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Der verhängnisvolle Hang von Politik und Medien zum pauschalen EU-Bashing

Hasso Mansfeld
Hasso Mansfeld

Als politisches Konstrukt und Verwaltungsapparat zieht die Europäische Union besonders viel Kritik auf sich. Politik und Medien finden in ihr ein allzu leichtes Ziel für pauschales Bashing von Bürokratie-Irrsinn, Bürgerferne und Geldverschwendung. Dabei ist dieses EU-Bashing alles andere als fair und oft sogar ungerechtfertigt, meint MEEDIA-Gastautor Hasso Mansfeld.

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Von Hasso Mansfeld

Wer einmal erfahren will, wie die Medien über Europa denken, der muss nur „Europa“ und „Bürokratie“ nebst einem  x-beliebigen überregionalen Medium bei Google eingeben. Am Beispiel Spiegel erfahren wir dann, dass Europa  verschwenderisch ist, Europameister im Geldausgeben, irrsinnig, die Büros voller Petzer, skurril, eine Lachnummer, ein bürgerfressendes Konstrukt, beherrscht von einem großen Regulierungschaos oder ganz einfach: wahnsinnig.

Aber es gibt auch Ausreißer. So bemühte sich der Brüssler Spiegel Korrespondent Markus Becker Ende 2015 ein paar der hartnäckigsten Gerüchte und Stereotypen aus dem Weg zu räumen. Nach seiner Lesart schrumpft das vermeintliche Bürokratiemonster rapide. Die EU-Kommission – also im Gefüge der EU so etwas, wie eine Regierung – habe weniger als halb so viel Mitarbeiter wie die Stadtverwaltung Hamburg. Wenn die EU nun Bürokratiemonster ist, was wäre dann die Stadt an der Elbe?

Wie sieht es mit den Kosten aus? Die bewegen sich irgendwo um rund ein Prozent des es Bruttoinlandsprodukts aller 28 EU-Mitgliedstaaten. Um es greifbarer zu machen: Das entspricht der Höhe der Mitgliedsbeiträge bei Verdi. Hier soll jeder selbst entscheiden, was ihm mehr Vorteile verschafft, wenn der Spiegel Korrespondent berichtet, das sich insbesondere bei der Gesundheit und Sicherheit von Angestellten dank der EU vieles verbessert hätte. Ähnliches gelte auch für den Verbraucherschutz. Beckers positives Ranking ist lang. Aber es bleibt die Ausnahme. Warum ist das nun so?

Warum übernehmen die Medien bis auf wenige Ausnahmen diese stereotype Form der Kritik, geäußert von Politikern, stärker noch fundamentiert bei jenen mit extremer Ideologie? Hier werden Botschaften aus politischem Kalkül transportiert und von den Medien oft einfach übernommen ohne sie auf eine Weise zu hinterfragen, wie es eigentlich journalistischen Gepflogenheiten entsprechen sollte. Sagen wir es kurz und knapp: Pauschalkritik an der EU ist in den Medien in besonderem Maße anschlussfähig, wo man kritisch hinterfragen könnte.

Erwarten müsste man hier einen  fairen Umgang mit dem „Übergangskonstrukt“ EU. Sicherlich gibt es bei dem politischen Gebilde EU Demokratiedefizite, womöglich auch solche gravierender Natur, aber die EU entwickelt sich ja nicht aus sich heraus, sie ist Resultat einer Willensbekundung der Nationalstaaten. Die EU hat sich nicht aus sich selbst heraus gebildet. Das Parlament darf keine Gesetze einbringen, es diskutiert sie, macht Verbesserungsvorschläge, winkt sie durch oder hat ein Vetorecht und kann der Kommission sogar das Misstrauen aussprechen. Seit 2014 wird hier auch der Präsident gewählt, der wiederum eine wichtige Position in der europäischen Kommission einnimmt. Das ist, was die nationalen Regierungen ihrem EU-Parlament zubilligen. An welchem Maßstab wollen nationale Politik und Medien dieses Konstrukt nun messen?

