auf den Moment der Langeweile“, sagte sie.

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