Anzeige

Hiobsbotschaft für Spiegel TV: Magazin-Sendung verliert ihren RTL-Sendeplatz am Sonntag

Moderatorin Maria Gresz ist seit der Gründung 1988 das Gesicht des „Spiegel TV Magazins“ bei RTL
Moderatorin Maria Gresz ist seit der Gründung 1988 das Gesicht des "Spiegel TV Magazins" bei RTL

Es ist für Zuschauer des Spiegel TV Magazins eine historische Zäsur: Seit Jahrzehnten wird das Politmagazin am Sonntagabend ausgestrahlt. Jetzt verliert das TV-Format seinen traditionellen Sendeplatz. Der Grund: Die Niedersächsische Landesmedienanstalt hat die Sendezeiten für die Drittfenster bei RTL neu ausgeschrieben. Und dies in Absprache mit der Kölner Mediengruppe RTL, die sich vom Sonntag ohne Spiegel TV "mehr Flexibilität" verspricht.

Anzeige
Anzeige

Das Ende der 80er Jahre von Stefan Aust begründete Fernsehformat gilt als ebenso kultig wie (vor allem bei Politikern) gefürchtet und verhasst. Das Spiegel TV Magazin gehört seit Jahrzehnten für die Fans zum Sonntag wie der „Tatort“ für Krimi-Enthusiasten. Damit ist ausgerechnet im Jubiläums-Jahr 2018 Schluss. Denn das „Magazin“ wird dann nach genau 30 Dienstjahren nicht mehr sonntags zu sehen sein. Und ob es danach überhaupt noch bei RTL zu sehen sein wird, ist seit heute völlig offen. Denn Spiegel TV muss sich im Kampf um die verfügbaren anderen sogenannten Drittsendeplätzen gegenüber anderen Bewerbern durchsetzen.

Grund hierfür ist, dass die Niedersächsische Landesmedienanstalt (NLM) die Sendeplätze für die Drittfenster bei dem Kölner TV-Privatfernsehsender RTL neu ausgeschrieben hat. Künftig gelten vier neue Sendezeiten: am Samstag von 19.05 Uhr bis 20.15 Uhr, am Montag von 23.25 bis Mitternacht, am Dienstag von 0.30 Uhr bis 1.15 Uhr und ebenfalls am Dienstag von 1.15 bis 1.45 Uhr. Als die NLM am heutigen Mittwoch diese Bedingungen im Ministerialblatt publizierte, traf die Nachricht die Mitarbeiter an der Hamburger Ericusspitze wie ein Hammer. Die Änderungen treten zum 1. Juli 2018 in Kraft. Die Bewerbungsphase für die neuen Sendeplätze läuft bis zum 1. September 2017.

Sollte sich Spiegel TV bei der Ausschreibung der RTL-Sendefenster erneut durchsetzen, drohen empfindliche Zuschauereinbußen. Denn schafft es der Spiegel nicht, den einzig lukrativen Sendeplatz am Samstagabend zwischen 19.05 und 20.15 Uhr zu ergattern, bliebe als einzige halbwegs akzeptable Option der späte Montagabend von 23.25 bis Mitternacht. Dessen Handicap ist vor allem die für Werbekunden wenig attraktive Uhrzeit nach 23 Uhr. Fraglich ist daher, ob sich ein aufwändiges TV-Format dort noch finanzieren ließe.

Die Entscheidung über den neuen Sendeplätze hat die RTL-Mediengruppe einvernehmlich mit der Landesmedienanstalt getroffen. Dass die Kölner den Sonntag von dem Drittsendeplatz befreit haben, liegt vor allem am verschärften Wettbewerb durch die öffentlich-rechtliche sowie private Konkurrenz. So zeigt die ARD am Sonntag den meist quotenstarken Tatort, der RTL-Konkurrent ProSieben bespielt den die Prime Time meist mit zwei Spielfilmen hintereinander. Dies sind für Werbetreibende interessante Umfelder, um ihre Kampagnen zu zeigen.

