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Mutti Erde und Big Arnie gemeinsam gegen DUSPAZ Trump

Mutti Erde und Big Arnie ärgern sich über The Donald, viel Ärger um ein Käßmann-Zitat, David Schraven ärgert sich über kresspro und die Bild schreibt das SZ Magazin ab
Mutti Erde und Big Arnie ärgern sich über The Donald, viel Ärger um ein Käßmann-Zitat, David Schraven ärgert sich über kresspro und die Bild schreibt das SZ Magazin ab

Kleines Medienkaro und big Trouble in der Weltpolitik. Während sich in Medienhausen Übermedien, Tichys Einblick, Henryk M. Broder, Erika Steinbach und die AfD über ein Zitat von Margot Käßmann streiten und Correctiv-Chef David Schraven kresspro abmahnen will, kündigt The Donald mal eben den Ausstieg aus dem Pariser Klima-Abkommen an. Aber keine Angst: Wir haben ja Arnold Schwarzenschnitzel und Mutti.

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Ach, ist das wieder ein Ärger in unserer wunderbaren Branche. Diese Woche gab es Zeter und Mordio satt. Zuerst dieser Zores zwischen der Medienkritik-Website Übermedien und dem nach rechts schielenden Web-Magazin „Tichys Einblick“. Wie andere auch, war Tichys Einblick über ein Zitat der Theologin Margot Käßmann auf dem Evangelischen Kirchentag in Berlin mächtig aufgebracht. Käßmann übte Kritik an der Familienpolitik der AfD. Passagen im Grundsatzprogramm der AfD erinnerten sie an den „so genannten kleinen Arierparagraphen der Nationalsozialisten: zwei deutsche Eltern, vier deutsche Großeltern: Da weiß man, woher der braune Wind wirklich weht“, sagte sie. Da drehten maßgebliche AfD-Vertreter und Teile der sich als konservativ sehenden Medienwelt durch. Der Teil mit dem „braunen“ Wind wurde aus dem berühmt-berüchtigten Kontext gerissen und fleißig via Facebook verbreitet. U.a. von der Schrägdenkerin Erika Steinbach:

Die AfD sah sich überdies zu platten Hinweisen auf Käßmanns lange zurückliegende Alkohol-Fahrt veranlasst. Welt-Autor Broder und Roland Tichy haben die Sache im AfD-Sinne aufgegriffen, weswegen die beiden Journalisten von Übermedien der Verleumdung bezichtigt wurden. Der Streit und die Vorwürfe drehten sich im Detail dann darum, ob im AfD-Programm die Sache mit den „zwei deutschen Eltern und vier deutschen Großeltern“ nun stehe oder nicht. Offenbar nicht, allerdings hat Ralph Weber, AfD-Landtagsabgeordneter in Mecklenburg-Vorpommern, die Formulierung laut Übermedien mal auf Facebook eingeführt. Das wiederum rief Tichy-Autor Alexander Wallasch auf den Plan, der wegen des Verleumdungs-Vorwurfs durch Übermedien eine Verleumdung von Tichy wittert und mit Strafparagrafen hantiert. Tichy habe sich mit seiner Aussage, Käßmann verbreite „Fake-News“, nämlich eindeutig darauf bezogen, dass sie sich aufs AfD-Programm bezogen habe. Jessas! Übermedien versuchte Klarheit in die Sache zu bringen, indem nochmals eine ausführliche „He said, she said“-Chronologie veröffentlicht wurde. Was bleibt: Frau Käßmann hat sich mit ihrem Bezug aufs AfD-Programm wohl tatsächlich einer gewissen Überspitzung „schuldig“ gemacht. Die AfD-Truppe, Broder und Tichy haben im Anschluss daran Käßmanns Aussagen allerdings ziemlich deutlich verdreht und aus dem Zusammenhang gerissen. Sind das die Methoden, mit denen die Medien das verloren gegangene Vertrauen ihres Publikums wiedergewinnen wollen? Man staunt.

