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Olli Dittrichs missglückter „Meisterreporter“ im Ersten: Da ist sogar der Sat.1-Fun-Freitag lustiger

„Als deutsche Forrest-Gump-Kopie durch die alte Bundesrepublik“: Olli Dittrich ist im Ersten der „Meisterreporter“
"Als deutsche Forrest-Gump-Kopie durch die alte Bundesrepublik": Olli Dittrich ist im Ersten der "Meisterreporter"

Am 15. Juni zeigt die ARD um 23.30 Uhr die siebte Folge von Olli Dittrichs TV-Zyklus. In „Der Meisterreporter – Sigmar Seelenbrecht wird 81“ verkörpert Dittrich eine Journalistenlegende, die spricht wie Peter Scholl-Latour, durch die Geschichte rauscht wie Forrest Gump – und dabei so langweilig ist, dass man nebenbei bügeln oder gleich etwas anderes gucken sollte.

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Eine TV-Kritik von Hendrik Steinkuhl

Vermutlich, wahrscheinlich – leider – waren Olli Dittrich und sein Co-Autor Tom Theunissen sogar nüchtern, als sie auf die Idee kamen, Benedikt XVI. einen Bären als Haustier anzudichten. In ihrer Fernsehen gewordenen Fiktion büxt das Tier auch noch aus, wandert über die Alpen, macht als Problembär Bruno den Freistaat unsicher und lässt Meisterreporter Seelenbrecht alias Olli Dittrich schließlich kommentieren: „Die Wege des Bären sind unergründlich.“ Dass dieses mediokre Wortspiel der beste Gag der ganzen Sendung ist, macht betroffen. In der siebten Folge seines ohnehin schon bedeutungslosen TV-Zyklus hat der 60-jährige Olli Dittrich eine Form erreicht, in der die Frührente kein Tabuthema mehr für ihn sein sollte.

Dittrichs Verdienste für das deutsche Fernsehen sind unbestritten. „RTL Samstag Nacht“ und „Blind Date“ haben ihn zurecht berühmt gemacht, und als Dittsche gibt er vielen vor allem männlichen Zuschauern dieses herrlich muggelige Gefühl von Beständigkeit, wie es eben nur Thekenphilosophen mit ihren ewig gleichen Phrasen und Gedankenpurzelbäumen können.

Als „Meisterreporter“ Sigmar Seelenbrecht kann er dagegen nicht einmal mehr eine Mundart anständig imitieren. Sein Berlinerisch (kein Dialekt übrigens, sondern ein Metrolekt) hat die typischen gedehnten und verdrehten Vokale, doch schon für ein regelmäßiges „icke“ fehlte Dittrich offenbar die Motivation. Mitunter fällt er sogar komplett ins Hochdeutsch, das wäre dem dem angeblich so peniblen Arbeiter früher nicht passiert. Dass er mit seinem verwaschenen, ständig die Worte wiederholenden Schnellsprech Peter Scholl-Latour nachahmt, ist schon nach zwei Sätzen erkennbar und schon nach vier Sätzen wieder egal. Denn auch diese Parodie ist, weil vor allem Scholl-Latours knarzendes Gemecker fehlt, halbgar. Vermutlich soll sie das sogar sein, Dittrich präsentiert uns in seinem 81-jährigen Meisterreporter ja ein Amalgam von Journalisten-Veteranen. Doch am Ende ist der Sprachduktus eben zu nah an Scholl-Latour, um nur eine kleine Reminiszenz zu sein und gleichzeitig an den entscheidenden Stellen zu weit weg, um als Parodie zu funktionieren. Harald Schmidt hat das einst viel besser gemacht; aber er hat ja eigentlich alles besser gemacht.

Das Setting der siebten Folge seines TV-Zyklus ist ebenfalls wenig originell, der Fernsehreporter kommt zum Porträtdreh aus Anlass des 81. Geburtstags – ja, der unrunde Jubeltag muss es bei Olli Dittrich sein, er liebt die kleine Variation des Gewohnten auch da, wo das Resultat ein Gag ist, den nur seine zahlreichen Verehrer als solchen anerkennen. Leiser Humor heißt das gerne. In Wahrheit ist es ein Euphemismus für Pointenwüste.

So, wie das 2015 von ihm gespielte Beckenbauer-Double Schorsch Aigner in die großen und in die komischen Episoden des Kaisers eingebaut wurde, wird Sigmar Seelenbrecht nun in einige große und komische Episoden der Bundesrepublik seit 1967 eingebaut. Die humoristischen Konstruktionen sind allesamt genauso bräsig wie die vom Bären des Papstes. Um nur ein Beispiel zu nennen: Aus dem Skandal um den mit Frostschutz gestreckten Ösi-Wein im Jahr 1985 konstruieren Dittrich und Theunissen eine wahnsinnig lustige Dopingmär, in der damalige Sportstars wie Boris Becker, Michael Groß und Bernhard Langer auf dem Ball des Sports vom glykolhaltigen Wein trinken und – nein, das Ganze ist wirklich so dämlich und keine Sekunde witzig, dass es hier nicht zu Ende erzählt werden muss.
Lieber am Ende noch mal erwähnen, was gut war: die Maske. Olli Dittrichs optische Verwandlungen sind absolut gelungen, und großartig ist auch die Tricktechnik, die ihn beeindruckend echt als deutsche Forrest-Gump-Kopie durch die alte Bundesrepublik reisen lässt.

Natürlich geben sich auch wieder viele Prominente ein Stelldichein, ohne die falschen Würdigungen echter Stars kommt ja offenbar keine Mockumentary aus. Anne Will, Günther Jauch oder Andreas Englisch machen ihre Sache als Schauspieler ziemlich gut. Und Matthias Brandt, der auf einen Hausbesuch bei „Onkel Sigmar“ vorbeischaut, ist ohnehin eine Wucht. Das war es dann aber auch, mehr kann man an „Der Meisterreporter – Sigmar Seelenbrecht wird 81“ wirklich nicht hervorheben.
Vermutlich, wahrscheinlich – leider – wird Olli Dittrich auch noch einen achten und einen neunten Teil seines TV-Zyklus produzieren.

Oder er geht den Weg, den Benedikt XVI. gegangen ist, einige Jahre, nachdem ihm der Bär abgehauen ist.

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