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Ex-Bild-Chef Günter Prinz in der Zeit: „Die heutige Bild-Zeitung ist langweilig“

Der frühere Bild-Chefredakteur Günter Prinz
Der frühere Bild-Chefredakteur Günter Prinz

Die Zeit hat den früheren Bild-Chefredakteur Günter Prinz (87) interviewt. Prinz leitete die Zeitung von 1971 bis 1980. Er war außerdem u.a. Erfinder von Eltern und der legendären Frauenzeitschrift Jasmin, brachte Bild der Frau und Auto Bild auf den Markt, war Vorstand bei Springer und erfand für Burda die Super Illu. Im Gespräch mit der Zeit sagt Prinz, dass ihn die heutige Bild langweile.

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Er lese die heutige Bild nicht, sie sei langweilig, so Prinz knapp. Unter seiner Führung erreichte die Bild mit über fünf Millionen verkauften Exemplaren ihren Auflagenhöhepunkt. Prinz war in den 70er Jahren als Chef der Bild-Zeitung natürlich ein Gegner der Studentenbewegung. Auf die Frage, ob er heute noch hinter jeder Schlagzeile steht, die er damals gemacht hat, sagt er: „Ich habe vielleicht 10 000 Schlagzeilen gemacht. Wenn davon 100 misslungen und einige in ihrer Zuspitzung schrecklich misslungen sind, dann ist es schlimm. Aber die Quote ist halbwegs in Ordnung. Mehr ist dazu nicht zu sagen.“

Prinz erzählt, dass er Personenschutz erhielt, da er angeblich auf einer Todesliste der RAF stand. Das Gespräch dreht sich auch um den Vorwurf des Sexismus, der der Bild immer wieder gemacht wurde (und wird). Verleger Axel Springer habe ihm einmal vorgeschlagen, den Sex-Anteil im Blatt zu beschränken, „auf zehn Prozent oder so?“. Prinz‘ Antwort darauf: „Ich habe ihm erklärt, warum das nicht geht. Die Drucktechnik gab es nicht her. Wir sahen in der Zentrale nicht, was die Bild-Lokalredaktionen in der Provinz auf ihre Seiten hoben. Deshalb war manche Ausgabe oversexed. Aber das überzeugte Springer nicht. Also schlug ich ihm vor: Er solle anordnen, dass das Hamburger Abendblatt die Anzeigen der Nutten nicht mehr druckt, dann würde ich den Sex aus der Bild sofort rausnehmen. Damit war die Sache erledigt.“

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Die Kampagne der linken Szene und der übrigen Hamburger Medien gegen die Springer-Presse habe Axel Springer schwer zugesetzt, so Prinz: „Als ich ihn 1968 traf, sah ich einen erloschenen und kaputten Mann vor mir. Ich hatte Mitleid.“ Stern, Spiegel und Zeit hätten einen großen Anteil daran gehabt, dass Springer zu einem Feindbild wurde. „Die ganze Kampagne gegen Springer wäre nicht möglich gewesen ohne die publizistische Unterstützung der anderen großen Blätter“, sagt Prinz.

Günter Prinz ist der Vater des bekannten Medienanwalts Matthias Prinz.

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Alle Kommentare

  1. Es ist nicht nur die Print-Krise. Die BILD ist insbesondere seit sie in Berlin gemacht wird aus der Spur. Die Lebenswirklichkeit von Mitte, Prenzelberg, Kreuzberg & Co. ist nicht die Deutsche Lebenswirklichkeit. Immer seltener gelingt es der BILD Themen zu setzen.

    Der Angela- Refugees-Welcome Kuschelkurs wird gerade von der Kernleserschaft, die die Folgen der ungeregelten Masseneinwanderung zu tragen hat, nicht verstanden.

    Die Links-Grün*Innen werden nie etwas für das ehemalige Schmuddelblatt übrig haben. Eine ehemalige Nutte ist halt im Kirchenvorstand nicht glaubwürdig, auch wenn sie echter und authentischer als der Rest ist.

    Zum Thema Diekmann: Der hat einfach Pech gehabt. Vor 15 Jahren wäre das durchgegangen und ähnliches war in vielen Verlagen nicht selten. Friede Springer, als Frau, mag solche Sachen überhaupt nicht. Tja, da wurde halt der Vertrag geändert und Helmut Kohl ist jetzt beim großen Manitou. Mit seiner Kohlverehrung hat sich der Klein Kai auch bei dieser unserer Kanzlerin keinen guten Namen gemacht.

    BILD wieder erfolgreich machen? Weg aus Berlin, keinerlei Kumpanei mit den Parteien, die Dinge beim Namen nennen und vor allem kein Gutmensch sein wollen. Journalisten müssen nicht beliebt, sie müssen gefürchtet sein – wenn sie die Wahrheit schreiben.

    PS: In einem hatte die BILD recht aus den 68ern wurde die RAF. Die Folgen sind bekannt. Der Rest der 68er hat sich in unserem Staat sehr gemütlich gemacht und gehört zu den Gewinnern.