Erstmnals erschien das „Spiegel TV Magazin“ am 8. Mai 1988 auf dem Bildschirm, zwei Jahre vor stern TV, das erstmals im April 1990 auf Sendung ging. Ausgestrahlt wurde das Magazin zunächst als halbstündiges Format, inzwischen sind es mehr als zwei Stunden. „Noch immer ist stern TV eine der letzten ‚Wundertüten‘ im Fernsehen. Ein aktuelles Magazin, in dem Information, Unterhaltung, Lebenshilfe, die große Reportage oder die kleine Satire jede Woche ihren Platz finden kann“, beschrieb vor einigen Jahren Günther Jauch das Konzept. Auf stern TV scheint RTL langfristig zu setzen. Das Format behält seinen Mittwochssendeplatz, wird zudem künftig komplett als Eigenproduktion der Kölner gelistet (bislang galt dies nur für einen Teil der Sendung) und ist damit aus dem Schneider, weil den Prouzenten der turnusmäßige Bewerbung um eine Drittlizenz erspart bleibt. Ein RTL-Sprecher gegenüber MEEDIA: „In der Vergangenheit gab es juristische Bedenken zur bisherigen Ausgestaltung von stern TV als Drittsendezeit. Hier wollten wir Klarheit schaffen.“

Mit Blick auf Spiegel TV erklärte der Sprecher weiter: „Der bisherige Sendeplatz von Spiegel TV wird ab Mitte 2018 nicht mehr als Drittsendezeit bestehen. Dafür gibt es neue Zeitfenster. Im Zuge der Gespräche mit der NLM war unser Anliegen, am Sonntag Abend mehr Flexibilität zu bekommen. Die Zuschauer sind hier bislang bisher Spielfilme gewohnt, die einen Audience Flow zu einem nachfolgenden Politik-Magazin schwierig machen. Dieser Argumentation ist die NLM gefolgt.“
Anzeige
Für das „Spiegel TV Magazin“, eine Institution im Politfernsehen, könnte dies unter Umständen sogar das Aus nach drei Jahrzehnten bedeuten. Denn im neuen Verfahren sind die Hamburger möglicherweise ein Bewerber unter vielen; der gefühlte „Heimvorteil“ auf dem Stammplatz ist verloren. Der RTL-Sprecher dazu: „Spiegel TV kann sich wie jeder andere interessierte Produzent auf die neuen Sendezeitschienen bewerben.“
Spiegel TV hat in der TV-Saison 2016/17 (September 2016 bis Mai 2017) im Durchschnitt 1,52 Mio. Leute erreicht, darunter 800.000 14- bis 49-Jährige. Der Durchschnitts-Marktanteil im Gesamtpublikum lag bei 8,0%, in der jungen Zielgruppe bei 11,0%. Ohne die beiden Ausgaben im Januar, die direkt im Anschluss an „Ich bin ein Star“ 21,4% und 23,5% im Gessmtpublikum, sowie 29,9% und 27,5% bei den 14- bis 49-Jährigen erzielten, läge der Saison-Durchschnitt bei 7,0% und 9,7%. Zum Vergleich: Der 12-Monats-Sender-Durchschnitt von RTL liegt derzeit bei 9,5% bzw. 12,4%.

stern TV erreichte zwischen September 2016 und Mai 2017 2,04 Mio. Zuschauer bzw. 940.000 14- bis 49-Jährige, sowie Marktanteile von 10,9% bzw. 13,9%. Ohne die beiden Dschungel-Ausgaben im Januar (25,8% und 26,7% im Gesamtpublikum, bzw. 35,6% und 36,9% bei den 14- bis 49-Jährigen) läge das Normalniveau hier bei 10,1% und 12,8%.

 

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. RTL im allgemeinen hat in der Qualität nachgelassen. Egal ob der ewig Poptitan oder die blöden scripted Reality billig Produktionen.Dann kam noch DVB-T2 HD und Mogelcom Deppentel ( Media Brotkasten ) Die wollen schon insgeheim die verbreitung von Werbefernseh-TV in HD. – natürlich gegen bezahlung. Dannach werden die RTL’s in bisher kostenlosem SD abgeschaltet.

