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„So krank ist er wirklich“: Bunte-Titelstory über Gesundheitszustand von Boris Becker geht vor Gericht

Die Bunte berichtet über angebliche Gesundheitsbeschwerden von Boris Becker  – dieser geht nun gegen die People-Zeitschrift vor
Die Bunte berichtet über angebliche Gesundheitsbeschwerden von Boris Becker – dieser geht nun gegen die People-Zeitschrift vor

Boris Becker hat es mal wieder auf die Titelseite der Bunte geschafft – das freut ihn allerdings gar nicht. Denn unter der Zeile "So krank ist er wirklich" berichtet Deutschlands das Society-Magazin über angebliche Gesundheitsprobleme und zeichnet die Krankenakte der Tennis-Legende nach. Der Bericht ist eine "schwerwiegende Persönlichkeitsverletzung" finden er und sein Anwalt Oliver Moser. Der Fall dürfte vor Gericht gehen.

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Es ist ein freundliches Foto, geschossen im Grünen, irgendwann, irgendwo an einem sonnigen Tag. Es zeigt Boris Becker im sommerlichen Outfit, Hemd leicht aufgeknöpft, neben ihm in seinem Arm steht seine Frau Lily, ihre linke Hand liegt auf seiner Brust.

Diese kleine Geste bekommt mit der Zeile, die Bunte unter dieses Foto gesetzt hat, eine ganz andere Bedeutung. „So krank ist er wirklich“, schreibt Bunte, berichtet in der Unterzeile von „höllischen Schmerzen“, unter denen Becker leider, nur eine „riskante Operation“ könne ihm helfen, heißt es weiter. Ist Becker lebensbedrohlich krank?

Nein, lebensbedrohlich nicht, für einen Titel aus Sicht der Redaktion offenbar dennoch schwer genug. Bunte schreibt über die negativen Folgen seiner Tennis-Karriere, von einem mittlerweile „völlig zerstörten“ Sprunggelenk, das der ehemalige Wimbledon-Gewinner nun in besagter „riskanter“ OP durch eine Prothese ersetzen lassen wolle.

Von dem Problem hat sich die Bunte eigenem Bekunden zufolge selbst überzeugt. Auf einer Veranstaltung will sie einen ausgebeulten Turnschuh erkannt haben, dessen Schnürsenkel „nur locker gebunden“ gewesen sein, eine orthopädische Stützmanschette soll sein Gelenk stabilisiert haben. Als Beleg gibt es im Heftinnern das Foto von der Titelseite noch einmal als Totale. Mit Pfeilen markiert ist nicht nur die angebliche Verletzung am Knöchel, sondern auch fünf weitere aus der Vergangenheit, auf die Bunte mit Text und weiteren Bildern auch noch einmal eingeht.

Der ehemalige Tennis-Profi ist über die insgesamt drei Seiten ersichtlich verärgert. Bei der Bunte in München seien „wieder die Pferde frei gelassen worden“, twitterte er am Donnerstagabend. Der Bericht entspreche nicht den Tatsachen (gemeint sind vermutlich Sprunggelenk und OP). Die Bunte werde von ihm hören, schrieb er weiter.

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Und das hat sie. Wie es seitens des Burda-Verlages in München heißt, sei Bunte bereits zur Unterlassung aufgefordert worden. Entsprechende Schritte hat Beckers Medienanwalt Oliver Moser gegenüber MEEDIA bestätigt. Unabhängig vom Wahrheitsgehalt der Berichterstattung, den Moser nicht kommentieren wollte, stelle die Berichterstattung eine „schwerwiegende Persönlichkeitsrechtsverletzung“ dar. Die Bunte zeichne mit der „Krankenakte“ ein insgesamt „entwürdigendes Bild“, das Becker nicht hinnehmen müsse, so Moser weiter.

Ob Moser mit dieser Ansicht richtig liegt, damit dürften sich schon bald die Richter eines Landgerichts beschäftigen. Wie es aus dem Burda-Verlag heißt, werde man der Abmahnung des Anwaltes nicht folgen. Im nächsten Schritt dürfte Moser versuchen, eine einstweilige Verfügung durchzusetzen, gegen die sich Burda dann wehren muss.

Aus medienrechtlicher Perspektive dürfte dieser Fall durchaus interessant werden. Spätestens seit dem Unfall von Michael Schumacher wirft die Berichterstattung über Gesundheitszustände immer wieder neue Fragen auf. Nach einer Grundsatzentscheidung des Bundesgerichtshofes aus dem November vergangenen Jahres, die eine Berichterstattung über allgemeine medizinische Informationen auch ohne „Öffnung“ (sprich: eigenständiger Schritt in die Öffentlichkeit) des Protagonisten grundsätzlich zulässt, geht es vor allem um die Frage, wie detailliert über gesundheitliche Probleme berichtet werden darf.

Im Fall von Boris Becker kommt hinzu, dass durchaus eine sogenannte Selbstöffnung vorliegt. Becker sucht immer wieder selbst die Öffentlichkeit, hat sich auch schon mit seinen Verletzungen auf Veranstaltungen gezeigt, in Interviews darüber gesprochen oder seine Probleme sogar in seiner eigenen Biografie thematisiert. An diesen Quellen hat sich auch die Bunte für ihre Berichterstattung bedient, zitiert Äußerungen wie: Tennis sei „Raubbau am eigenen Körper“ gewesen oder „Meine Hüfte tat höllisch weh“. Das Gericht muss entscheiden, ob Sätze wie diese nur eine oberflächliche Öffnung gegenüber der Öffentlichkeit gewesen sind und damit keine „klassische Selbstöffnung“, wie Moser es bezeichnet, oder ob Becker damit leben muss, dass Medien seine thematisierten Verletzungen aufgreifen und nachträglich eine „Krankenakte“ skizzieren.

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