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Kult-Autorin Anja Rützel und ihr Tier-Buch „Saturday Night Biber“: „Das war für mich der absolute Schocker!“

Selfie mit Alpaka: „Saturday Night Biber“-Autorin Anja Rützel
Selfie mit Alpaka: "Saturday Night Biber"-Autorin Anja Rützel

Anja Rützel ist in der Branche bekannt und geschätzt für ihre sprachmächtigen Besprechungen von Trash-TV-Sendungen bei Spiegel Online. Dabei schlägt ihr Herz eigentlich für Tiere aller Art. In ihrem Buch "Saturday Night Biber" erzählt sie nun von Begegnungen mit allerlei Getier - vom Alpaka über die Schabe bis zum Hirsch. Mal lebendig, mal tot, mal mit, mal ohne Fell. Mit MEEDIA sprach Anja Rützel über ihre Leidenschaft für Tiere.

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Man kennt Dich in Medienkreisen in erster Linie als Autorin der tollen TV-Kritiken bei Spiegel Online. Jetzt ein Buch über Tiere – wie kam es dazu?

Anja Rützel: Tiere hatten immer schon einen Herzensplatz bei mir, aber seltsamerweise habe ich nie über sie geschrieben – bis auf eine Serie über einen Ameisenbären namens Ernst-Einar, die ich vor 11 Jahren für eine Stuttgarter Zeitung schrieb. Zum Privatvergnügen habe ich in den letzten Jahren nebenbei gerne absurde Tier-Kurse gemacht: einen Falken-Präparierkurs oder eine Ausbildung zur Biber-Beraterin zum Beispiel. Als dann ein Verlag auf mich zukam und fragte, ob ich nicht mal ein Buch schreiben will, dachte ich mir: Da schreibe ich doch mal ein Buch über Tiere.

Du machst das also aus echtem Interesse und nicht nur weil Du denkst: Das ist jetzt aber eine unfassbar skurrile Geschichte, über die man sich beömmeln kann. Zum Beispiel, wenn Du den Kurs beim Weltmeister im Falken-Ausstopfen belegst?

Das war schon ganz ernst gemeint. Eigentlich war es eine persönliche Challenge. Ich wollte herausfinden, ob ich wirklich so tough und ekelresistent bin, wie ich das von mir denke. Die eigentliche Wohltat bei der Beschäftigung mit Tieren ist, dass diese Begegnungen absolut ironiefrei sind. Das ist für mich die reine Erholung.

Wobei Tiere ja durchaus Humor haben …

Das denke ich mir zumindest. Ich gebe mir Mühe, sie nicht zu vermenschlichen, aber manchmal muss ich schon auch wahnsinnig über Tiere lachen. Aber im Gegensatz zu meinen gewohnten Trash-Knalltüten ist diese Komik viel unmittelbarer, es gibt keinen doppelten Boden und keinen Kontext, den man mitdenken muss. Das ist sehr erholsam. Auch, wenn man ein Tier präpariert und zum Beispiel eine Wachtel aufschneidet – ich finde das sehr entspannend. Dazu gehören ja sehr viele mechanische Arbeitsschritte, das Fleisch vom Knochen schaben und so weiter. Andere machen vielleicht statt dessen einen Töpferkurs.

Interessant ist diese Bandbreite an Tieren, denen Du Dich im Buch widmest: von Alpakas über Hirsche, Biber, Ameisenbären bis hin zu Schaben. Findet Du alle Tiere gleich gut?

Ich habe natürlich auch so meine Lieblinge. Aber bei jedem Tier, mit dem ich mich beschäftigt habe, dachte ich hinterher: Ach, so eins hätte ich aber gerne.

Auch bei den Schaben?

Die habe ich mit als einzige Tierart dann tatsächlich angeschafft, und drei Madagaskar-Fauchschaben leben immer noch bei mir. Aber sagen wir so: Wenn sie irgendwann an Altersschwäche von mir gehen, ist das vielleicht auch nicht so schlimm. Wobei man Tiere, egal welcher Art, ja schnell ins Herz schließt. Vor vielen Jahren bin ich umständehalber mal an ein paar Blutegel rangekommen, die ich ein paar Monate bei mir hatte. Selbst da baut man eine Art von Bindung auf.

Im Fall der Blutegel vermutlich eher einseitig …

Das glaube ich auch. Ich traue auch den Schaben nicht richtig über den Weg. Ich weiß zwar, dass es relativ unwahrscheinlich ist, dass sie wirklich irgendwas Größeres planen, aber ganz geheuer sind sie mir nicht. Allein die Größe … und dann gucken die immer so.

Das sind halt sehr fremdartige Lebewesen. Wenn die aus einer Fliegenden Untertasse aussteigen würden, würde man sich nicht groß wundern.

