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Nach MEEDIA-Bericht über Verschwendung: VG Wort will künftig bei Reisekosten sparen

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Die Verwertungsgesellschaft Wort will sparsamer mit den ihr anvertrauten Geldern umgehen. Nachdem MEEDIA im Februar über teure Dienstreisen per Lufthansa-Business-Class berichtet hatte, hat sich die Organisation erstmals eine schriftliche Reisekostenrichtlinie verpasst, wonach Verkehrsmittel und Unterkünfte künftig „angemessen und situationsgerecht“ sein müssen.

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Von Eckhard Stengel

Vor allem ein ehrenamtliches Gremienmitglied aus der Nähe von Frankfurt a.M. war in der Vergangenheit durch hohe Reisekostenabrechnungen aufgefallen: Der inzwischen 83-jährige Urheberrechtsexperte pflegte jahrelang per Lufthansa-Business-Class von Frankfurt nach München zu VG-Wort-Gremiensitzungen zu fliegen, statt mit dem wesentlich günstigeren und ähnlich schnellen ICE anzureisen. Die Nacht verbrachte er im Fünf-Sterne-Hotel Le Méridien, so dass eine solche zweitägige Reise fast 1.100 Euro kostete. Die VG Wort erstattete ihm anstandslos die Spesen – bis MEEDIA auf Tipp eines Insiders diese Praxis öffentlich machte.

Inzwischen hat der VG-Wort-Verwaltungsrat zum ersten Mal eine interne schriftliche Reisekostenrichtlinie verabschiedet und sie allen Vorstandsmitgliedern und Verwaltungsräten ausgehändigt. Der genaue Wortlaut soll noch redaktionell überarbeitet und dann auch online veröffentlicht werden, wie einer der beiden hauptamtlichen VG-Wort-Vorstandmitglieder, Rainer Just, jetzt auf MEEDIA-Anfrage berichtete. Den neuen Regeln zufolge muss auch der 83-jährige Ehrenamtliche künftig die Bahn benutzen, wenn er wieder zu Gremiensitzungen nach München anreist. Immerhin darf er dann die Erste Klasse buchen – so, wie auch die anderen ehrenamtlichen Mitglieder von VG-Wort-Gremien und die beiden hauptamtlichen Vorstandsmitglieder. Für die normalen Verwaltungskräfte der Organisation ist dagegen die Zweite Klasse vorgesehen.

Falls VG-Wort-Vertreter mal weitere Dienstreisen zu erledigen haben, müssen sie innerhalb Europas grundsätzlich die preiswerte Economy-Class nutzen. Bei interkontinentalen Flügen, etwa zu den Weltkonferenzen der Verwertungsgesellschaften, dürfen laut Just Vorstandsmitglieder wie er „unter bestimmten Voraussetzungen“ die wesentlich teurere Business-Class buchen – zum Beispiel, wenn von ihnen „bereits bei der Ankunft hohe Präsenz verlangt wird“.

Insgesamt gilt nach den Worten von Just der Grundsatz: „Verkehrsmittel  werden generell angemessen und situationsgerecht gewählt. Existieren mehrere Möglichkeiten oder eine gleichwertige Alternative, sind öffentliche Verkehrsmittel zu bevorzugen.“

Der hochbetagte Urheberrechtsexperte aus dem Frankfurter Raum war nicht nur von Frankfurt, sondern vereinzelt auch schon aus New York zu Sitzungen nach München eingeflogen – für rund 4.000 Euro pro Gremientreffen. Solche aufwändigen Flüge soll es laut Just „grundsätzlich nicht mehr“ geben.

Auch für die gewählten Unterkünfte gilt nach der neuen Richtlinie, dass sie situationsgerecht und angemessen sein müssen. Das Münchener Hotel Le Méridien, das für manche VG-Wort-Sitzungen als Tagungsort dient und dann auch von dem Frankfurter Urheberrechtler zur Übernachtung genutzt wird, ist aus Sicht von Just weiterhin angemessen. Auf Reiseportalen wie Tripadvisor oder Holidaycheck wird es als Fünf-Sterne-Hotel geführt, doch Just bezweifelt diese Einstufung und findet: „In der Innenstadt ist das Preisniveau des Hotels im Rahmen.“

Die neue Richtlinie gilt nicht nur für die VG Wort direkt, sondern auch für ihren Sozialfonds, den Förderungsfonds Wissenschaften und die Stiftung Autorenversorgungswerk. Ihre Verabschiedung ist die einzige Konsequenz aus der Spesenaffäre. Weder muss der 83-Jährige die überhöhten Reisekosten der vergangenen Jahre zurückerstatten noch wird die VG-Wort-Spitze dafür belangt, dass sie die Spesenabrechnungen akzeptiert hat. Der Urheberrechtsexperte beruft sich darauf, dass er seine Reisemodalitäten vor über 20 Jahren mit dem damaligen VG-Wort-Chef abgesprochen habe. Seitdem galt für ihn offenbar eine Art Gewohnheitsrecht. Doch zumindest bei künftigen Reisen kann er sich darauf nicht mehr berufen.

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Alle Kommentare

  1. Wir leben im Stamokap-Sozialismus.
    q.e.d.

    Das funktioniert solange, bis einem das Geld der anderen ausgeht, das die Profiteure von den Arbeitenden gestohlen haben.

  2. Bravo Meedia. Dafür braucht man Euch. Aber: Das ist Pipifax gegenüber dem, was unsere öffentlich-rechtlichen Gebühren-Sender-Leute an Reise- und Hotelkosten ausgeben, wenn sie in Hundertschaften z.B. zu Berlinale, Filmfest München, Preisverleihungen oder weiteren Filmfesten einfallen. Was sie für die elitäre Kleinst-Lounge zur Berlinale im Hyatt ausgeben wäre höchst interessant zu wissen. Zumal sie dort max 100 Leute reinpressen können. Aber so lassen sich noch einige Zeit die Produzenten und Schauspieler in den ihnen zugewiesenen Schubladen halten. Würden sie alle zusammen einladen, könnten sich ja die Eliten mit den Normalos vermischen und mit denen reden müssen. Pfui..igitt… Und die vielen ZDF-Mitarbeiter, teilweise mit Partnern passen auch noch rein. Da weiß man dann, warum sie bei den Filmen, die sie brauchen, um Programm zu haben, so extrem sparen müssen.

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