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Apple-Absturz: Wie der iKonzern in wenigen Tagen mehr als 50 Milliarden Dollar an Börsenwert verlor

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Rüstet Apple für die Zukunft: CEO Tim Cook auf der WWDC 2017 © Apple

Plötzlich schrillen wieder die Alarmsirenen: Innerhalb von wenigen Handelstagen hat Apple mehr 50 Milliarden an Börsenwert eingebüßt – in der Spitze pulverisierte der Kursrutsch sogar 70 Milliarden Dollar. Auslöser der drastischen Ausverkaufswelle sind Sorgen um die Downloadgeschwindigkeit des iPhone 8. Während Konzernchef Tim Cook den Befreiungsschlag mit der Ankündigung erzwingen wollte, dass Apple offiziell an der Technologie für ein selbstfahrendes Auto entwickele, stufen Banken die Aktie ab.

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Der Kursrutsch kam aus dem Nichts. Mehr als ein Monat hielt sich die Apple-Aktie stabil über der psychologisch so wichtigen Schwelle von 150 Dollar – dann ging es schnell. Am vergangenen Freitag fielen die Anteilsscheine des weiterhin mit Abstand wertvollsten Konzerns der Welt fast „Flash Crash“-artig wie ein Stein tiefer und tiefer – von 155 in der Spitze auf 146 Dollar in weniger als vier Stunden.

Zu Wochenbeginn beschleunigte sich der Ausverkauf weiter, Aktien des iKonzerns wurden bis auf 142 Dollar durchgereicht, bis sich der Kurs nach leichten Erholungsversuchen gestern bei 145 Dollar einpendelte. Binnen nur vier Handelstagen wurden damit mehr als 50 Milliarden Dollar an Börsenwert ausradiert – in der Spitze waren es sogar knapp 70 Milliarden Dollar.

Hedgefonds wetten gegen Apple

Wie ist der drastische Ausverkauf zu erklären? Zunächst einmal mit dem starken Kursverlauf der vergangenen Monate, der Apple seit Jahresbeginn in der Spitze ein Kursplus von bereits 34 Prozent beschert hatte. Nach dem Kursrutsch der vergangenen Tage sitzen Aktionäre seit Januar immer noch auf Zuwächsen von 25 Prozent – auch heißgelaufene Internetaktien wie Facebook, Amazon und Alphabet mussten in den letzten Tagen größere Verluste verkraften.

Doch die Skepsis gegenüber Apple nimmt zu. Wie der Finanzanalyse-Dienst S3 Partners ermittelt hat, haben sich die Short-Wetten auf Apple zuletzt vervielfacht. Nach Tesla und Alibaba werden auf Apple laut Business Insider aktuell die meisten Leerverkäufe platziert – d.h., Anleger wetten auf fallende Kurse des Kultkonzerns aus Cupertino. „Leerverkäufer im Tech-Bereich sehen Apple in naher Zukunft als  Underperformer des Sektors“, erklärt S3-Research-Chef Ihor Dusaniwsky.

Apple wird abgestuft: Banken senken den Daumen

Befeuert wurde die sich plötzlich eintrübende Stimmung zu Wochenbeginn von einer Studie der japanischen Investmentbank Mizuho. Analyst Abhey Lamba stufte den Techpionier überraschend von „Kaufen“ auf „Halten“ herunter und rasierte das Kursziel von 160 auf 150 Dollar.

„Wir glauben, der Enthusiasmus vor dem neuen Produktzyklus ist auf gegenwärtigem Niveau vollständig eingepreist. Das Aufwärtspotenzial von hier ist gering“, schrieb der Mizuho-Analyst an Investoren und zog die angeschlagene Apple-Aktie damit weiter in die Tiefe. Die Investmentbank Pacific Crest hatte Apple in der Vorwoche ebenfalls abgestuft.

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iPhone 8 langsamer als Samsungs Galaxy S8?

Doch auch produktseitig sind plötzlich Hiobsbotschaften zu hören.  So schockte der gut informierte Bloomberg-Techreporter Mark Gurman Apple-Fans mit dem Bericht, dass die Downloadgeschwindigkeit beim iPhone 8 hinter anderen Flaggschiff-Smartphones wie Samsungs Galaxy S8 hinterherhinken könnte.

Hintergrund ist die immer weiter eskalierende Auseinandersetzung mit Zulieferer Qualcomm, der das iPhone 8 eigentlich mit LTE-Modems bestücken soll, die Downloadgeschwindigkeiten von bis zu 1 Gigabit pro Sekunde bieten. Als Apples anderer Modem-Zulieferer kommt Intel zum Zuge, doch dessen Chips reichen offenkundig nicht an die Downloadgeschwindigkeiten von Qualcomm heran, so dass Apple zu einer Drosselung der LTE-Modems von Qualcomm gezwungen sei, um iPhone-Käufer nicht zu benachteiligen.

Tim Cook versucht Investoren mit Plänen zum selbstfahrenden Auto zu locken

In der Praxis dürften eine geringere Downloadgeschwindigkeit kaum ins Gewicht fallen, zumal in weiten Teilen der USA (geschweige denn China) noch überhaupt nicht das notwendige Mobilfunknetz für Übertragungsgeschwindigkeiten von 1 Gigabit pro Sekunde zur Verfügung steht. Doch allein die Aussicht, dass Apples sehnlichst erwartetes neues iPhone dem bereits erhältlichen Galaxy S8 des Erzrivalen Samsung in einem technischen Detail unterlegen sein dürfte, scheint Anleger zu verstören.

Apple-Chef Tim Cook suchte wie schon in der Vergangenheit nach Kursstürzen die mediale Offensive und bestätigte im Interview mit Bloomberg erstmals das offene Geheimnis, dass der iKonzern an der Technologie für ein selbstfahrendes Auto arbeite. „Autonome Systeme“ seien die Kerntechnologie, die Apple als „sehr wichtig“ erachte, erklärte Cook. Apples Anstrengungen bezeichnete der 56-Jährige als „die Mutter aller AI-Projekte“.

Anleger ließ Cooks neuerliche Andeutung über Apples Zukunftsprojekte indes ziemlich kalt, zumal von den Bemühungen erst im kommenden  Jahrzehnt etwas zu sehen sein dürfte.

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