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„Die Bachelorette“ bei RTL – Balztänzer mit gestutzten Bärtchen auf dünnen Beinchen

Welches Männlein hätten’s gerne? Die Bachelorette hat beim RTL die Qual der Wahl
Welches Männlein hätten's gerne? Die Bachelorette hat beim RTL die Qual der Wahl

Bei RTL starten sie in die quotenmäßig dürre Sommerzeit traditionell mit einer neuen Staffel „Bachelorette“. Das kleine Schwesterformat des großen „Bachelor“ ist wie immer die eigentlich bessere Sendung mit den schlechteren Quoten. Wie die paarungswilligen Jungmänner mit ihren akkurat gestutzten Bärtchen auf dünnen Beinchen in engen Hosen ihren Balztanz aufführen, ist auch diesmal wieder leidlich unterhaltsam.

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Der Satz der Auftaktsendung stammte von dem bärtigen Personal Trainer mit den vielen Tätowierungen, dessen Name nichts zu Sache tut: „Ich muss mir noch kurz die Leggings richten“, sagte er, als er aus dem dicken Geländewagen stelzte, um Bachelorette Jessica seine Aufwartung zu machen. Sind das diese neuen Männer, fragt man sich jedesmal bei dieser Sendung und dieser Parade an Gecken mit Hang zu entwürdigender Kleidung und übertriebener Körperpflege. Nein, es sind ja bloß die Stelzböcke von der „Bachelorette“! Bitte nicht falsch verstehen: Gegen Körperpflege ist nichts einzuwenden. Aber wenn dann minutenlang gezupft wird, die freigelegte Brust geölt, die Leggings gestrafft, der Bart getrimmt und die Haartracht Strähne um Strähne zurechtgesprüht ist, dann weiß man, wofür das Kunstwort metrosexuell mal erfunden wurde.

Die Obsession mit Bartpflege, Tätowierungen und sehr engen Hosen samt dekorativen Löchern ist der kleinste gemeinsame Nenner in dieser Herrentruppe, die ansonsten recht heterogen scheint. Da haben wir einen Schornsteinfeger, einen Versicherungsvertreter, einen Philosophiestudenten, einen Feuerwehrmann und die obligatorischen Berufsgruppen Berater und Model. Schade, dass der bisexuelle Blogger gleich zum Auftakt rausgeflogen ist. Die Szene hätte man gerne noch gesehen: „Und übrigens: Ich stehe auch auf Männer!“ Schnitt. Großaufnahme Gesicht der Bachelorette. Schrei. Abspann. Wird aber nun leider nix.

Stattdessen das übliche Gesülze von den großen Gefühlen, die „ewig“ währen sollen und wie schwer es ist, jemanden zu finden, der es ehrlich meint. Pro-Tipp: Nicht in dieser Sendung! Die Bachelorette Jessica selbst ist überraschenderweise gar nicht so schlimm, wie es ihre C-Promi-Biografie nahelegt: gescheiterte Kandidatin beim Glatzen-Bachelor, Teilnahme an diversen Trash-Formaten wie „Promi-Dinner“, „mieten, kaufen, wohnen“, „Promi Big Brother“. Gemeinsam mit der „DSDS“-Krach-Existenz Menowin hat sie eine Single aufgenommen, Busen und Pos wurden gerichtet und auf Instagram führt sie ein Influencer-Doppelleben.

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Als Bachelorette funktioniert „die Jessy“ dann aber ganz gut, wobei sie besonders viel auch nicht machen muss. Außer ab und zu irritiert schauen und damenhaft die Hand vors Mündchen halten, wenn einer der Herren sich gar zu sehr daneben benimmt. Die „Bachelorette“ ist ja darum das bessere Format, weil sie klassische Macho-Rolle umkehrt und hier die Frau das Sagen hat, während die Herren sich bemühen müssen. Schrecklich eigentlich, dass trotzdem oder deshalb der klassische „Bachelor“ mit seinem „Weibchen balgen sich ums Männchen“-Rollenklischee auch beim weiblichen Publikum besser ankommt.

Die Vorschau auf die kommenden Sendungen lässt Gewohntes ahnen. Es wird gesegelt, gebusselt, gestritten und mit komischen kleinen Autos durch den Sand gefahren, bis diese umkippen. Vermutlich springt man auch in irgendeiner Folge an einem Gummiseil irgendwo runter. Was in diesen Kreisen halt als Fun durchgeht. Aber immer noch besser, als in einem stinkenden Container mit Oliver Pocher durch Afrika zu tuckern oder Kamel-Hirne in Australien zu verschnabulieren. Das, liebe Herren, kommt dann als nächstes. Wir können nämlich in die Zukunft schauen. Weiter gute Unterhaltung und schon jetzt Bon Appétit!

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