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Delivery Hero vor Börsengang: Oliver Samwer steht mit Rocket Internet unter Erfolgsdruck

Rocket-Chef Oliver Samwer winkt mit Delivery Hero ein Emissionserlös von 264 Millionen Euro
Rocket-Chef Oliver Samwer winkt mit Delivery Hero ein Emissionserlös von 264 Millionen Euro

Wieder schlechte Nachrichten für Rocket Internet-Chef Oliver Samwer: der schwedische Großaktionär Kinnevik zieht sich komplett aus der Berliner Start-Up-Schmiede zurück und will seine restlichen Anteile bei institutionellen Investoren platzieren. Für Samwer ist es nun besonders wichtig, dass der bevorstehende Börsengang der Beteiligung Delivery Hero ein voller Erfolg wird. Ansonsten droht er, weiter das Vertrauen der Rocket-Aktionäre zu verlieren.

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Für Rocket Internet-Chef Oliver Samwer kommt es derzeit knüppeldick. Im Februar hatte der schwedische Großaktionär Kinnevik bereits einen Teil seines Aktienpakets an der Berliner Start-up-Schmiede verkauft. Jetzt ziehen sich die Schweden komplett aus dem Unternehmen zurück und wollen 10,9 Millionen Rocket-Aktien bei institutionellen Anlegern platzieren. Die Nachricht kommt an der Börse nicht gut an. Die Notierung gibt um rund vier Prozent nach.

Damit wächst der Druck auf Samwer, dass der bevorstehende Börsengang der Essens-Lieferdienstes Delivery Hero (Lieferheld, Foodora) ein Kracher wird. Seit drei Jahren warten die Rocket-Aktionäre darauf, dass der Internetunternehmer endlich eine erfolgreiche Aktienplatzierung wie einst bei Zalando in 2014 wiederholt. Denn darauf basiert das Geschäftsmodell der Webholding. So baut Samwer seit Jahren mit dem Geld aus dem Börsengang Start-ups auf, um sie anschließend börsenreif zu machen. Dafür kopiert er am liebsten vielversprechende Webunternehmen aus den USA. Ob der Verkauf von Mode (Global Fashion) oder von Haushaltshilfen – Samwer hat so in den vergangenen Jahren ein weit verzweigtes Reich an Internetgesellschaften aufgebaut. Doch Börsengänge? Fehlanzeige. Immer wieder kündigte der als ungeduldig geltende Geschäftsmann an, Firmen auf das Aktienpaket zu bringen. Mal ist Hello Fresh im Gespräch, mal Global Fashion. Doch nichts passierte.

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Jetzt also Delivery Hero. Vor wenigen Tagen kündigt Firmenchef Niklas Östberg endlich den Gang des Essenslieferdienstes aufs Börsenpakett an. Das Unternehmen will aus der Aktienplatzierung brutto rund 450 Millionen Euro erlösen, um weiter zu wachsen. Die Notierung soll am regulierten Markt in Frankfurt erfolgen. Für Rocket Internet wäre eine Aktiennotierung der Gesellschaft der lang ersehnte Befreiungsschlag. Mit 33 Prozent sind die Berliner hier der größte Anteilseigner. In Finanzkreisen wird der Wert der Gesellschaft zwischen 3,5 bis 3,8 Milliarden Euro bewertet. Sollte Delivery Hero an der Börse ein Renner werden, würde der Rocket-Boss rasch über ein millionenschweres Anteilspaket verfügen. Das könnte er nach einer bestimmten Haltefrist zumindest zum Teil zu Kapital machen. „Rocket Internet kann das Geld aus dem Verkauf von Delivery Hero-Aktien gut nutzen, um in neue Start-Ups zu investieren und Verluste abzubauen“, meint ein Wertpapieranalyst aus Frankfurt. Denn die Berliner schreiben immer noch rote Zahlen. Im ersten Quartal häufte die Gesellschaft einen Fehlbetrag von 86 Millionen Euro an, im Vorjahresquartal lag das Minus noch fast vier Mal so hoch.

Ob der Börsengang von Delivery Hero klappt, hängt allerdings vor allem vom aktuellen Börsenumfeld und dem richtigen Zeitpunkt ab. Werden die Aktienmärkte wenige Tage vor dem geplanten Erstlisting von einem Terrorakt wie jüngst in Großbritannien oder durch neue Tiraden des US-Präsidenten Donald Trump erschüttert, könnte dies die Aktienplatzierung gefährden. „Im schlimmsten Fall wird der Gang auf das Aktienparkett kurzfristig abgeblasen“, meint ein Analyst. Das wäre für Samwer allerdings der Super-Gau.

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