  2. Alleine die Gratis Bild gestern zeigt doch was die BILD für ein Lobbyistenverein ist. Selbstbeweihräucherung und Reportergepose der billigsten Art. 80 Prozent dieses Gratisbild bestand doch eh nur aus Werbung und der Rest war Lobbyarbeit vom feinsten. Interessanter wäre doch die Ermittlungsakte der STA Potsdam zu dem Ermittlungen gegen Kai Diekmann. Da hört man nichts mehr von. Ist die Macht der BILD echt so groß, dass Medien, Justiz und Politik kuschen und das unter den Teppich gekehrt wird? Politiker die für die BILD werben sind so was von unglaubwürdig und mit Sicherheit erpressbar. Anders kann ich mir das nicht erklären. Kurz gesagt: Die BILD von heute ist der Stürmer von Gestern. Populismus, Hetze, Kriegsgeilheit, Frauenfeindlich und ohne journalistischer Moral.

  3. Es ist wirklich abartig, wie sich dieser senile Greis die Täter-Vergangenheit seiner Hass-Postille zurechtlügt.

    Bild am 7. Februar 1968: „Aber unsere Jung-Roten sind inzwischen so rot, daß sie nur noch rot sehen, und das ist gemeingefährlich und in einem geteilten Land lebensgefährlich. Stoppt ihren Terror jetzt! Man darf auch nicht die ganze Dreckarbeit der Polizei und ihren Wasserwerfern überlassen.“ Acht Wochen später wurde dem bekanntesten „Jung-Roten“ auf der Straße in den Kopf geschossen, wie in der Weimarer Republik.

    Wenn dann die Medien den systematischen Missbrauch der Pressefreiheit zur Hetzjagd gegen anders Denkende aufgreifen, wenn sie die Reaktion der Gesellschaft darauf öffentlich machen, dann ist es eine böse Kampagne gegen den armen Axel Caesar Springer?

    Wer jahrelang eine Heerschar von Angestellten darauf gedrillt hat, als schreibende Schlägertruppe gnadenlos gegen seine politischen Gegner vorzugehen, wer damit die Auseinandersetzungen in der Gesellschaft endlich soweit aufgestachelt hat, bis tatsächlich alle aufeinander losgingen, und wer mit dieser Hetze einen fürstlichen Reibach gemacht und sich damit den zweitgrößten deutschen Medienkonzern zusammengekauft hat – mit dem sollen wir Mitleid haben?

    Mitgefühl kann man nur mit den tausenden von Opfern der Bild-Skandalartikel haben, nachgewiesenermaßen regelmäßig mit frei erfundenen Behauptungen, mit systematischem Eindringen in die Intimsphäre der Menschen und mit dem öffentlichen Vorführen privatester Angelegenheiten, um daraus Profit zu schlagen.

  4. Die Verantwortlichen haben kein Gespür mehr für die Denke des Lesers. Aus dem Haus Springer hört man, viele „Bild“-Redakteure kommen direkt aus dem Bio-Restaurant aus Prenzelberg mit dem Rad in die Redaktion in die Kochstraße – mit null Kontakt zum klassischen „Bild“-Leser, dem einfachen Mann von der Straße, Malocher oder Hartz-IV-Empfänger. Schon der ehemalige „Bild“-Chefredakteur Bartels schrieb in seinem Buch über das Blatt, dass die Macher völlig den Kontakt zum Volk verloren haben. Stattdessen jahrelang hündische Merkel-Liebedienereien wie unter Ex-Chef Diekmann, z.b. zur Flüchtlingskrise mit Refugees-Welcome-Kampagnen, und heute ein ideologisch aufgeladener „Bild-online“-Chef Reichelt, für den die Welt wie zu Zeiten des Kalten Krieges aus Bösen und Guten besteht, wobei die Bösen nach wie vor die Russen und Palästinenser etc. sind. In 5 Jahren, vermutlich aber eher, ist das Blatt unter 1 Million Auflage abgesackt.

  5. Wenn sich schon ehemalige „Bild-Macher“ schon von den Blatt abwenden, dann wundert man sich umso mehr, warum man bei Springer Kai Diekmann auf seinem Zerstörungskurs nicht schon früher ins Lenkrad gegriffen hat. Aber wahrscheinlich würde der zahnlose Regierungsschmusekurs von Friede Springer angeordnet, um ihre Freundin Angela zu unterstützen.

    1. Hahahahaaaa.. so ist es… Friede und Döpfner sind soooooooo eng mit den Politikern und mit Angela. Klaro. Und das ist der Grund, warum diese Zeitung auch nichts Wichtiges mehr weiter verfolgt. Man könnte kotzen, wenn man das, was die aktuelle Chefredaktion wichtig findet (Putin, Traump, Putin, Trump und nochmal Putin und dann noch…. ähhh… Flüchtlingsmänner persönlich begleiten und Kriegsgebiete aufsuchen…ähhhhh.. ganz gute Recherchen (Mischpoke in Berlin) die nach zwei Wochen im Nirwana verschwinden also vollkommen sinnlos sind… und das Bashing des ganz normalen Bürgers mit seinen Sorgen und Nötigen. Das wars dann… Kann man vergessen.. Wann ist das nächste Sommerfest auf
      dem sie die Politiker empfangen?

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