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Absolut. Eigentlich war die Idee, für das Buch einen Schabenzüchter zu porträtieren. Der hat mir dann sehr plausibel erklärt , dass es eigentlich unsinnig ist, dass man Kindern traditionell oft einen Hamster schenkt, weil die ja sehr empfindlich und kurzlebig sind. Dabei wäre eine Schabe das perfekte Haustier für Kinder, weil sie einfach extrem robust sind. Wenn man die mal zwei Wochen nicht füttert, ist das der Schabe egal.

Das ist jetzt natürlich die Perspektive des Schabenzüchters …

Zumindest in unserer Kultur. Hätten wir ein anders Niedlichkeitskonzept, wäre die Schabe vielleicht viel mehr angesehen.

Zwei Dinge, die ich aus dem Buch gelernt habe: Ich habe noch nie zuvor von einem Stoff namens Bibergeil (ein Sekret aus den Drüsensäcken des Bibers) gehört und finde es sehr befremdlich, dass daraus auch Schnaps gemacht wird. Und, was mich ebenfalls überrascht hat war, dass sich Alpakas nicht gerne anfassen lassen. Hat Dich das auch am meisten überrascht?

Das war für mich der absolute Schocker! Wenn es ein Tier gibt, das ausstrahlt: Kuschel mich, ich bin flauschig, dann ist es das Alpaka. Dabei empfinden die menschliches Begrabbeln eher als Zumutung. Den größten Eindruck hat auf mich allerdings meine Kuschelstunde mit einer Kuh gemacht. Ich komme ja ursprünglich aus einer ländlichen Gegend und dachte nicht, dass mich das groß beeindrucken würde. Aber diese Dreiviertelstunde mit der Kuh, die ihren Kopf in meinem Schoß legte und da eingeschlafen ist, das hat mich tatsächlich dazu gebracht, dass ich endlich zur Vegetarierin wurde. Dass so ein eher unspektakulär scheinendes Tier so etwas in einem bewegen kann, das fand ich bemerkenswert.

Was hast Du für Reaktionen auf das Buch bekommen?

Die meisten Leute sind tatsächlich überrascht, weil sie das Tierthema nicht erwartet haben. Viele wundern sich auch, dass ich durchaus Empathie zeigen kann. Manche hielten mich, glaube ich, für eine grausame Alte, die rund um die Uhr ohne Mitleid das Trash-TV-Personal schlachtet.

Kannst Du aus der Beschäftigung mit den Tieren auch was für Deine Arbeit als TV-Kritikerin rausziehen?

Na ja, ich habe die drei Schaben auch deshalb behalten, um zu schauen, ob das Schaben-Leben als Allegorie auf die menschliche Gesellschaft taugt. Beruflich gesehen wäre es natürlich traumhaft, wenn ich durch das Buch in den Tier-Journalismus reinrutschen könnte. Da gibt es noch einige Dinge, die absolut unterrapportiert sind.

Fällt es Dir manchmal schwer, noch Texte über TV-Sendungen zu schreiben oder stellt sich da ein gewisser Ermüdungseffekt ein?

Manchmal ist es schon ermüdend, wenn man mit der Kritik origineller sein muss, als es die besprochene Sendung ist. Das Finale von „Germany’s Next Topmodel“ hat mich neulich aber dann doch wieder einmal neu beflügelt und richtig in Rage versetzt. Darüber schreibe ich dann wirklich gerne. Im Gegensatz zu den „Global Gladiators“, die leider nur schnöde Pflicht sind. Davon waren die Tiere ein schöner Ausflug.

Wer die Autorin live erleben möchte: Am Donnerstag, 15. Juni, findet ab 21 Uhr (Einlass: 20 Uhr) in der Berliner Fahimi Bar die Release Party zu „Saturday Night Biber“ statt. Für das musikalische Rahmenprogramm sorgen die Special Guests Stella Sommer (Die Heiterkeit), Jens Friebe, Joachim Hentschel und Markus von Schwerin. Es kommen bislang unbekannte Molchlieder zur Aufführung.

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Alle Kommentare

  1. „Was hast Du für Reaktionen auf das Buch bekommen?“

    Lieber Frager, die Antwort aud die so gestellte Frage könnte z.B. ‚Geld‘ heißen – für Reaktionen hat sie vielleicht Geld bekommen.

    Richtig heißt die Frage, wie Sie sie meinen: „Was für Reaktionen [‚was für‘ = etwa ‚welche‘] auf das Buch hast Du bekommen?“

    Nicht ablenken lassen von all den Dusseln, die so sprechen, wie Sie schreiben – lieber dazulernen!

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