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Ist es fair, wenn die EU zum Steinbruch der Parteien und Politiker wird? Zum Objekt einer wohlfeilen Systemkritik? Fakt ist: Wann immer es gilt politische Arbeit als kritisch darzustellen, aufzuzeigen; was verbesserungswürdig ist, was falsch ist, wird mit dem Finger auf die EU gezeigt. Vor allen Dingen auf die Kommission.

Eine ermahnende Botschaft an die Kritiker aus Politik und Medien kommt ausgerechnet aus den USA, wo der US-Politikwissenschaftler Andrew Moravcsik, EU-Experte an der US-Universität Princeton, Ende März diesen Jahres gegenüber der Süddeutschen Zeitung erklärt, warum Europa sich nicht ständig schlechtreden sollte.  Moravcsik sieht einen wichtigen Grund für die verbreitete Unzufriedenheit in einer seltsamen Komplizenschaft von EU-Skeptikern und EU-Enthusiasten. Aber vielleicht braucht es ja den Blick auf Europa über den Atlantik hinweg um festzustellen das gerade wir Europäer die Verfasstheit und Effizenz der EU schlechtreden. Sicherlich ist auch eine zu große Erwartungshaltung ausschlaggebend für die andauernde pauschale Kritik aus Politik und Medien. Immer wieder hochgekocht und eingeschenkt aus dem nationalstaatlichem Süppchen. Das Tragische an der EU ist indes, sie ist in ihrer Selbstdarstellung so schrecklich langweilig.

Es ist höchste Zeit, dass Brüssel sich mal Gedanken macht wie man das ändern kann.

Über den Autor:

Hasso Mansfeld arbeitet als selbstständiger Unternehmensberater und Kommunikationsexperte. Für seine Ideen und Kampagnen wurde er unter anderem dreimal mit dem deutschen PR-Preis ausgezeichnet. Hasso Mansfeld schreibt außerdem regelmäßig für das Online-Debattenmagazin diekolumnisten.de. Mansfeld trat 2014 als Kandidat der FDP für die Europawahl an.

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Alle Kommentare

  1. Eine kritische Berichterstattung kann ich nun wirklich nicht erkennen. Im Gegenteil: obwohl sich die Mainstreammedien in Sachen EU, aber auch in Sachen Merkel, als Hofberichterstatter betätigen, treten die negativen Folgen der nationalen als europäischen Folgen immer stärker zu Tage: Spätestens, wenn der Bürger den Verlust der inneren Sicherheit und des einstigen Wohlstands hautnah zu spüren bekommt, wird es einen massiven Stimmungsumschwung geben, da werden auch die Medienmanipulationen nichts mehr helfen.

  2. Bedauerlich und auch erhellend, daß man für einen Pro-Artikel einen Kommunikationsberater mit Auszeichnungen für PR-Artikel benötigt, der zudem noch parteipolitische Ausrichtung mitbringt und über seinen eigenen angestrebten Arbeitsplatz schreibt. Das spricht weder für die EU noch für diese Publikation.

  3. Die EU ist ein totes Pferd und jeden Tag verstehen das mehr Leute, daran kann auch millionenschweres Astroturfing nix ändern.

    Merkel und ihre Regierungstruppe sind die grösste Politversager aller Zeiten, unfähig wirklich strategisch, mittel- und langfristig zu denken, fremdgesteuert und von Schuldgefühlen getrieben.

    Der Brexit ist der Supergau (praktisch verursacht von Merkel), er besiegelt die Verwandlung der EU zu einem Süd-Länder-Ausbeuterclub zum Schaden des Nordens.

    Deutschlands Substanz und Wohlstand wird jetzt verwertet bis nix mehr zu holen ist, dann wird der EURO aufgelöst.

