„Sehr wahrscheinlich, dass Rechte in Pay-Bereich gehen“: ZDF erwartet Ende der Champions-League-Übertragungen

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ZDF-Intendant Thomas Bellut

Wer überträgt künftig die Champions League? "Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Rechte in den Pay-Bereich gehen", sagte ZDF-Intendant Thomas Bellut diese Woche in Berlin. Es läuft offenbar darauf hinaus, dass die Fußballfans für die Partien in die Tasche greifen müssen - oder in die Röhre schauen.

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Für die meisten Fußballfans ist es eine ärgerliche Vorstellung: Die Champions League gibt es nur noch gegen Bezahlung. Derzeit deutet allerdings alles darauf hin, dass der wichtigste europäische Wettbewerb von 2018 an komplett im Pay-TV-Bereich verschwindet. Das ZDF scheint sich zumindest damit abgefunden zu haben, dass sein Angebot für die TV-Rechte abgelehnt worden ist.

„Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Rechte in den Pay-Bereich gehen“, sagte ZDF-Intendant Thomas Bellut diese Woche in Berlin. Er gehe von einer Veröffentlichung unmittelbar vor dem Finale an diesem Samstag in Cardiff aus. Danach sieht es inzwischen nicht mehr aus.

Obwohl es seit Wochen Gerüchte gibt, dass Sky und der Streamingdienst DAZN längst den Zuschlag erhalten haben, gab es auch am Freitag zunächst keine offizielle Bestätigung. Kommentieren wollten die beiden Pay-Anbieter das Verfahren nicht.

Rechtlich gesehen ist das ZDF genauso wie alle anderen Interessenten noch an dem Wettbieten beteiligt, das bereits Anfang April begann. Doch die UEFA und die beauftragte Agentur TEAM lassen sich überraschend viel Zeit. Das Verfahren kann sich sogar noch bis Anfang Juli hinziehen. 90 Tage gelten die Angebote.

Trotz der Verzögerungen wäre es eine riesengroße Überraschung, wenn es hierzulande auch von 2018 bis 2021 Übertragungen der Champions League im frei empfangbaren Fernsehen geben würde. Alles deutet darauf hin, dass es so wie in Großbritannien sein wird: Kein Spiel der Champions League läuft dort im frei empfangbaren Fernsehen, und es gibt nicht einmal eine Zusammenfassung im Free-TV.

„All pay“, also „alles bezahlen“, heißt diese Variante. Mit der hat die UEFA auf der Insel einen Rekord-Vertrag abgeschlossen. 1,2 Milliarden Pfund (1,38 Milliarden Euro) kassiert der Verband von BT Sports nach übereinstimmenden Medienberichten für drei Spielzeiten.

„Es hätte eigentlich schon längst passiert sein sollen“, hatte UEFA-Generalsekretär Theodore Theodoridis vor drei Wochen gesagt: „Die Verhandlungen sind kompliziert.“ Bei der Frage, ob die Rechte auch in Deutschland komplett ins Bezahlfernsehen wandern könnten, wich er aus.

Für das ZDF beginnt daher wohl nach dem Finale in Cardiff die Abschieds-Saison. In der Champions League 2017/18 darf der öffentlich-rechtliche Sender noch einmal 18 Partien übertragen. Einziger Trost für die Fußballfans ist, dass zumindest die Übertragungen der Endspiele im Free-TV gezeigt werden müssen. Für Sky wäre das mit seinem frei zugänglichen News-Kanal kein Problem.

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Alle Kommentare

  1. Es kann einem nur schlecht werden von diesem versoffenen und vollgefressenen Pack in den Rundfunkanstalten.

  2. Von wegen.
    Es bleibt kein Geld für die Übertragungsrechte übrig, weil die Mittel für die Altersvorsorge der Medienbonzen verschwendet werden.

  3. Prima! Dann kann nun endlich die GEZ-Wohnungszwangssteuer wieder abgeschafft werden, wenn so viel Geld eingespart werden kann.

    1. Nein!

      Laut „Bild“-Zeitung aus dem Jahr 2016 fehlen ARD und ZDF rund 2,2 Milliarden Euro nur für die Pensionen. Dort lese ich weiter

      Um Mitarbeiter nicht an die besser zahlende Konkurrenz zu verlieren, stellten die Öffentlich-Rechtlichen vor allem in den 80ern üppige Pensionszahlungen in Aussicht. So üppige, dass in den vergangenen Jahren bereits ein „zweckgebundener Gebührenbeitrag“ erhoben wurde, um die entstandene „Deckungsstocklücke“ zu schließen. Schon heute zahlt jeder Bundesbürger 13,50 Euro im Jahr für die zusätzliche Altersversorgung öffentlich-rechtlicher Rentner.

      Und es geht weiter:

      Doch das allein reicht langfristig offenbar nicht. Allein in den nächsten vier Jahren müssen ARD und ZDF für 23.431 Pensionäre 3,3 Milliarden Euro aufbringen.

      Und:

      Weiteres Problem: ARD und ZDF sind bei ihren Planungen von Zinserträgen für ihre Rückstellungen ausgegangen, die heute als utopisch gelten.

      Erinnert sich noch jemand an die 1,6 Milliarden Euro Begehrlichkeiten, die sich auf einem Sperrkonto angesammelt haben, seit der Rundfunkbeitrag 2013 zu einer Zwangsabgabe geworden und das Beitragsaufkommen dadurch gestiegen ist?

      Der ist ab diesem Jahr frei. Nichts hört man davon. Die ARD wollte das Geld bereits früher. „Gute Programme“, hat der ARD-Vorsitzende Lutz Marmor das begründet, „kosten Geld“. Und anderswo gespart habe man schließlich schon reichlich.

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