  2. Die 7% Einschaltquote sind halt nicht gut genug…

    Wer sieht sich schon freiwillig links-reaktionäres bevormundungs-TV an?

    Spiegel-TV hat schon seine guten Momente, aber das reicht halt nicht…

    Aber bis dahin läuft RTL eh nur noch über DVBT2 und dafür zahlt keiner, also guckt es auch keiner… ist-also-eh-Wurst!

  3. Samstags von 19.05 Uhr bis 20.15 Uhr läuft dann zukünftigt „Tichys Einblick TV“ produziert von ServusTV, pech für den Spiegel Verlag, Kündigungen schon mal vorbereiten

    1. Klaus,

      die AfD kommt doch nicht einmal mehr auf zehn Prozent. Da wird RTL wohl kaum auf einen AfD-Lautsprecher vertrauen. Und bitte!, welche Sendungen produziert der Brause-Konzern-Sender denn selbst außer Talkshows? Zumal Tichy sich ungern mit Leuten umgibt, die anderer Meinung sind als er selbst.

      Oder soll der arme Tichy etwa demnächst für Servus TV irgendeinen Risiko-Sport betreiben? In dem Fall vielleicht doch was für RTL…

      1. RTL vertraut auf die Kohle von Mateschitz und die Einschaltquoten werden auch ordentlich sein, endlich wieder echter Journalismus im deutschen TV.

        Und wir reden ja von 2018, nach meiner Erwartung hat ISIS bis dahin den seit Jahren vorbereiteten Mega-Anschlag in Europa ausgeführt, Ziel ist natürlich 9/11 zu toppen und mindestens 10.000 Menschen zu töten.

  4. „In der Vergangenheit gab es juristische Bedenken zur bisherigen Ausgestaltung von stern TV als Drittsendezeit. Hier wollten wir Klarheit schaffen.“

    Das ist sehr lustig formuliert vom RTL-Sprecher. Natürlich sind diese juristischen Bedenken schon seit Jahren geklärt und ausgeräumt. Es geht darum, Alexander Kluge mitsamt seiner DCTP (an welcher übrigens der „Spiegel“ auch 12,5 % Anteile hält) aus dem Biz herauszuziehen. Kluge hat an Stern TV verdient, ohne irgend etwas dafür gemacht zu haben – allein wegen der Lizenz.
    Nun sollte man nicht erwarten, dass RTL der Stern TV-Produzentin I&UTV mehr zahlt. Soweit geht die Liebe nun doch nicht. RTL wird fürs gleiche Angebot weniger zu zahlen haben, that´s it. Und da SpiegelTV bei weitem keine cash cow war, rechnen die Bertelsmänner auch für den Sonntagabend mit einem finanziellen Plus.
    Wenn man eine Landesmedienanstalt Nds. als Aufsichtsorgan hat, ist alles möglich. Diese Landesmedienanstalten haben einen enormen Etat (z.B. Hannover: 10 Mio!), aber im Grunde genommen sind sie lächerlich.
    Man muss kein Freund von SpiegelTV sein, aber dass RTL stattdessen eine anspruchsvolle, informative neue Sendung ins Leben rufen wird, ist mehr als zweifelhaft. Danke, ihr Hannoveraner Medienwächter, für euren Anteil an der Verflachung des TV-Angebots. Es ist beschämend.

    Wie absurd die angebliche Aufsicht dieser Landesmedienanstalt gegenüber RTL aussieht, das hat u.a. Stefan Niggemeier einmal sehr schön beschrieben:

    http://uebermedien.de/6724/schwiegertochter-regeln-gesucht/

    Und das alles unter einer rotgrünen Landesregierung.

  5. Ach herje!

    Aber sicher wird RTL mit attraktivem Premium Content wie saufende Hartz-Kevins oder irgendwas mit Promis und Casting „den Audience-Flow“ schon catchen… oder KOCHEN , ja kochen is super …so mit Promis…mal was anderes, was frisches …

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*