  4. An der EU gibt es einiges Gutes und einiges Schlechtes, aber wie es um den Zustand der EU bestellt ist, zeigt sich vor allem daran, wie ihre Befürworter argumentieren. Wenn wie hier Herr Mannsfeld ebenso wie der von ihm zitierte Markus Becker völlig schiefe Zahlen verwenden – man könnte neudeutsch auch sagen: Fake News verbreiten -, um die eigenen Leser für dumm zu verkaufen, dann trauen sie offenbar den echten Argumenten pro EU nicht.

    Um konkret zu werden: Wenn die Zahl der Beschäftigten von EU und der Stadt Hamburg verglichen werden, werden Äpfel mit Birnen verglichen. Bei der Stadt Hamburg sind viele, viele Polizisten, Lehrer, Erzieher, Müllmänner, Grünflächenpfleger, etc. angestellt. Bei der EU, die keine exekutiven Aufgaben wahrnimmt, dagegen fast ausschließlich Verwaltungsangestellte. Wer beides ernsthaft vergleicht, hat entweder nicht den Schmimmer einer Ahnung oder ist so verzweifelt, dass er versucht, Anti-EU-Populismus mit billigem Pro-EU-Populismus zu bekämpfen.

  5. Aha… jetzt kommt die Gegen-Kampagne. Wer hat wen beauftragt mit dem neuen Image-Marketing der EU. Ich erinnere mich jedenfalls an monatliche Umzüge für ein Heidengeld nach Straßburg. Ganze Armaden fahren Aktenordner hin und her. Ich sehe auch das Bild vor mir, dass ganze Fluchten voll sind mit Ordnern über Gesetze usw. die alljährlich gemacht werden zusätzlich den Papierhaufen aus den Ländern direkt. Dazu ständige Bürgerüberwachung allüberall während sie keine Vernetzung schaffen, um die Terroristen wenigsten festnehmen zu können. Oder Grenzen zu sichern. Ach hört doch auf mit Eurem Schöngerede. Was die Parlamenterier dort kosten, welche Freiheiten sie sich nehmen, wie unanständig sie am Freitag früh noch schnell ihre Unterschrift leisten um ein paar Euronen mehr abzuzocken – schon die Koffer hinter sich her ziehend. Die sollen erst mal ihr eigenes Image säubern, statt uns jetzt mit einer Charme-Offensive zu kommen. Die G7-Hanseln – am WE noch stramm stehende neben Trump (ich muss immer noch lachen über diese lächerliche Bild) – sprechen jetzt wir müssen unser Schicksal selbst in die Hand nehmen. hahahahahahaaaaa….. Diese EU, die in der ganzen Flüchtlingskrise vollkommen versagt hat und zwar bis heute. Am schlimmsten „Die Getriebenen“ bei uns hier… wollen jetzt die Bürger einschwören darauf, dass die EU die Amerikaner als Schutzmacht nicht mehr braucht, hat oder was soll uns das Geschwätz sagen?!

    1. Oh Gott, Keumel, Du hast den Artikel so was von bestätigt und merkst es nicht mal. Wer hat Dir dieses bild von der EU vermittelt? Die Medien! Bist DU dir 100% sicher, dass es richtig ist, hast Du die Fakten gecheckt, Dir ein eigenes Bild gemacht. No!

      1. Kommt da noch was Floman, oder ist das wieder nur ein Beispiel typisch dämlicher ARD Pöbelei?

      2. Eigenes Bild machen? Lass mal überlegen, Floman.

        Die BRD kontrolliert weder ihre eigenen Grenzen, noch ihr eigenes Geld. Unserer Parlament wandelt hauptsächlich nur noch Vorgaben der EU in deutsches Gesetz um.

        Die BRD existiert also nur noch als Hülle.

        Nicht schlecht von Dir gedacht, nicht die EU, sondern die uns verbliebenen Hüllen verantwortlich machen zu wollen. Respekt. Machst Du sowas beruflich?

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