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Schäbige Berichte über Guardiolas Familie beim Manchester-Anschlag: die Meldung, die keine sein sollte

Objekt der Berichterstattung: Pep Guardiola und seine Familie
Objekt der Berichterstattung: Pep Guardiola und seine Familie

Zahlreiche Medien haben am Dienstag darüber berichtet, dass die Familie von Pep Guardiola in der Manchester-Arena war, als ein Selbstmordattentäter 22 Personen tötete. Frau und Töchter des Startrainers kamen bei der Explosion allerdings nicht zu Schaden. Warum wird ihre Anwesenheit bei der Katastrophe trotzdem zum Thema gemacht? Und dann auch noch, nämlich von der Welt, auf diese schmierige Art?

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Von Hendrik Steinkuhl

Es wirkt so viel an diesem Artikel nicht richtig, und es beginnt schon bei der Rubrizierung: Gehört ein Text über die Unversehrtheit der Familie eines Fußballtrainers wirklich in das Sport-Ressort? Die Online-Ausgabe der Welt hat wie viele andere deutsche und englische Medien darüber berichtet, dass Pep Guardiolas Frau und seine beiden Töchter das Konzert von Ariana Grande besuchten – und unverletzt blieben, als sich ein Terrorist im Foyer der Manchester-Arena in die Luft sprengte.

Auf der Startseite war der Artikel unter den Meldungen zu finden, doch mit dem allgemeinen Verständnis dieser journalistischen Darstellungsform hat der Text nichts zu tun. Und wenn man keine falsche Höflichkeit walten lässt, müsste man zu dem Ergebnis kommen, dass der Text auch mit Qualitäts-Journalismus nichts zu tun hat. „Egal, wie berühmt und reich der Papa ist: Teenies sind Teenies. Ganz normale junge Menschen, die viel erlebt (!) wollen. Die für Stars schwärmen. Die Musik lieben.“

Mit dem Namen Pep Guardiola den Anschlag von Manchester für ein paar Klicks mehr auszubeuten, ist bereits sehr fragwürdig. Dann aber auch noch die Meldung, die eigentlich keine sein sollte, mit einem derartigen – Pardon – Gesülze zu einer Geschichte aufzublasen, ist ziemlich schäbig.

Dass man mit so einem Thema außerdem viele Leser vor den Kopf stößt, weiß jeder Journalist, der sich auch nur gelegentlich in den Kommentarbereich verirrt. Und erfreulicherweise findet sich unter dem Welt-Artikel ein Kommentar, der – anders als der Artikel – ohne Rechtschreibfehler auskommt und in ein paar Sätzen das Wesentliche auf den Punkt bringt:

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„Interessiert es tatsächlich jemanden, dass diese Familie heile wieder zu Hause angekommen ist? Nicht, dass ich ihnen etwas Schlechtes wünsche. Aber ich finde den Artikel irgendwie zynisch, angesichts der ganzen Opfer, überwiegend auch noch Kinder. Man muss doch nicht aus jeder Gegebenheit einen Artikel machen.“

Weil die Leserkritik in Zeiten des Internets so oft so laut und unsachlich ist, gilt vielen Journalisten gerne alles, was ganz unten auf der Seite steht und eindeutig Stellung gegen den Text bezieht, als unsachlicher Quatsch. Tatsächlich existiert aber auch der umgekehrte Fall: dass der Artikel unsachlicher Quatsch ist und kritische Leser völlig zurecht darauf hinweisen. So wie hier.

Auch andere Medien, die sich immerhin nur auf die Meldung beschränkten, bekamen für die Thematisierung der Unversehrtheit von Pep Guardiolas Familie den verdienten Gegenwind. „Sind das bessere Menschen oder einfach mehr wert oder was soll so eine Meldung?“, kommentiere eine Leserin auf der Website der Neuen Osnabrücker Zeitung, die die knappe Meldung allerdings nicht selbst verfasst, sondern von der dpa übernommen hatte.

Zu dem altbekannten „Unter den Opfern waren auch Deutsche“ gesellt sich im digitalen Zeitalter also die Information, dass unter denen, die keine Opfer wurden, auch solche waren, die wir zwar nicht kennen, wohl aber deren Mann respektive Vater. Und der ist nicht einmal Deutscher.

Gut, dass Hajo Friedrichs das alles nicht mehr mitbekommt.

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Alle Kommentare

  1. Der Nachrichtenwert ist schon gegeben, auch wenn dieser eigentlich trivial ist, KEINER ist mehr sicher vor dem Islamo (hat Hendrik Steinkuh „vergessen“ zu erwähnen) Terror in Europa.

    Leute wie Hendrik Steinkuh passt das offenbar nicht, vielleicht wird mit solchen Artikeln die obere Mittelschicht sensibilisiert und dem ein oder anderen wird plötzlich klar, auch mit Multi-Millionen kann man sich nicht gänzlich von den Folgen einer auf vielen Ebenen verfehlten Politik freikaufen.

  2. Warum haben SÍE ein-Foto von Peps Guardiola über Ihren pseudo-moralischen Artikel gepappt, Herr Steinkuhl?

    Damit man – klick – daran hängen bleibt?

    Bei Ihrer „schmierigen“ Kritik ging das auch ohne Kleber.

  3. „Und dann auch noch, nämlich von der Welt, auf diese schmierige Art?“

    „Schmierige Art“ – Was ist denn das für eine Wortwahl? Klingt nach Stürmer 1933.
    Und dabei doch offenichtlich bloß getragen von dem Wunsch, das Thema Anschlagsopfer zu stigmatisieren.
    Wenn es ein Junge wäre, der ertrunken am Strand angespült worden ist, oder Kinder die Opfer von Giftgas geworden sind, oder Kinder die traumatisiert aus den Trümmern ihres Hauses gezogen wurden und nun einsam in einem Krankenwagen sitzen…. aber doch bitte nicht die Opfer islamistischer Anschläge in Europa thematisieren.
    Mit solcher verkommenen Moralvorstellung sollte man besser schweigen.

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