Noch mehr Ärger: David Schraven, Gründer des Recherchebüros Correctiv, ärgert sich schon eine ganze Weile über die vielen Fragen, die ihm der freie Journalist Marvin Oppong stellt (Marvin Oppong hat auch schon für MEEDIA geschrieben). Seinem Ärger machte Schraven vor einiger Zeit auf Facebook Luft. Bei den Fragen geht es um angebliche Interessenskonflikte, die Bodo Hombach haben soll. Hombach war mal im Ethikrat von Correctiv und ist Vorstandsmitglied der Brost-Stiftung, dem Haupt-Geldgeber von Correctiv. Marvin Oppong hat dazu nun eine Geschichte bei kresspro veröffentlicht. Überschrift der Online-Fassung: „‚Schwerwiegender Interessenkonflikt‘: Bodo Hombach, David Schraven, Correctiv und die Brost-Stiftung“. Dies veranlasste Schraven nun zu einer neuerlichen Facebook-Wutrede. Oppong habe sich eine Verschwörungstheorie ausgedacht und diese trotz Gegenrede „einfach so frei von der Leber“ (Copyright: G.Oettinger) aufgeschrieben. In den Kommentaren zu dem Facebook-Posting kündigt Schraven an, kress eine Abmahnung zu schicken. kresspro-Chefredakteur Markus Wiegand sagte mir dazu: „Wir haben David Schraven und die Brost-Stiftung mit ihren Ansichten fair zitiert. Ich kann nicht erkennen, was an unsere Berichterstattung rechtswidrig sein soll. Es wurde bereits während der Recherche mit rechtlichen Schritten gedroht. Es hat uns erstaunt, dass Correctiv, immerhin ein Portal für Recherchen, so reagiert hat, wie ein Großunternehmen, dem man kritische Fragen stellt. Die Frage, warum Bodo Hombach zwei Jahre lang sowohl für die Brost-Stiftung als auch für Correctiv im Ethikrat tätig war, wurde aus unserer Sicht nicht schlüssig beantwortet. Correctiv leistet in vielen Bereichen eine wichtige Arbeit, aber es muss auch erlaubt sein, die Finanzierung und die Interessensbindungen zu hinterfragen, wie wir es auch bei Medienunternehmen tun.“ (Offenlegung: Ich habe früher für kress gearbeitet).

Da hat die Bild aber einen schönen Scoop gelandet. Die „große Lebensbeichte“ von Alfred Biolek wird am heutigen Freitag auf der Titelseite prominent angeteast.

Auf Seite fünf der gedruckten Bild nimmt die Biolek-Story große Teile der Seite ein: „Ich lebe von den Erinnerungen. TV-Legende Alfred Biolek spricht in einem melancholischen Interview über seinen Lebensabend und den Tod.“ Wer den Artikel liest merkt schnell, dass es sich hier nicht um ein Bild-Interview handelt, sondern dass die Boulevardzeitung die Titel-Geschichte des aktuellen SZ-Magazins geflöht hat.

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Wobei der Paparazzi-Abschuss, der Biolek mit Rollator zeigt, Bild-Exklusiv sein dürfte. Das ist insofern nicht ganz uninteressant, da die Bild ja doch Focus Online verklagt, weil das Burda-Portal nach Springer-Sicht systematisch Bild Plus-Artikel klaut, bzw. ab- und umschreibt. Naiv gefragt: Ist ein exklusives SZ-Magazin-Interview nicht auch irgendwie ein Bezahl-Inhalt? Dass das SZ-Magazin gratis in Innenstädten verteilt würde, wäre mir jedenfalls neu. Darf man das so einfach ab- und umschreiben? Von Leistungsschutz wollen wir gar nicht erst anfangen. Jaja, ich weiß schon, dass der Bild-Vorwurf gegen Focus Online so geht, dass die Focus-Nasen „systematisch“ klauen und darum gegen das Datenbankrecht verstoßen würden. Und bei der Bild sind sie garantiert auch der Meinung, dass das hier nun ja was ganz, ganz anderes ist, wenn sie beim SZ-Magazin abschreiben, als wenn Focus Online bei ihnen abschreibt. Und sie haben das SZ-Magazin auch gezeigt und mehrfach zitiert, so wie Focus Online auch immer die Bild ausführlich zitiert, wenn sie bei ihr abschreiben. Ich fand diese doch sehr prominente Art der Inhalte-Zweitverwertung aber zumindest bemerkenswert.

Das alles ist, zugegebenermaßen, ganz kleines Medienkaro. In der großen weiten Welt hat der DUSPAZ (Dümmster US-Präsident aller Zeiten) derweil tatsächlich angekündigt, das Pariser Klima-Abkommen zu verlassen. Falls Sie andere Medien nutzen, als die Bild-Zeitung, der diese Sache keine Erwähnung auf der Titelseite wert war, haben Sie das möglicherweise mitbekommen. Unter den zahlreichen Reaktionen auf diese neueste Trump’sche Irrsinns-Kapriole fand ich diese von Arnold Schwarzenegger besonders einprägsam:

Arnie sollte allerdings die Anschaffung eines Nasenhaar-Trimmers ernsthaft in Erwägung ziehen. Davon abgesehen: Was sind das für Zeiten, in denen man sich wünscht, der Äkschnfuim-Hero aus den 80ern wäre US-Präsident? Auch Angela Merkel hat sich – für ihre Verhältnisse überdeutlich – zu Trump und dem Klima-Abkommen geäußert. Mutti ist ganz und gar nicht amüsiert und greift ungewohnt tief in die Pathos-Kiste: „Allen, denen die Zukunft unseres Planeten wichtig ist, sage ich: Lassen sie uns gemeinsam den Weg weitergehen, damit wir erfolgreich sind für unsere Mutter Erde.“ Zeilenvorschlag: Mutti Erde.

Schönes Pfingst-Wochenende!

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