Negativ-Preis für Burda, Bauer und Funke: Netzwerk Recherche vergibt Verschlossene Auster an Yellow-Verlage

Wenig begehrt: die verschlossene Auster
Wenig begehrt: die verschlossene Auster

Die Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche nutzt die diesjährige Verleihung der Verschlossenen Auster für Medienkritik und ermahnt mit dem Negativ-Preis in diesem Jahr drei große deutsche Verlagshäuser: Die Funke Mediengruppe sowie Burda und Bauer Media werden für die intransparente Machart ihrer Klatschmagazine kritisiert. Ihr Verhalten schade der Glaubwürdigkeit des Journalismus, so die Begründung.

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Die Verlagshäuser, die unter anderem Yellow-Titel wie die aktuelle, Freizeitwoche, Freizeit Revue oder Neue Post herausbringen, erhalten den Preis stellvertretend für alle anderen Regenbogen-Verleger. Burda, Bauer und Funke gehören zu den größten Produzenten von Klatsch-Journalismus.

„Nach Ansicht von Netzwerk Recherche untergraben die Preisträger das Vertrauen in die Glaubwürdigkeit der Medien“, heißt es in der Erklärung der Journalistenvereinigung. „Mit irreführenden Schlagzeilen, falschen oder erfundenen Texten, fehlender Nachfrage bei den Betroffenen, Manipulationen von Fotos und nicht selten der Verletzung von Persönlichkeitsrechten. Die Bereitschaft zur freiwilligen Korrektur von falscher Berichterstattung fehlt häufig.“

Tatsächlich gehört die Machart der Yellow-Magazine zur umstrittensten Form des Journalismus. Regelmäßig wird über Geschichten und Titelseiten vor Gericht gestritten. Fast immer fühlen sich Prominente und Adelige in ihren Persönlichkeitsrechten verletzt. MEEDIA berichtet regelmäßig von den rechtlichen Auseinandersetzungen, bei denen häufig nicht nur Unterlassungen und Gegendarstellungen ausgeurteilt, sondern auch Geldentschädigungen und Schadenersatzsummen in fünf bis sechsstelliger Höhe verhängt werden. Die Regenbogenpresse steht auch bei Watchblogs wie dem Topfvollgold regelmäßig unter kritischer Beobachtung.

Mit der Negativ-Auszeichnung will das Netzwerk Recherche kritisieren, „dass Verlage nur äußerst ungern Auskunft geben zu Form, Machart und Inhalt ihrer Magazine.“ Der Preisverleihung am heutigen Samstag blieben die Verlagsverantwortlichen fern, reagierten aber schriftlich.

Funke nimmt Preis „mit Respekt“ entgegen, Bauer reagiert mit PR-Offensive

Die Funke Mediengruppe nehme den Preis zwar „nicht gerne, aber mit Respekt“ entgegen, verteidigt den Regenbogen-Journalismus aber: „Sogenannte Yellows decken unserer Überzeugung nach ein weit verbreitetes gesellschaftliches Bedürfnis ab. Die Nachfrage nach diesen Titeln zeigt das sehr deutlich: Menschen interessieren sich immer für Menschen (…) Es ist für uns aber auch selbstverständlich, dass dieser primär unterhaltende Journalismus geltenden rechtlichen und natürlich auch ethischen Maßstäben entsprechen muss.“ Die gesamte Stellungnahme finden Sie hier.

Hubert Burda Media reagiert auf den Negativ-Preis vor allem mit der Verteidigung, dass die herausgegebene Freizeit Revue in jüngerer Vergangenheit „keine Beschwerden vom Deutschen Presserat“ erhalten habe. „Auch unter dem Aspekt ‚Wahrheitsschutz‘ ist nicht ersichtlich, weshalb Freizeit Revue in den Verdacht unzutreffender Berichterstattung oder unzulänglicher Recherche geraten ist.“ So habe man weder Gegendarstellungen drucken, noch Richtigstellungen veröffentlichen müssen. Auf andere Blätter, die sich dafür vor Gericht verantworten mussten und müssen (beispielsweise Bunte), die der Verlag aber dem „People-Journalismus“ zuordnet, ging Burda nicht ein. Die gesamte Stellungnahme finden Sie hier.

Die kürzeste, dafür aber deutlichste Reaktion kam von der Bauer Media Group. Man nehme seine Leser durchaus ernst. „Diese Form des unterhaltenden Journalismus als besonders kritikwürdig einzustufen und sich damit über Abertausende von Kolleginnen und Kollegen sowie Millionen von Leserinnen und Lesern zu erheben, empfinden wir als anmaßend“, heißt es. Darüber hinaus reagierte der Verlag in dieser Woche, zeitlich wohl nicht zufällig, via Kress mit einer PR-Offensive.

Das Medienportal veröffentlichte gleich mehrere Artikel, in denen beschrieben wird, wie die Journalistenschule des Hauses die „Yellow-Ausbildung“ „professionalisiert“, Verlagsgeschäftsführer Ingo Klinge durfte in einem Gastbeitrag erläutern, dass der Yellow-Journalismus Parallelen zu Pulitzer aufweise und der „Neue Post“-Chefredakteur versuchte zu erklären, dass man durchaus „glaubhaft“ spekuliere. Die gesamte Stellungnahme der Bauer Media Group lesen Sie hier.

Die gesamte Jury-Begründung von Netzwerk Recherche können Sie hier nachlesen.

Die Verschlossene Auster ist der jährlich vom Netzwerk Recherche verliehene Negativ-Preis, mit dem die Journalistenvereinigung „Informationsblockierer“ ermahnen will. In den vergangenen Jahren kritisierte die Organisation mit der Auszeichnung unter anderem die Kommunikationspolitik von Facebook, den Waffenhersteller Heckler & Koch, die Fifa, die Autoindustrie oder auch die Politik.

 

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