Mehr Aufgaben für Journalisten, „rückständige“ Technik in Redaktionen: So beurteilen Chefredakteure den Fach-Journalismus

Eine Arbeitswelt von gestern?
Laut einer Umfrage arbeiten Fachredaktionen mit „defizitärer“ Ausstattung
Eine Arbeitswelt von gestern? Laut einer Umfrage arbeiten Fachredaktionen mit "defizitärer" Ausstattung

Von Fachjournalisten werden mittlerweile nicht mehr nur journalistische Kompetenzen verlangt, sondern auch Tätigkeiten außerhalb der Redaktion. Zu dem Ergebnis kommt eine Umfrage des Branchenverbands der Deutschen Fachpresse. Alarmierend scheint zudem die technische Ausstattung in den Redaktionen.

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Hier spricht der Verband der deutschen Fachpresse von einer „defizitären“ Ausstattung. „Die IT-Landschaft in den Redaktionen ist offensichtlich erstaunlich rückständig“, heißt es in der Zusammenfassung der Umfrage. Die Theorie, in der Redaktionen digital modernisiert werden, weiche deutlich von den realen Bedingungen ab. Dabei mangelt es vor allem an Anwendungen. Viele Redaktionen arbeiteten noch immer mit längst nicht mehr zeitgemäßen Content-Management-Systemen, trotz zunehmender Bedeutung von Content Marketing, verfüge man selten über Costumer-Relation-Management-Systeme.

Der Grund sind offenbar hohe Investitionen, vor denen sich kleine Medienhäuser scheuen. „Außerdem ist der Anbietermarkt (noch) unübersichtlich und es gibt eine gewisse Unsicherheit“, erklären die Macher der nicht repräsentativen Untersuchung, an der 233 Chefredakteure von Fachmedien teilgenommen haben.

Mitten im Wandel befindet sich das Berufsbild des Fachjournalisten, bei dem die journalistischen Kompetenzen zwar noch immer am meisten geschätzt werden, andere Fähigkeiten gewinnen aber deutlich an Bedeutung. Neben dem Must-have des Fachwissens in einem oder mehreren speziellen Themengebieten sowie Zielgruppenkenntnis und journalistisches Know-how müssen Journalisten zunehmend auch im Verlag angesiedelte Tätigkeiten übernehmen, heißt es.

Die Entwicklungen sollten dabei durchaus kritisch verfolgt werden. Als weiterführende Aufgaben werden nämlich Tätigkeiten in der Anzeigenabteilung sowie im Marketing und Vertrieb genannt. „Die einstmals starren Grenzen zwischen diesen Verlagsbereichen scheinen also etwas aufzuweichen“, heißt es. Das ist im Zuge der Digitalisierung und Disruption bisheriger Geschäftsmodelle zwar nicht unüblich, sollte aber nicht als selbstverständlich hingenommen werden. Insgesamt bleiben diese Anforderungen aber noch weit hinter den Kernkompetenzen zurück.

Im Vergleich zu den Vorjahren seien die Anforderungen an Fachjournalisten insgesamt gestiegen, so der Verband. Keine der bisherigen Aufgaben habe an Bedeutung verloren. „Die Arbeitsbedingungen sind daher auch durch eine wachsende Arbeitsverdichtung geprägt.“

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