Was der Verkauf von Etraveli für das E-Commerce-Geschäft von ProSiebenSat.1 bedeutet

ProSiebenSat.1-CEO Thomas Ebeling trennt sich von Etraveli
ProSiebenSat.1-CEO Thomas Ebeling trennt sich von Etraveli

Es ist noch gar nicht so lange her, da war das Geschäft mit online vermittelten Reisen eine Zukunfts-Hoffnung in der ProSiebenSat.1-Bilanz. Als der TV-Konzern die schwedische Reise-Holding Etraveli 2015 übernahm, sah CEO Thomas Ebeling dies als Sprungbrett, um „europäischer Marktführer für Onlinereisen“ zu werden. Jetzt verkauft er Etraveli an den Finanzinvestor CVC Capital Partners. Auch das übrige Reisegeschäft von P7S1 steht auf dem Prüfstand.

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Dabei ist Etraveli alles andere als eine lahme Ente. In der 2016er-Bilanz zählte das schwedische Unternehmen zu den Wachstumsbringern im Segment Digital Ventures & Commerce, neben dem bereits etablierten Vergleichsportal Verivox. Der Verkauf hat wohl strategische Gründe. Ebeling und seine Manager hätten schon vor einiger Zeit gemerkt, dass das Reisegeschäft halt doch kaum Synergien zum TV-Business bietet. Woher diese Erkenntnis stammt, erschließt sich freilich nicht so ganz.

Etraveli betreibt die Reise-Website Gotogate, Supersaver und Seat24. In Schweden ist Etraveli zudem mit den Flugvergleichsportalen Flygresor.se und Charter.se am Markt. Rund 190 Mio. Euro hat P7S1 2015 laut früheren berichten für Etraveli auf den Tisch gelegt. Dem jetzigen Verkauf an CVC liege eine Bewertung von 508 Mio. Euro zugrunde, teilt das Unternehmen mit. Zum Kaufzeitpunkt wurde die Schweden mit 235 Mio. Euro bewertet.

Im TV-Konzern verbleiben als Reisegeschäft bis auf weiteres vor allem die Portale Weg.de und Tropo.de. Der Review-Prozess für das verbleibende Reisegeschäft werde fortgesetzt, teilt der Konzern mit. Das bedeutet nichts anderes, als das hier auch Käufer gesucht werden. Zu der Commerce-Säule 7Travel gehören außerdem noch wetter.com, billiger-mietwagen.de, der Event-Gutschein-Anbieter Mydays sowie das Hotel-Vergleichsportal Discavo. Unter dem Dach 7Commerce versammeln sich die Partnervermittlungen Elite Partner und Parship, der Parfümversender Flaconi, der Erotik-Shop Amorelie, Moebel.de, Preis24.de, Verivox, Stylight und das regional orientierte „Käuferportal“. Ein Sammelsurium also, wo man die eine oder andere Aktivität aus 7Travel auch noch unterbringen könnte. Dass 7Travel als eigenständige Säule langfristig fortgeführt wird, erscheint indes unwahrscheinlich. ProSiebenSat.1 steht vor einem Umbau seiner E-Commerce-Aktivitäten.

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Alle Kommentare

  1. Man braucht keine Synergien. Man kann leere Werbe-Blöcke mit Eigen-Marken (ParShip usw.) auf-füllen.
    Das ist quasi ein Hilfs-Motor der bei Schwäche unterstützt und die Kerngeschäfts-Zahlen stabil halten hilft.

    Letzte Rezession war ja Pro7 recht tief gefallen und hat sich durch die Investoren sehr gut erholt. Problem: DAX basiert auf Banken usw. so das möglicherweise Zyklische Firmen wie Pro7 gerne dort hinein gehören, man aber irgendwie die Zugehörigkeit langfristiger bewerten müsste damit sie nicht beim ersten „Nacht-Frost“ wieder raus fliegen. Sonst ist das wie ein Fußball-Verein der alle paar Jahre jede Rezession (die meisten Haussen dauern vielleicht nur 3 Jahre !) absteigt um in der Hausse dann wieder aufzusteigen bzw. wieder in den DAX zu kommen.

    In der Rezession kämpfen die Konsum-Firmen und Auto-Firmen um die weniger gewordenen Käufer und buchen evtl sogar mehr Werbung. Aber jedoch
    wie sinken die TV-Zuschauer-Minuten der Pro7-Gruppe von Jahr zu Jahr ? Das würde das Schrumpfen des linear-TV-Kerngeschäftes und der erreichbaren Aufmerksamkeits-Minuten bei der Bevölkerung beschreiben. Es gab ja neulich irgendwo einen Business-Kommentar das man Werbung macht aber die Zuschauer es sich nicht leisten können. Dann macht dort Werbung auch keinen Sinn und die Werbekunden wandern ab.
    Wie beim Leser-Schwund beim Spiegel oder Print allgemein sinken auch bei TV die Zuschauer-Minuten und man muss per Online-Abruf oder anderen Methoden Einnahmen generieren oder damit leben das das Geschäft kleiner wird.
    Das ändert sich vielleicht erst, wo 5G bezahlbar wird und man Content bezahlbar auf die Videobrille bekommt. Telenovelas gibts in allen Ländern jeweils lokal produziert für die dortigen Hausfrauen. Ebenso lokale Krimi-Serien (Tatort, Kommissar Rexx, Schimanski (weils grade im EPG war), Cops Maastricht, Forbrigsen(? aka) TheKilling aka Kommissarin Lund, Luther, Sherlock, Lewis, JackTaylor, Profiling Paris,…) und Shows usw.

    Gleichzeitig kann man kleine Sender vielleicht immer günstiger betreiben und alte TV-Serien-Lizenzgeber brauchen vielleicht das Geld und ein gigantischer Berg von TV-Serien seit DragNet steht vielleicht preisgünstig zur Lizensierung und auch noch neu aufkommende Lokal-Sender könnten Aufmerksamkeits-Minuten inclusive der zugehörigen Werbe-Zeiten/Flächen weg-knabbern.

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